Hunderte Menschen nehmen Abschied von 14-Jähriger

Zwei Tage nach der blutigen Gewalttat auf einem Schulweg in Illerkirchberg wurde das 14-jährige Mädchen beigesetzt. Auch nach der Beerdigung bleiben viele Fragen offen.
Zur blauen Stunde brennen zahlreiche Kerzen am Tatort eines Messerangriffs auf zwei Mädchen. © Christoph Schmidt/dpa

Begleitet von Tränen, Trauer und mehreren Hundert Menschen ist das in Illerkirchberg getötete Mädchen am Mittwoch beigesetzt worden. Ein Polizeisprecher sprach von «unglaublich vielen Menschen», die zum Friedhof kamen, um von der 14-Jährigen Abschied zu nehmen. Viele der Trauernden trugen ein Foto von dem Mädchen an der Jacke.

Um den Menschen ein «Gefühl der Sicherheit» zu geben, seien auch mehrere Polizisten beim Friedhof in Illerkirchberg gewesen, sagte der Sprecher. «Es war davon auszugehen, dass in so einem Zusammenhang viele Menschen ihre Anteilnahme zeigen.» An der Trauerfeier nahmen auch der türkische Botschafter Ahmet Basar Sen und Illerkirchbergs Bürgermeister Markus Häußler teil.

Ein Mann soll am Montag in Illerkirchberg bei Ulm zwei Mädchen auf dem Schulweg angegriffen und schwer verletzt haben. Eines der Opfer starb später in der Klinik. Die Obduktion ergab, dass die 14-Jährige mit türkischem Migrationshintergrund nach Stichverletzungen verblutete. Das zweite Mädchen, 13 Jahre alt, erlitt schwere Verletzungen. Die Polizei fand bei dem 27-jährigen Eritreer ein Messer, das als Tatwaffe in Betracht komme.

Gegen den Verdächtigen wurde ein Haftbefehl wegen Mordes und versuchten Mordes erlassen. Der Mann befand sich zuletzt verletzt in einem Justizvollzugskrankenhaus. Doch wie kam es zu dem Angriff? Warum traf es die beiden Mädchen? Was ging in dem Täter vor? «Die Ermittlungen laufen noch», sagte dazu nur ein Polizeisprecher am Mittwochnachmittag.

Keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und nicht zu verallgemeinern - daran appellierte auch der Bürgermeister. «Ich bitte Sie, den bei uns lebenden Geflüchteten aller Nationen weiterhin offen zu begegnen und diese nicht unter Generalverdacht zu stellen. Der Angriff auf die beiden Mädchen muss mit aller Konsequenz verfolgt und bestraft werden - dieses heimtückische Verbrechen hat aber eine einzelne Person begangen, nicht eine Bevölkerungsgruppe», schrieb Häußler in einem offenen Brief an die Bürgerinnen und Bürger seiner Gemeinde.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hatte am Dienstag bei einem Besuch am Tatort noch betont, dass es keine Hinweise auf eine politische oder religiöse Motivation der Tat gebe.

Nach der tödlichen Attacke stehen weiter Notfallseelsorger den betroffenen Familien zur Seite. «Es geht darum, dass sie das Gefühl bekommen, dass sie in diesen schweren Stunden nicht allein sind», sagte der Leiter der Notfallseelsorge Ulm/Alb-Donau-Kreis, Michael Lobenhofer. Außerdem werde eine Person betreut, die das Verbrechen gesehen habe.

Auch Eltern und Lehrer melden sich bei der Notfallseelsorge, um zu erfahren, wie sie mit ihren erschütterten Kindern umgehen sollen. Es gelte dann, darauf hinzuweisen, dass man in Deutschland generell in Sicherheit lebe, solche Dinge aber immer wieder vorkämen, betonte Lobenhofer. Zu den Aufgaben der Notfallseelsorge gehöre es auch, Gerüchten und Halbwahrheiten entgegenzuwirken.

© dpa
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