Ein Rabbi überwacht: Koscherer Wein im Staatsweingut

Koscheren Wein anbauen und abfüllen - das ist kompliziert und macht jede Menge Arbeit. Dennoch soll der spezielle Wein für orthodoxe Juden künftig hergestellt werden. Einen Namen gibt es auch schon.
Ein kleiner Trieb wächst aus einer Knospe. © Philipp von Ditfurth/dpa/Symbolbild

Ein Rabbi überwacht künftig einen Weinberg im Anbaugebiet Württemberg. In der traditionellen Weinregion wird das Staatsweingut Weinsberg (Kreis Heilbronn) auch einen koscheren Wein anbauen, beobachtet und beraten von Rabbinern aus Baden und Württemberg. «Künftig werden Reben auf ausgewählten Flächen des Weinsberger Staatsweinguts in rein jüdischer Tradition ausgebaut und die Trauben nach der Ernte zu koscherem Wein verarbeitet», teilte die CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag mit.

«Die jüdische Gemeinde ist ein Teil von Baden-Württemberg», sagte Agrarminister Peter Hauk (CDU) am Montag beim Start des Projekts. Das Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Michael Kashi, sprach laut einer Mitteilung der CDU-Fraktion von einem bundesweit einzigartigen Vorhaben.

Landesrabbiner Moshe Flomenmann von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden sagte demnach, der neue Wein werde «Lechaim» heißen, das bedeute «Auf das Leben». Das Judentum werde häufig nur im Zusammenhang mit Gedenken, Holocaust, Angriffen auf Menschen oder Synagogen in Zusammenhang gebracht. «Mit diesem neuen Projekt möchten wir gemeinsam das lebendige, jetzige Judentum, also das Leben feiern», sagte er.

Baden-Württemberg sei ein Weinland, hieß es weiter in der Mitteilung der CDU-Fraktion. «Unsere heimischen Winzer betreiben seit Jahrhunderten Weinbau und geben das Wissen von Generation zu Generation weiter.» Das Projekt sei ein «Zeichen der Verbundenheit mit jüdischem Leben und Glauben».

Das Herstellen koscheren Weins ist für einen Winzer oder ein Weingut mit großem Aufwand verbunden. Denn die religiösen Speisegesetze, das «Kaschrut», stellen hohe Anforderungen an koscheren Wein. Der Wortstamm «koscher» bedeutet im Hebräischen «für den Verzehr geeignet». Die wichtigste Bedingung dafür ist eine den Geboten der Tora und des Talmud entsprechende Behandlung. Entscheidend ist, dass mit Beginn der Traubenpressung bis zur Abfüllung des Weins nur ein streng gläubiger männlicher Jude, also einer, der den Sabbat einhält, die Maische, Fässer, Tanks, Schläuche - kurz alles, was mit dem Wein in Kontakt kommt - berühren darf.

Ein Kellermeister darf den Wein also während der gesamten Zeit nicht einmal sehen. Bei bisherigen Produktionen zum Beispiel in Bayern hatte unter anderem ein Rabbi Fotos von Geräten gemacht, sich im Nebenzimmer Anweisungen abgeholt und die Produktion des Weines vorangetrieben. Ein zweites Fass hatte dem Kellermeister wenigstens einen groben Eindruck von der Entwicklung des Safts ermöglicht.

Bis die Trauben im Staatsweingut abgefüllt sind, dürfte es aber noch dauern. Denn Trauben für koscheren Wein dürfen nicht von Rebstöcken stammen, die jünger als vier Jahre sind. Und im siebten Jahr, dem sogenannten Sabbatjahr, darf nicht geerntet werden. Zwei Monate vor der Lese wird nicht mehr organisch gedüngt. Im Weinberg dürfen keine anderen Pflanzen wachsen, Mischkulturen sind nicht erlaubt. Zusätze wie Enzyme, Bakterien oder Stoffe tierischen Ursprungs wie Gelatine sind beim Vinifizieren unzulässig. Nur die Bakterien auf der Traubenschale bringen die Fermentation in Gang. Auch muss ein koscherer Wein «mevuschal» sein, das heißt abgekocht.

Die getrennten Weinanbaugebiete Baden und Württemberg liegen in Deutschland auf den Plätzen 3 und 4 - maßgeblich ist dabei die Rebfläche. Größer sind nur Rheinhessen und die Pfalz.

© dpa
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