St. Paulis Problem: «Tore gibt es nicht zum Nulltarif»

Großer Aufwand, wenig Ertrag: Der FC St. Pauli ist in der 2. Bundesliga seit mittlerweile sechs Spielen sieglos.
Hamburgs Johannes Eggestein (l) und Heidenheims Patrick Mainka kämpfen um den Ball. © Daniel Bockwoldt/dpa

Sport-Geschäftsführer Andreas Bornemann ist ratlos, weil der FC St. Pauli in der 2. Fußball-Bundesliga nicht vom Fleck kommt. Das 0:0 gegen den 1. FC Heidenheim am Samstag war das sechste sieglose Spiel in Serie. «Wir haben eine Mannschaft, die den Rhythmus wieder sucht, aber vom Potenzial her natürlich deutlich besser positioniert sein müsste, als sie es aktuell tut», sagte Bornemann am Sonntagabend im «Sportclub» des NDR-Fernsehens.

Den Schuh, die Mannschaft durch den Verkauf der Top-Profis Guido Burgstaller und Daniel-Kofi Kyereh geschwächt und die Löcher nicht adäquat gefüllt zu haben, will er sich nicht anziehen. «Wir haben nie gesagt, dass die so leicht zu kompensieren sein werden», meinte er über den Verlust des Duos und nahm die aktuelle Mannschaft in die Pflicht. Denn diese soll das Defizit «durch weniger Gegentore, durch vielleicht mehr Standardtore, durch mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld heraus» beseitigen.

Die Schwierigkeit beim Versuch, Burgstaller und Kyereh zu ersetzen: «Tore gibt es nicht zum Nulltarif», sagte Bornemann. Millionensummen wären folglich nötig, die St. Pauli nicht ausgeben kann. Burgstaller und Kyereh hatten in der Saison 2021/22 fast die Hälfte aller St.-Pauli-Tore (30 von 61 Saisontreffern) erzielt und zusammen noch 18 Torvorlagen beigesteuert. Zum Vergleich: Die aktuellen Stürmer Johannes Eggestein (3), Etienne Amenyido (1) sowie Igor Matanovic und David Otto (beide 0) findet man entweder weit hinten oder gar nicht in der Torjägerliste.

«Wir haben einen riesigen Aufwand betrieben, leider mit zu wenig Ertrag», stellte Trainer Timo Schultz nach der Nullnummer gegen Heidenheim einmal mehr frustriert fest. Magere elf Zähler aus zehn Partien und ein Platz in der unteren Tabellenhälfte sind das Resultat. Bornemann räumte ein, «vier, fünf Punkte» hinter den angestrebten Plätzen fünf bis sieben hinterherzulaufen.

Bereits im Vorfeld des dritten Heim-Remis nacheinander hatte Clubchef Oke Göttlich den Druck auf Trainer Schultz und sein außer Tritt geratenes Team erhöht und den Finger tief in die Wunde gelegt. «Wir bleiben im Jahr 2022 bislang unter unseren Möglichkeiten und müssen unabhängig von Personalwechseln konstatieren: Es ist zu wenig für das, was wir als Verein zur Verfügung stellen», monierte der 46-Jährige in aller Deutlichkeit. Denn der Hurra-Weihnachtsmeister von 2021 verpasste nicht nur den Aufstieg, sondern holte seit dem Jahreswechsel saisonübergreifend nur magere 32 Punkte aus 27 Zweitliga-Spielen.

«Wir haben uns im gesamten Kalenderjahr gegen Teams, die uns mit einer bestimmten Spielweise vor Herausforderungen stellen, nicht dahingehend weiterentwickelt, dass wir gegen diese Widerstände Lösungen finden», analysierte Göttlich treffend.

«Ich bin derjenige, der sich selbst am meisten Druck macht», betonte Ex-Profi Schultz, der in seiner ersten Spielzeit als Cheftrainer tief im Abstiegskampf steckte und damit schon einmal deutlich kritischere Tage durchstehen musste. Die Clubführung hielt damals am langjährigen St. Paulianer Schultz fest, der sein Team danach auch in der Tabelle wieder nach oben führte.

© dpa
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