E-Sport in der Corona-Krise: Zurück in den Online-Modus

Ähnlich wie der traditionelle Sport muss sich auch die E-Sport-Branche dem Coronavirus beugen. Turniere werden abgesagt oder ins Internet verschoben. Zwar ist der E-Sport das Digitale gewöhnt. Doch die wirtschaftlichen Folgen sind kaum absehbar.

Jubelnde Fans, feiernde E-Sportler und Konfettiregen bei der Pokalübergabe: Das war die Idee für das Frühlings-Finale der europäischen League-of-Legends-Liga LEC. Doch das Coronavirus machte diesen Plan der E-Sport-Liga zunichte.

Auch der im digitalen Geschäft beheimateten E-Sport-Branche brechen durch die Corona-Krise Millionen-Einnahmen weg. Die aktuellen Einschränkungen treffen Turniermacher, Teams und Hersteller.

«Wie jeder in unserer Branche ergreifen auch wir in dieser Zeit extreme Maßnahmen, um die Gesundheit und Sicherheit unserer Spieler, Mitarbeiter und Fans zu schützen», sagt Alberto Guerrero, Head of Esports Europe von LoL-Entwickler Riot Games, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Statt die Finalspiele der LEC vor tausenden Fans bei einem großen Offline-Event in Budapest auszuspielen, messen sich die besten E-Sportler des Kontinents aktuell über das Internet.

Nicht nur die LEC ist von Sars-COV-2 betroffen. Auch Turniere wie die ESL One Los Angeles 2020 in Dota 2 oder das Virtual Bundesliga Grand Final in FIFA 20 wurden abgesagt, auf unbestimmte Zeit verschoben oder finden, wie die LoL-Liga, als Online-Wettbewerb im Stream und nicht vor tausenden Fans in riesigen Hallen statt. Weltweit wurden unzählige Turniere bis auf weiteres ausgesetzt.

Speziell diese ausgefallenen Live-Events schmerzen die Branche. «Mit den leeren Rängen steigt auch das wirtschaftliche Risiko für die Veranstalter», sagt Felix Falk, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Games-Branche (game), der dpa. «Das ist insbesondere in einer noch so jungen Branche beträchtlich.» Auf den Kosten für Veranstaltungsorte etwa bleiben die Veranstalter erst einmal sitzen.

Ähnlich wie im traditionellen Sport drohen auch dem E-Sport kräftige Einbußen. Wie drastisch das Ausmaß sein kann, zeigt die Modern Times Group, eines der weltweit größten E-Sport-Unternehmen. Der schwedische Konzern meldete Ende März, dass die Umsätze ihrer E-Sport-Marken ESL und DreamHack im ersten Halbjahr 2020 voraussichtlich um 35 bis 45 Prozent zurückgehen. 2019 lag der Jahresumsatz der Firma im E-Sport bei rund 162 Millionen Euro.

Auch mehrere Teams wurden wegen der Corona-Krise bereits entlassen. So hat sich etwa die in den USA ansässige E-Sport-Organisation Chaos Esports Club von ihrem Dota-2-Kader getrennt. «Während dieser unsicheren Zeiten und der Suspendierung des Dota Pro Circuit sind die Kosten eines Dota-2-Kaders für uns unmöglich zu rechtfertigen», hieß es von Chaos-EC-Geschäftsführer Greg Laird.

In der Breite kann über den wirtschaftlichen Schaden für die Szene derzeit nur spekuliert werden, sagt LEC-Chef Guerrero. «Zunächst müssen wir verstehen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird und wie sich dies auf unseren Alltag auswirkt», sagte er. Und mit einem Augenzwinkern schiebt er nach: «Trotzdem kann ich bestätigen, dass wir keine 700 Millionen Euro verlieren werden.» Einbußen in ungefähr dieser Höhe drohen der Fußball-Bundesliga im Falle eines Abbruchs der Saison.

Eine Komplettabsage von Turnieren gibt es zwar auch im E-Sport, jedoch nur als äußerstes Mittel. Stattdessen verlagern sich die Events mit ihren Zuschauerinnen und Zuschauern ins Digitale. «Viele Ligen und Turniere werden stattfinden und als Livestream übertragen», sagt Felix Falk. «Dabei kommt dem E-Sport zugute, dass sie bei der digitalen Entwicklung ganz vorne mitspielen.»

Eine Entwicklung, die im Fall der LEC schon vor dem Coronavirus spürbar war. «Unsere Liga wächst seit 2017 von Jahr zu Jahr, und selbst in den letzten Wochen setzt sich unser Wachstum von 2019 gegenüber 2020 fort», sagt Guerrero.

Konkret zeigt sich dies auf der Streamingplattform Twitch. Seit Januar ist die europäische League-of-Legends-Liga dort wieder zu sehen. Mehr als 225 000 neue Follower sind seitdem dazugekommen. Beim Livestream waren bis zu 580 000 Zuschauer dabei. Anders als im Fußball, Handball oder Eishockey gibt es hier zumindest noch das Live-Erlebnis vor dem Bildschirm.

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