Diese Faktoren beeinflussen die Entwicklung von Kindern

Eltern haben die ebenso spannende wie zuweilen auch anstrengende Aufgabe, Kinder auf ihrem Weg vom Baby bis hin ins Erwachsenenalter zu begleiten. Dabei gibt es eine Menge Fallstricke und zuweilen auch knifflige Situationen. Nicht selten fragen sich Eltern, wie sie die Entwicklung ihrer Kinder positiv beeinflussen können.

Es ist ein oft gehörter Fakt in der Welt der Kinderpsychologie: Jedes Kind entwickelt sich anders. Das ist auch gut so, letztlich hat jedes Kind auch seinen eigenen Charakter, seine eigenen Stärken und Schwächen. Doch gerade diese drei Faktoren – der Charakter sowie die Stärken und Schwächen eines Kindes – werden oftmals maßgeblich von der Umgebung des Kindes beeinflusst. So haben zahlreiche Studien ergeben, dass das Familienleben und die Lebenswelten rund um ein Kind herum dieses in der Regel maßgeblich prägen.

Dabei sind vor allem die ersten Lebensjahre ein wichtiger Zeitraum. Nicht, weil ein Kind sich in den Jahren danach nicht mehr entwickeln würde. Aber in den ersten drei bis fünf Lebensjahren findet eine besondere Prägung der kindlichen Psyche und des kindlichen Charakters statt. Was in diesen Jahren an Saat gesät wurde, beeinflusst das Verhalten eines Menschen oft sein ganzes Leben lang. Dabei ist es neben den Umständen, unter denen ein Kind aufwächst, oftmals vor allem das Verhalten der Eltern, dass zur Richtschnur und zum einerseits und zum größten Einflussfaktor andererseits wird.

Erziehung ist kein Kinderspiel. Das stellen Eltern jeden Tag aufs Neue fest. Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Authentizität – das sind Eigenschaften, die Kinder bei ihren Eltern benötigen. Nur so können diese ihnen ein Gefühl der Geborgenheit geben und ihnen eine gute Hilfe bei der Entwicklung sein. Dass das nicht immer einfach ist, merken Stars und Sternchen in der Kindererziehung ebenso wie die typische Familie in der Nachbarschaft.

Während Kinder heranwachsen, ihre ersten eigenen Schritte gehen und nach und nach erste Erfahrungen sammeln, beeinflussen sie vor allem die äußeren Umstände. Dabei hat sich das System rund um das Elternhaus in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten erheblich verändert. War es früher normal, das ein Elternteil zu Hause blieb und die Kinder erzog, ist es heute eher Standard, das beide Eltern berufstätig sind und die Kinder in einem Kindergarten oder einer KiTa betreut werden.

Die Verlagerung der Erziehungs- und Prägungsarbeiten aus der Familie in den öffentlichen Bereich bzw. in den Bereich der professionellen pädagogischen Betreuung bringt sicherlich manchen Vorteil. Aber eben auch Nachteile. Denn wo früher ein Kind im geborgenen familiären Umfeld in seinem eigenen Tempo „groß“ werden konnte, um rechtzeitig nach der Vollendung des sechsten Lebensjahres in die Schule zu gehen, gibt es heute Wegweiser und allgemeingültige Grundsätze, die ein Kind erreichen muss.

Erzieherinnen und Erzieher haben Handreichungen, die ihnen eine ungefähre Erwartung an ein durchschnittlich entwickeltes Kind an die Hand geben. Erreicht ein Kind diese Norm nicht, ist ein Gespräch mit den Eltern und eventuell eine individuelle Förderung vorgesehen. Auch das ist etwas, was das Kind beeinflusst. Denn auch wenn so die Fähigkeiten des Kindes womöglich gefördert werden – das erste Gefühl versagt zu haben, können Eltern Kindern mit „besonderem Betreuungsbedarf“ oftmals nur schwer wieder nehmen.

In der Entwicklungspsychologie spricht man von einem Bio-psychosozialen Modell der Persönlichkeitsentwicklung. Dieses beschreibt, dass jeder Mensch bei der Geburt ein genetisch-biologisch vorgegebenes Entwicklungspotenzial hat. Vereinfacht ausgedrückt: Bei der Geburt ist jeder Mensch ein weißes Blatt Papier, dass nur leichte Schattierungen aufweist. Wie viel dieses Papier tatsächlich aufnehmen kann, ist von Kind zu Kind unterschiedlich – aufnahmefähig und aufnahmebereit ist erst einmal jedes Kind. Erst die Interaktion des Kindes mit der Umwelt sorgt dann für die tatsächliche Persönlichkeitsentwicklung.

Dabei stehen am Anfang die pränatalen Faktoren, die sich auf die Entwicklung eines Kindes auswirken. Die biologischen Faktoren in diesem Bereich können Erkrankungen der Mutter, Alkohol- oder Nikotinkonsum der Mutter, Durchblutungsstörungen oder eine Mangelernährung mit verschiedenen wichtigen Nährstoffen sein.

Im pränatalen Bereich gibt es auch bereits soziale Aspekte, die sich auf die Entwicklung des Kindes auswirken können. So kann zum Beispiel großer Stress der Mutter in der Schwangerschaft zu Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht, einem aufbrausenden Temperament in späteren Jahren oder auch zu einer langsameren Entwicklung in den ersten Lebensjahren führen.

Nach der Geburt ist es in erster Linie das persönliche Umfeld des Kindes, dass die Entwicklung nachhaltig beeinflusst. Dabei sind Faktoren wie Armut nicht zu unterschätzen. Kinder aus sozial schwächeren Schichten haben in der Regel deutlich weniger Chancen, ihre potenzielle intellektuelle Leistungsfähigkeit voll auszuschöpfen als Kinder aus Familien mit einem höheren Familieneinkommen. Auch die Frage, ob ein Kind in einem eher bildungsfernen Haushalt aufwächst, ist ein wichtiger Faktor. Hier spielt das elterliche Beispiel eine wichtige Rolle.

Wenn Kinder aus dem Babyalter herauskommen und im Kleinkindalter angekommen sind, wird der Moment kommen, in dem sie immer mehr alleine machen möchten. Kinder brauchen ein gesundes Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, ihre eigenen Stärken und Schwächen richtig einzuschätzen. Damit das funktionieren kann, müssen Sie Erfolgserlebnisse haben. Nur so haben sie überhaupt die Möglichkeit, den Unterschied zwischen Dingen, die sie gut können, und solchen, die sie nicht so gut können, zu unterscheiden.

Dafür müssen Eltern allerdings Geduld mitbringen. Möchte ein Kind sich das Brot morgens allein schmieren, wird das anfangs mit einer ziemlichen Sauerei verbunden sein und auch deutlich länger dauern. Lässt man dem Kind aber diese Erfahrung, wird es schnell Fortschritte machen und die Dinge, die es anpackt, immer besser ausführen. Kinder, denen die Eltern in den ersten Lebensjahren alles abnehmen oder alles Mögliche verbieten, werden in der Folge oftmals eher unselbstständig. Sie haben ja bereits früh gelernt, dass ihre Hilfe nicht gewünscht wird.

Im noch schlimmeren Fall bleibt bei dem Kind der Eindruck hängen, dass es nicht in der Lage ist, die einfachsten Aufgaben selbst zu lösen. Das wiederum führt auf die Dauer zu erheblichen Problemen in Sachen Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Damit wird schnell klar, was Eltern vor allen Dingen brauchen, um ein Kind positiv in seiner Entwicklung beeinflussen zu können.

• Geduld

• Liebe

• Die Fähigkeit, auch in angespannten Situationen die Ruhe zu bewahren

• Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes

• Den Mut, das Kind Dinge ausprobieren zu lassen

Da die Familie nach wie vor für die meisten Kinder in Deutschland der zentrale Ort des Aufwachsens ist, ist auch das der Bereich, der den größten Einfluss auf die Entwicklung von Kindern nimmt. Generell lässt sich festhalten, dass die Entwicklung eines Kindes von den folgenden Faktoren maßgeblich beeinflusst wird:

• Biologische und psychologische Einflüsse vor der Geburt

• Die soziale Umgebung und die Bildungsschicht, in die das Kind geboren wird

• Das Verhalten der Eltern in den ersten Lebensjahren, wenn es um den Versuch geht, erste eigene Schritte zu unternehmen

• Das Vorbild der Eltern, wenn es um die Interaktion untereinander oder mit dem Kind geht

• Die Prägung, die ein Kind in seinem weiteren sozialen Umfeld in den ersten Lebensjahren erfährt (Großeltern, weiterer Familien- und Freundeskreis, Kindergarten, Tagesmutter etc.)

Die körperliche und geistige Entwicklung eines Kindes wird in Deutschland durch Kinderärzte im Rahmen der vorgegebenen Vorsorgeuntersuchungen und durch Erzieher/innen in den Kindergärten und Kindertagesstätten begleitet. Eltern sollten hier bereit sein, Hilfe, die ihnen angeboten wird, auch anzunehmen.

Was für die Entwicklung eines Kindes allerdings am allerwichtigsten ist, ist das Gefühl von den Menschen, die es umgeben bedingungslos geliebt zu werden. Dabei ist es zweitrangig, ob das familiäre Umfeld aus einer Patchwork-Familie, einer klassischen Familie im herkömmlichen Sinne oder aber aus einem Haushalt mit einem alleinerziehenden Elternteil besteht. Den positiven Einfluss dieser tiefen elterlichen Liebe erleben Kinder aus allen Familienverhältnissen, allen Bildungs- und sozialen Schichten gleichermaßen und er ist für sie alle in gleichem Maß wichtig.

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