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Wirtschaftsministerium: Fortschritte bei Start-up-Strategie

Die Bundesregierung will es Start-ups in Deutschland einfacher machen, ist aber bei einigen Vorhaben nicht am Ziel. Bei der Start-up-Dichte pro Kopf wird die Bundesrepublik von anderen Ländern abgehängt.
Start-ups
Nach der Verabschiedung einer Start-up-Strategie sieht die Bundesregierung Fortschritte - die Opposition nicht. © Sebastian Gollnow/dpa

Mehr als ein Jahr nach der Verabschiedung einer Start-up-Strategie sieht die Bundesregierung Fortschritte - zugleich aber in einigen Punkten Nachholbedarf.

Anna Christmann, Beauftragte des Wirtschaftsministeriums für die digitale Wirtschaft und Start-ups, sagte, die Maßnahmen, welche sich die Bundesregierung vorgenommen habe, seien zu 45 Prozent umgesetzt. Bei anderen Punkten wolle man vorankommen. Die Grünen-Politikerin nannte als Beispiel, dass sich Start-ups einfacher um öffentliche Aufträge bewerben können. Bei der Verwaltungsdigitalisierung sei die Bundesregierung noch nicht da, «wo wir sein sollten». Es sei in der Vergangenheit bei der Digitalisierung vieles liegengeblieben.

So arbeitet die Bundesregierung an der Verknüpfung von Online-Diensten, um dem Ziel einer einzigen Anlaufstelle für Gründungen näherzukommen, wie aus einem ersten Fortschrittsbericht zur Start-up-Strategie hervorgeht, über den zuerst das «Handelsblatt» berichtet hatte. Angestrebt werde eine integrierte, volldigitale Lösung für den gesamten Gründungsprozess.

Wichtiger Teil der Strategie ist es, dass junge Start-up-Unternehmen leichter Risikokapital erhalten können, um ihre Entwicklung voranzutreiben. Dem Bericht zufolge hat der Wachstumsfonds Deutschland, der privates Kapital institutioneller Investoren für die Start-up-Finanzierung mobilisieren soll, seine Tätigkeit aufgenommen. Das Zielvolumen des Fonds beträgt bis zu einer Milliarde Euro.

Mitarbeiter sollen von Unternehmenserfolg profitieren

Die Bundesregierung will zudem erreichen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Erfolg des eigenen Unternehmens stärker profitieren. Dies ist ein Aspekt eines «Zukunftsfinanzierungsgesetzes», dessen Entwurf das Kabinett im August verabschiedet hatte.

Laut Fortschrittsbericht wurden im vergangenen Jahr rund 2600 Start-ups in Deutschland gegründet - 18 Prozent weniger als 2021. In diesem Jahr habe die Gründungsaktivität wieder Fahrt aufgenommen. Mehr als der Hälfte der Start-ups falle es angesichts hoher Unsicherheiten derzeit schwer, die zukünftige Geschäftsentwicklung einzuschätzen. Insbesondere die höheren Zinsen und die Inflation stellten viele Firmen vor besondere Herausforderungen.

Im Moment gebe es in Deutschland 31 «Einhörner», das heißt Start-ups mit einer Unternehmensbewertung von mindestens einer Milliarde Dollar. Damit liege Deutschland international auf Platz 5. Länder wie die USA oder Israel hätten pro Kopf betrachtet mehr als fünfmal so viele Einhörner wie Deutschland.

Kritik aus der Union

Julia Klöckner, wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagte der Deutschen Presse-Agentur, angesichts immer schwierigerer Bedingungen für Start-ups in Deutschland und rückläufiger Investitionen sei das Selbstlob der Bundesregierung bemerkenswert. «Von der notierten Start-up-Strategie ist bisher einfach zu wenig umgesetzt worden. Selbst bei der Kapitalbeteiligung von Mitarbeitern ist die Ampel zu kurz gesprungen», kritisierte Klöckner. Ein Beleg dafür sei die schlechte Entwicklung von Neugründungen. «Es zündet nicht. Im Prinzip brauchen Gründer eine Schutzzone und müssen vor allem in den ersten beiden Jahren nahezu von aller Bürokratie befreit werden.»

© dpa
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