OECD korrigiert Wachstumsprognose nach unten

08.06.2022 Russlands Krieg gegen die Ukraine kommt die Welt teuer zu stehen, ergibt der Wirtschaftsausblick der OECD. Außerdem hat sie eine Mahnung insbesondere für die reicheren Länder parat.

Die OECD korrigiert ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft um 1,5 Prozent nach unten. © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Die Industriestaaten-Organisation OECD hat ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft wegen des Krieges in der Ukraine deutlich nach unten korrigiert.

Statt mit bislang 4,5 Prozent wird nun im laufenden Jahr nur noch mit einem Wachstum von 3 Prozent gerechnet, teilt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit. Für das kommende Jahr wird ein Wachstum von 2,8 Prozent statt wie bislang prognostiziert von 3,2 Prozent erwartet. Die Inflation werde zudem in Folge des Krieges höher ausfallen und länger andauern, als bislang angenommen, sagt OECD-Generalsekretär Mathias Cormann.

OECD: Erwartungen für Deutschland

Für Deutschland sagt die OECD für 2022 ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent und für 2023 von 1,7 Prozent voraus. Der Krieg und das Ölembargo gegen Russland beeinträchtigten die Erholung. Der Inflationsanstieg schwäche die Kaufkraft, wodurch die Belebung des privaten Verbrauchs gedämpft werde. Die erhöhte Unsicherheit, der starke Anstieg der Energiepreise und neue Materialengpässe beeinträchtigten etliche Branchen sowie Privatinvestitionen und Exporte. Förderprogramme zur Abfederung der steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreise müssten zielgenau auf bedürftige Haushalte und Unternehmen ausgerichtet werden, riet die OECD.

OECD fordert mehr internationale Zusammenarbeit

«Die Aussichten sind ernüchternd, und Russlands Angriff auf die Ukraine kommt die Welt bereits jetzt teuer zu stehen», sagt OECD-Chefvolkswirtin Laurence Boone. Der Umfang der Kriegsfolgen und die Verteilung der Lasten hänge stark von Entscheidungen der Politik ab. Zum Verhindern einer Nahrungsmittelkrise sei mehr internationale Zusammenarbeit nötig. Reiche Länder müssten ärmeren bei der Versorgung helfen und nicht wie bei der Impfstoffversorgung in der Corona-Krise Bestände horten. Um den von Lieferstörungen betroffenen Ländern zu helfen, müssten Exportbeschränkungen verhindert werden. Auch brauche es mehr Anstrengungen zum Transport von Rohstoffen aus der Ukraine.

Die Regierungen müssten dringend handeln, um einkommensschwache Haushalte vor den Kosten des Kriegs zu schützen, verlangte die OECD. Die beste Lösung zum Abfedern des Effekts der höheren Preise seien befristete und gezielte steuerliche Maßnahmen, die auf Bedürftige ausgerichtet seien. Die Länder müssten ihre Haushaltsprioritäten entsprechend neu gewichten, sagte OECD-Chefvolkswirtin Boone.

Deutschland: Investitionen in Digitalisierung

Mit Blick auf Deutschland mahnt die OECD zu zielgenauen Hilfsprogrammen, damit Investitionen in wachstumsstarke Sektoren sowie die Bemühungen zum Energiesparen nicht abgeschwächt werden. Zur Beschleunigung der Energiewende müsse verstärkt in Infrastruktur und die Digitalisierung investiert werden. Planungsverfahren müssten beschleunigt werden. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sollten Frauen und Ältere besser in den Arbeitsmarkt eingebunden und die Anerkennung von Berufsabschlüssen Zugewanderter erleichtert werden.

© dpa

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