Debakel bei US-Hedgefonds kostet Allianz 5,6 Milliarden Euro

11.05.2022 Wegen eines Streits mit Investoren, der auf die Frühphase der Corona-Krise zurückgeht, muss die Allianz erneut einen Milliardenbetrag beiseitelegen. Doch Aktionäre reagieren nicht verschnupft.

Die Verluste von Großanlegern in den USA kosten die Allianz nach jetzigem Stand rund 5,6 Milliarden Euro. © Alexander Heinl/dpa

Die Verluste von Großanlegern in den USA kosten die Allianz nach jetzigem Stand rund 5,6 Milliarden Euro. Im ersten Quartallegte der Versicherungskonzern weitere 1,9 Milliarden Euro zurück, wie er überraschend am Mittwoch mitteilte.

Das Geld ist für die Entschädigung von Investoren bestimmter Hedgefonds und die Einigung mit den US-Aufsichtsbehörden vorgesehen. Im Jahresabschluss für 2021 hatte die Allianz bereits eine Belastung von 3,7 Milliarden Euro verbucht. Der Vorstand geht jetzt davon aus, dass die Rückstellungen die finanziellen Risiken für den Konzern insgesamt abdecken.

An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die Allianz-Aktie legte am Vormittag zu und gehörte zu den stärksten Titeln im Dax. Die zweite Rückstellung komme früher und falle niedriger aus als erwartet, schrieb Branchenexperte Philip Kett vom Analysehaus Jefferies. Zudem hätte die Allianz ohne die Sonderbelastung besser abgeschnitten als vom Markt erwartet. Seit dem Jahreswechsel hat das Allianz-Papier jetzt noch knapp 5 Prozent an Wert eingebüßt.

Tatsächlich musste der Konzern im ersten Quartal einen Gewinneinbruch auf rund 600 Millionen Euro hinnehmen, nachdem er ein Jahr zuvor noch mehr als 2,5 Milliarden verdient hatte. Allein die Rückstellung belastete das Ergebnis mit etwa 1,6 Milliarden Euro.

Investoren haben die Allianz-Fondstochter verklagt

Grund des Ärgers sind Verluste, die professionelle Anleger zu Beginn der Corona-Krise mit den sogenannten Structured-Alpha-Fonds von Allianz Global Investors erlitten. Mehrere Investoren, darunter Pensionsfonds, haben die Allianz-Fondstochter auf Schadenersatz verklagt.

Die Vorwürfe laufen darauf hinaus, dass die Manager dieser Hedgefonds die eigenen Richtlinien nicht eingehalten und nicht angemessen auf die Marktentwicklung reagiert hätten. Dies soll hohe Verluste verursacht haben. Die Allianz-Führung wollte sich zu ihrer Sicht der Dinge bisher nicht äußern, bevor die US-Behörden ihre Untersuchungsergebnisse vorgelegt haben. Schon im Februar gab der Konzern allerdings bekannt, sich mit dem Großteil der Kläger auf Vergleiche geeinigt zu haben.

Unterdessen lief es im Tagesgeschäft des Konzerns im ersten Quartal überraschend gut. So ging der operative Gewinn im Jahresvergleich zwar von 3,3 Milliarden auf 3,2 Milliarden Euro zurück, lag damit aber höher als von Experten erwartet. Die Allianz will die kompletten Quartalszahlen am Donnerstag veröffentlichen.

© dpa

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