Volkswirte: Wachsende Unsicherheit Gift für den Aufschwung

23.02.2022 Steigende Energiepreise und wachsende Unsicherheit: Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wird zur Belastungsprobe auch für die deutsche Wirtschaft. Das DIW erwartet dennoch ein «Sommerhoch».

Volkswirte verweisen auf eine «sehr hohe Abhängigkeit» der deutschen Wirtschaft vom russischen Gas und anderen Rohstoffen. © Dmitry Lovetsky/AP/dpa

Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine kann nach Einschätzung von Volkswirten zur Bremse für den Aufschwung der deutschen Wirtschaft werden.

«Die Ukraine-Krise hängt wie ein Damoklesschwert über der deutschen Konjunktur», sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. «Dabei sind nicht die deutschen Exporte nach Russland das Problem, die nur zwei Prozent aller deutschen Ausfuhren ausmachen. Stattdessen geht von einer Eskalation der Ukraine-Krise eine große Unsicherheit aus, die Gift für die Wirtschaft ist.»

Da Russland ein großer Gaslieferant für Deutschland und Europa ist, sieht Krämer zumindest mittelfristig «ein gewisses Risiko, dass es zu einer Energiekrise kommt, die den Aufschwung zumindest unterbrechen würde».

Auch ING-Deutschland-Chefvolkswirt Carsten Brzeski verweist auf eine «sehr hohe Abhängigkeit» der deutschen Wirtschaft vom russischen Gas und anderen Rohstoffen: «Die möglichen Folgen einer weiteren Eskalation sieht man jetzt schon: ein Anstieg der Gaspreise, höhere Inflation und zunehmende Unsicherheit, die sich wiederum in weniger Konsum und schwächeren Investitionen in Deutschland äußern könnten.»

Bislang gehen Ökonomen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem schwachen Winter infolge der Omikron-Welle im Frühjahr wieder zulegen wird. «Die aktuellen Spannungen und eine mögliche Eskalation sind vielleicht nicht der ganz große Gamechanger, sie verstärken aber die aktuellen Risikofaktoren für die deutsche Wirtschaft: Inflation und Unsicherheit», sagt Brzeski. «Der erwartete Frühjahrsaufschwung würde große Dellen bekommen.»

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW/Berlin) rechnet trotz der neuen Belastungen durch den Russland-Ukraine-Konflikt mit einem «Sommerhoch» für die deutsche Wirtschaft. Die Corona-Pandemie habe die deutsche Wirtschaft zwar nach wie vor im Griff, dennoch werde sich «die wirtschaftliche Lage Richtung Frühsommer wohl deutlich verbessern», prognostizierte das DIW. «In Mittel- und Osteuropa verzeichnet die Industrie gut gefüllte Auftragsbücher. Mit dem allmählichen Auflösen der Lieferproblematik dürfte die Produktion ab Frühsommer daher deutlich an Fahrt gewinnen.»

Für das Gesamtjahr 2022 sagt das DIW für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 3,0 Prozent voraus. Das wäre etwas mehr als im vergangenen Jahr, als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Europas größter Volkswirtschaft um 2,8 Prozent zugelegt hatte.

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater hält eine weitere Verteuerung von Energierohstoffen aus konjunktureller Sicht für verkraftbar. «Schwieriger könnte es werden, wenn sich Sanktionen und Gegensanktionen aufschaukeln», meint Kater. «Physische Lieferkürzungen können in Europa und anderswo die Produktionsbänder schnell anhalten lassen und sind daher für die Konjunktur problematischer als steigende Preise.»

Im Schlussquartal 2021 war die Wirtschaftsleistung in Deutschland nach vorläufigen Daten um 0,7 Prozent zum Vorquartal gesunken. Detaillierte Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal will das Statistische Bundesamt an diesem Freitag (25.2.) veröffentlichen.

© dpa

Weitere News

Top News

Sport news

Deutsches Tennis-Duell: Niemeier und Maria schreiben Wimbledon-Geschichten

Gesundheit

Asexualität: Wenn Sex im Leben keine Rolle spielt

Games news

Featured: Atari wird 50: Spielesammlung mit 90 Titeln zum Jubiläum angekündigt

Tv & kino

Featured: tvOS 16: Diese Funktionen erscheinen im Herbst 2022 für Apple TV

Tv & kino

Featured: Stranger Things 4 | Serienkritik: Blutige Tränen und düstere Zeiten

Das beste netz deutschlands

Online-Vertrag: Worauf Sie beim Kündigungsbutton achten sollten

Auto news

Goodyear Sightline: Die Reifen werden intelligenter

Das beste netz deutschlands

Featured: iPhone 12: So schaltest Du die Taschenlampe ein und aus

Empfehlungen der Redaktion

Wirtschaft

Konjunktur: Wirtschaft kommt besser durch Pandemie als gedacht

Wirtschaft

Konjunktur: Bundesbank: Wirtschaft würde bei Energieembargo schrumpfen

Wirtschaft

Bruttoinlandsprodukt: Absturz vermieden, doch die Deutsche Wirtschaft strauchelt

Wirtschaft

Volle Auftragsbücher: Deutsche Industrie: Bestellungen legen kräftig zu

Wirtschaft

Keine Rezession: Ifo-Geschäftsklima steigt weiter

Wirtschaft

Konflikte: Ukraine-Krise: Was droht Verbrauchern und der Wirtschaft?

Wirtschaft

Krieg in der Ukraine: DIW-Präsident: Inflation bis zu zehn Prozent denkbar

Wirtschaft

Konjunktur: Ifo-Geschäftsklima trübt sich wegen Energiesorgen ein