Tui will Jobs schaffen und nachbesetzen

2022 geht es für den Tourismus ums Ganze. Nach zwei schwachen Corona-Jahren und Milliardenhilfen muss auch Branchenprimus Tui zulegen. Bisher laufen die Buchungen gut an.
TUI fuhr zuletzt einen personellen Sparkurs. Konzern- und weltweit standen nach dem ersten Corona-Jahr 2020 insgesamt 8000 Jobs auf der Streichliste. © Moritz Frankenberg/dpa

Der Tui-Konzern will nach erheblichen Kürzungen in den vergangenen Jahren zusätzliche Jobs im Ausland und in der Digitalsparte schaffen.

Es gibt laut Informationen Ausschreibungen für über 1000 Beschäftigte an den Reisezielen sowie für weitere 500 in den Bereichen IT, Technologie und Online-Geschäft.

In der überwiegenden Zahl gehe es um neue Stellen - ein kleiner Teil entfalle auf Nachrücker für zwischenzeitlich unbesetzte Positionen. Tui hat sich vorgenommen, in diesem Sommer so dicht wie möglich an das Vor-Corona-Buchungsniveau heranzukommen. Entsprechend wolle man stärker ins Personal investieren, hieß es. Den Start der wichtigen Griechenland-Saison zog der Anbieter um einige Wochen vor.

In den Urlaubsländern sucht Tui etwa Reiseleiterinnen und -leiter oder neue Kräfte für Fitnesstraining, Kinderbetreuung und Animation. Zielgruppe der Digital-Jobs sind Fachleute für Software und Datenanalyse - diese will der Konzern mit flexiblen Arbeitsmodellen locken. «Tui ist nach der Pandemie schlanker, digitaler und effizienter», sagte Personalvorständin Sybille Reiß der Deutschen Presse-Agentur. «Nun bereiten wir das Unternehmen wieder auf Wachstum vor. Die Menschen wollen verreisen. Wir sehen die Nachfrage.»

Die Online-Kanäle liefen ebenfalls gut, erklärte die Managerin. «Nun verstärken wir die Teams in IT und E-Commerce, um die Digitalisierung weiter voranzutreiben.» Dafür wolle man neue Talente einstellen. «Wir werden mehr und mehr ein digitales Plattformunternehmen.»

Mitte März war vereinbart worden, dass die Beschäftigten der Tui-Mehrheitsgesellschaften in Deutschland eine grundsätzliche Jobgarantie bis zunächst Ende 2023 erhalten sollen. Konzernkreisen zufolge gab es dabei Einvernehmen über einen «weitestgehenden Kündigungsschutz, sofern Abbaumaßnahmen nicht bereits feststehen».

Der weltgrößte Touristikanbieter fuhr zuletzt einen personellen Sparkurs. Konzern- und weltweit standen nach dem ersten Corona-Jahr 2020 insgesamt 8000 Jobs auf der Streichliste. Es gab Milliarden an Staatshilfen. Erste Kreditlinien daraus werden jetzt zurückgegeben. Die schon beschlossenen Kürzungen in der Verwaltung, den Reisebüros und der Fluggesellschaft Tuifly waren in der Belegschaft heftig umstritten.

Viele Angebote und Prozesse werden noch stärker digitalisiert - diesen Plan hatte Vorstandschef Fritz Joussen schon vor der Pandemie ausgerufen. Das ergibt neue Chancen für Fachkräfte. «Bereits heute arbeiten fast 1000 IT-Entwicklerinnern und -Entwickler für Tui», sagte Reiß. Zurzeit werde eine cloudbasierte, einheitliche IT-Plattform für sämtliche Tui-Märkte aufgebaut.

Streit gab es vor allem bei der eigenen Fluggesellschaft. Einige Piloten zogen vor Arbeitsgerichte. Hintergrund für den Schrumpfkurs in der Sparte ist der Umgang mit Überkapazitäten bei Flugzeugen, vor allem im reiseschwächeren Winter. Ein Kompromiss, der vor einem Jahr nach monatelangen Verhandlungen stand, sieht eine Verkleinerung der Flotte in Deutschland vor - allerdings nicht so stark wie zunächst vorgesehen. Auch in einigen Reisebüros setzte Tui den Rotstift an.

In diesem Jahr soll der Mittelmeer-Markt Griechenland neben Spanien und der Türkei ausgebaut werden. Die ersten Tui-Kunden trafen am Montag in Heraklion auf Kreta ein. Joussen gab das Ziel aus, an den griechischen Zielen mit insgesamt drei Millionen Gästen das Niveau von 2019 übertreffen zu wollen. Im vergangenen Jahr hatte Griechenland erst Mitte Mai für Touristen öffnen können. Nun soll viel nachgeholt werden.

© dpa
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