In deutschen Seehäfen wird wieder gearbeitet

Für die Hafenlogistiker kommt der Arbeitskampf der Hafenarbeiter zur Unzeit. Schon jetzt stauen sich die Schiffe. Ein Tarifergebnis gibt es zwar noch nicht, aber auch keine Streiks mehr - zumindest vorerst.
Im Konflikt um die Entlohnung der Hafenarbeiter an den großen deutschen Nordseehäfen ist weiterhin keine Einigung in Sicht. © Christian Charisius/dpa

Nach dem längsten Arbeitskampf der Hafenbeschäftigten seit Jahrzehnten wird in den großen deutschen Seehäfen seit dem Wochenende wieder gearbeitet.

Am Samstagmorgen sei auch im Hamburger Hafen die Arbeit wieder aufgenommen worden, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten Tausende Arbeiter seit Donnerstagmorgen außer in Hamburg auch in Bremerhaven, Bremen, Emden, Wilhelmshaven und Brake den Umschlag von Waren weitgehend lahmgelegt. Die Gewerkschaft hatte zu dem zweitägigen Warnstreik aufgerufen, um nach sieben ergebnislosen Runden den Druck auf die Arbeitgeber nochmals zu erhöhen.

Drei weitere Verhandlungstermine

Ein weiterer Ausstand ist zumindest bis Ende August nicht zu erwarten. Ein vor dem Arbeitsgericht Hamburg geschlossener Vergleich der Tarifparteien sieht weitere Verhandlungen und eine Friedenspflicht bis dahin vor.

Bis Ende dieser Woche sollen drei weitere Verhandlungstermine bis zum 26. August vereinbart werden. «Während dieses Zeitraums werden von Verdi keine weiteren Arbeitskampfmaßnahmen mit den Beschäftigten der Klägerinnen durchgeführt», hatte das Arbeitsgericht nach dem Vergleich am Donnerstagabend mitgeteilt.

Man setze darauf, «dass Verdi in den weiteren Verhandlungen konstruktive Schritte im Sinne einer Einigung macht», sagte die Verhandlungsführerin des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Ulrike Riedel. Verdi-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth unterstrich den Willen der Gewerkschaft, mit dem ZDS einen Kompromiss zu erreichen. «Streik ist immer das letzte Mittel, aber Lösungen werden am Verhandlungstisch vereinbart», sagte sie.

Noch am Freitag waren nach Verdi-Angaben in Hamburg 5000 Hafenarbeiter aus allen Standorten auf die Straße gegangen, um für ihre Lohnforderungen zu demonstrieren. Dabei kam es nach Polizeiangaben auch zu Böller- und Flaschenwürfen. Fünf Demonstranten und fünf Polizeibeamte wurden verletzt, zudem gab es zwei Festnahmen. 

Nach einem ersten Warnstreik in einer Spätschicht und einem 24-stündigen Warnstreik im Juni waren die Hafenarbeiter am Donnerstagmorgen für 48 Stunden in den Ausstand getreten. Damit summiert sich der streikbedingte Arbeitsausfall in den Seehäfen auf rund 80 Stunden - der umfangreichste Arbeitskampf in den Häfen seit mehr als vier Jahrzehnten.

Für die Hafenlogistiker kamen die Warnstreiks zur Unzeit. Coronabedingt herrscht im globalen Verkehr von Container- und Frachtschiffen ohnehin ein großes Durcheinander. Der Arbeitskampf bringt nun die Abläufe an den Kaikanten noch mehr aus dem Tritt. Damit verschärft sich die gespannte Lage mit einem Schiffsstau auf der Nordsee weiter.

© dpa
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