Geschäfte der Dax-Konzerne laufen «bemerkenswert gut»

Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle, die Inflation steigt, und die Sorgen nehmen zu. Doch die Dax-Konzerne erwirtschaften Rekordumsätze und verdienen immer noch gut. Wie passt das zusammen?
Viele Dax-Konzerne haben im zweiten Quartal gute Geschäfte gemacht. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Mercedes will in diesem Jahr stärker wachsen als erwartet, ebenso der Pharma- und Chemiekonzern Merck. Die Deutsche Bank überrascht mit einem Milliardengewinn. Der Konsumgüterkonzern Henkel und der Aromenhersteller Symrise erhöhen ihre Umsatzprognosen.

Die Geschäfte vieler deutscher Börsenschwergewichte laufen trotz krisenhafter Folgen des Ukraine-Krieges rund. Ob es so weitergeht, ist allerdings fraglich.

«Die Geschäftsentwicklung war bei der Mehrzahl der Unternehmen auch im zweiten Quartal bemerkenswert gut - vor allem vor dem Hintergrund des extrem herausfordernden Umfelds», analysiert Henrik Ahlers, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung in Deutschland. In der Summe stieg der Umsatz der Dax-Konzerne nach Daten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft um 13,7 Prozent auf fast 450 Milliarden Euro. Es war der höchste Wert in einem zweiten Quartal seit Beginn der Auswertung 2013.

Der operative Gewinn (Ebit) der 40 Dax-Konzerne sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum zwar um 19,3 Prozent auf knapp 39,6 Milliarden Euro. EY zufolge war es aber immer noch der zweithöchste Wert im Zeitraum April bis Juni.

Hohe Zuwächse in den Vereinigten Staaten

Angeschoben wurden die Geschäfte vor allem von hohen Zuwächsen in den Vereinigten Staaten. In Nordamerika stiegen die Umsätze um 23 Prozent. Dabei spielten auch Währungseffekte eine Rolle: Der Wertverlust des Euro insbesondere gegenüber dem Dollar lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung wachsen.

Bislang gelingt es EY zufolge vielen Unternehmen aber auch, steigende Material-, Logistik- und Energiepreise weiterzureichen. Zudem sei die Nachfrage in vielen Branchen trotz Inflation, steigender Zinsen und wachsender Konjunktursorgen bemerkenswert hoch geblieben. «Wenn im Herbst und Winter stark steigende Energiekosten die Budgets der Konsumenten massiv belasten, könnte die Stimmung allerdings rasch umschlagen», befürchtet EY-Partner Mathieu Meyer.

Der Ukraine-Krieg verschärft Probleme, die der deutschen Wirtschaft schon zuvor zu schaffen machten. Steigende Energiepreise und Lieferengpässe belasten die Industrie. Zugleich bremst die höchste Inflation seit Jahrzehnten den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der Konjunktur ist. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte nach vorläufigen Zahlen im zweiten Quartal.

«Rekordjagd» wohl bald vorbei

Im Gesamtjahr sieht Industriepräsident Siegfried Russwurm das Wirtschaftswachstum in Deutschland inzwischen stärker in Gefahr als noch im Juni erwartet. Damals ging der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) von 1,5 Prozent aus. Das werde zunehmend schwieriger, sagte Russwurm jüngst. «Das hängt nicht nur an den Gaspreisen.» Der BDI-Chef nannte auch die Zinserhöhungen in den USA und deren Folgen für die Konjunktur im größten deutschen Exportmarkt sowie das schwache Wachstum in China.

Die Stimmung in der Industrie sei angespannt. «Viele Unternehmen stellen ihre Energieversorgung bereits um. Andere müssen schlichtweg die Produktion einstellen, weil Aufwand und Ertrag nicht mehr zusammenpassen», berichtete Russwurm. Die Stimmung in deutschen Unternehmen sackte nach Angaben des Ifo-Instituts im Juli auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren.

Auch nach Einschätzung von EY-Manager Ahlers mehren sich die Zeichen, «dass die Rekordjagd für die deutschen Top-Konzerne bald vorüber ist: Immer mehr Unternehmen spüren die sehr hohen Energie- und Rohstoffpreise und die zunehmende Zurückhaltung der Verbraucher.» Auch wenn viele Unternehmen zuletzt ihre optimistischen Jahresprognosen bestätigt oder sogar erhöht hätten, müsse man die weitere Konjunktur- und Geschäftsentwicklung mit einem großen Fragezeichen versehen. «Denn selbst wenn die Lage derzeit insgesamt noch gut ist, besteht doch das ernstzunehmende Risiko eines Nachfrageeinbruchs.»

© dpa
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