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Signa-Holding insolvent - Milliarden Euro Verbindlichkeiten

Die Signa-Gruppe ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Spektakuläre Projekte wie der Hamburger Elbtower sorgen für Aufsehen. Nun ist die Holding des Firmennetzwerks zahlungsunfähig.
Immobilienunternehmen Signa
René Benko
Galeria-Kaufhof-Filiale

Im Signa-Firmengeflecht des österreichischen Immobilien- und Handelsinvestors René Benko ist eine weitere wichtige Gesellschaft zahlungsfähig. Die Verbindlichkeiten der Signa Holding GmbH, über die am Mittwoch in Wien ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, belaufen sich auf fünf Milliarden Euro, wie die Wirtschaftsauskunftei ÖVC auf Basis des Insolvenzantrages berichtete. Auf der Habenseite stehen demnach nur 2,77 Milliarden Euro.

Der Insolvenzantrag ist der vorläufige Tiefpunkt der Signa-Gruppe, zu der zahlreiche Geschäftsimmobilien in Deutschland und Österreich sowie der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof gehören. Die Holding hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie beim Handelsgericht Wien die Eröffnung eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung beantrage, um das Unternehmen nachhaltig zu sanieren.

Da die von Milliardär Benko gegründete Signa-Gruppe nicht als hierarchischer Konzern sondern als kompliziertes Firmennetzwerk strukturiert ist, müssen die vielen Teilgesellschaften selbst entscheiden, ob sie noch zahlungsfähig sind oder ebenfalls Insolvenz anmelden, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Kreisen.

Die Immobilien- und Handelsgruppe Signa war in Zeiten historisch niedriger Zinsen stark gewachsen. Doch seit Beginn des Krieges in der Ukraine kämpft die Immobilienbranche mit gestiegenen Bau- und Energiekosten sowie höheren Zinsen - auch Signa blieb davon nicht verschont. Neben der Lage auf dem Immobiliensektor wies Signa in ihrer Mitteilung darauf hin, dass der stationäre Einzelhandel in den vergangenen Jahren in Europa stark unter Druck geraten sei. Investitionen hätten nicht den erwarteten Erfolg gebracht. «Trotz erheblicher Bemühungen in den letzten Wochen konnte die erforderliche Liquidität für eine außergerichtliche Restrukturierung nicht in ausreichendem Maße sichergestellt werden», hieß es.

Millionen für Galeria Karstadt Kaufhof stehen aus

Die Folgen der Insolvenz der Signa Holding GmbH für den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof sind vorerst ungewiss. «Die Situation hat im Moment nicht unmittelbar negative Auswirkungen auf Galeria. Wir werden den Ausgang dieses geordneten Verfahrens in Ruhe abwarten», hieß es aus Unternehmenskreisen. Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern hatte Ende 2022 zum zweiten Mal Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Signa hatte für die Sanierung 200 Millionen Euro zugesagt. Die ersten 50 Millionen sollen dem Vernehmen nach im Februar fließen.

Die komplex verschachtelte Signa-Gruppe ist in Deutschland in eine Reihe von Bauprojekten involviert, die laut Medienberichten derzeit stillstehen. Dazu gehören der geplante 245 Meter hohe Elbtower in Hamburg sowie zwei Karstadt-Standorte und ein Hochhausprojekt am prestigeträchtigen Ku'damm in Berlin. Zu den Signa-Beteiligungen gehören zudem das Chrysler Building in New York sowie die Selfridges-Kaufhäuser in Großbritannien.

Millionen-Prämien in Immobiliensparte

Die wertvollsten Immobilien gehören nicht der Holding, sondern der Signa Prime Selection AG. Sie schrieb im Vorjahr laut offiziellen Unternehmenszahlen etwa eine Milliarde Euro Verlust, nachdem der Wert der Anlageobjekte um etwa denselben Betrag abgewertet worden war. Den vier Vorständen der Signa Prime Selection wurden dennoch Prämien von insgesamt 19 Millionen Euro zugesprochen. Am Donnerstag wird eine mehr als 200 Millionen Euro schwere Anleihe dieser Gesellschaft fällig. Ob diese wichtige Einheit der Signa Gruppe sowie der Immobilienentwickler Signa Prime Development AG ebenfalls zahlungsunfähig werden, blieb zunächst unklar.

Klar war vorerst nur der Fahrplan für die Holding, für die im Firmenbuch kein Jahresabschluss für 2022 vorliegt. Zum Sanierungsverwalter wurde der Wiener Anwalt Christof Stapf bestellt. Mitte Februar soll über den Sanierungsplan entschieden werden. Wenn die Gläubiger zustimmen, steht ihnen mindestens ein Anteil von 30 Prozent ihrer Forderungen innerhalb von zwei Jahren zu.

In den vergangenen Wochen hatten schon die Sporthandelssparte und die deutsche Immobilienverwaltungs-Einheit von Signa Insolvenzen angemeldet. Benko, dessen Vermögen vom US-Magazin Forbes auf 2,5 Milliarden Euro geschätzt wurde, kündigte Anfang November unter dem Druck seiner Mitgesellschafter an, sich als Vorsitzender des Signa-Beirates zurückzuziehen. Der deutsche Sanierungsexperte Arndt Geiwitz nahm seinen Platz ein und soll als interner Berater weiter an Bord bleiben, hieß es von den Insider-Quellen. Benko schwieg am Mittwoch wie auch in den vergangenen Monaten zur Lage seines wankenden Immobilien- und Handelsimperiums.

Redaktionshinweis: Summe der Verbindlichkeiten u.a in Überschrift und 1. Absatz

© dpa ⁄ Albert Otti, dpa
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