Niedriger Rhein-Pegel befeuert Sorge vor Rezession

Viele Unternehmen entlang des Rheins beziehen Industrierohstoffe per Schiff. Aber der Pegelstand sinkt, was die Lieferungen verzögert und die Kosten erhöht. Das kann sehr negative Folgen aben.
Trockengefallen liegt ein Schiff zwischen den Buhnen am Rhein bei Düsseldorf. © Federico Gambarini/dpa

Transportprobleme der Industrie als Folge des sehr niedrigen Rhein-Pegels könnten die deutsche Wirtschaft zusätzlich belasten.

Zwar sei das Niedrigwasser ein viel kleineres Problem als die drohende Gaskrise, doch sollte es bis Dezember andauern, könnte es im dritten und vierten Quartal 0,2 Prozentpunkte Wirtschaftswachstum kosten, sagte Chefvolkswirt Andrew Kenningham vom britischen Analysehaus Capital Economics laut einer Studie. Eine Rezession werde dadurch wahrscheinlicher.

Für Deutschland haben laut Kenningham Flüsse als Transportwege eine größere Bedeutung als für die meisten anderen westeuropäischen Staaten. Der Anteil am gesamten Frachtaufkommen sei zwar gesunken, habe aber etwa im Jahr 2020 immer noch gut sieben Prozent des Gesamtvolumens ausgemacht - und ein Großteil davon seien Industrierohstoffe wie Kohle, Rohöl, Koks und Basischemikalien.

Transport über Straße und Schiene kostet mehr und dauert länger

Grundsätzlich verlagert sich der Warentransport auf Straße und Schiene, wenn er auf dem Wasser unwirtschaftlich wird. Je niedriger der Wasserstand, desto weniger können die Schiffe laden und ab einem bestimmen Pegel können viele gar nicht mehr fahren. Der Transport über Straße und Schiene bringt aber zusätzliche Kosten mit sich und ist in der Regel für die großen Mengen auch langsamer.

Problematisch kann es auch für Kraftwerke und Industrieunternehmen werden, die warmes Kühlwasser in den Rhein einleiten. Der Chemiekonzern BASF etwa darf in den Sommermonaten das Kühlwasser nur mit einer Temperatur bis höchstens 33 Grad Celsius in den Rhein abgeben - sofern dessen Temperatur die Marke von 28 Grad noch nicht erreicht hat.

Seit dem sehr trockenen Sommer 2018, der den Schiffsverkehr auf dem Rhein ebenfalls schwer belastet und etwa die Stahl- und Chemieindustrie viel Geld gekostet hatte, sorgen die Unternehmen vor.

Mehr und neue Schiffe

Finanzchefin Ute Wolf vom Essener Chemiekonzern Evonik beruhigte während einer Telefonkonferenz mit Analysten jüngst: Der Konzern sei wegen der Lage am Niederrhein weniger betroffen und habe zudem vorgesorgt, etwa durch die Buchung von mehr Lastschiffen, da diese bei Niedrigwasser jeweils weniger Güter aufnehmen könnten.

Ähnliches dürfte mit Blick auf die Lage am Rhein auch auf Covestro, Lanxess und Bayer zutreffen, wie Analyst Martin Kohlhase von der Ratingagentur Moody's sagte. Eher betroffen wären demnach Unternehmen weiter oben am Rhein, wie der Ludwigshafener Konzern BASF.

BASF setzt auf Niedrigwasser-Schiffe. Flaggschiff soll dabei ein neuartiges Tankschiff mit hoher Tragfähigkeit sein, das die kritische Stelle des Rhein in Kaub selbst bei einem Pegelstand von 30 Zentimetern noch mit einer Ladung von 650 Tonnen passieren kann. Der Pegel gilt als Orientierung, unterscheidet sich allerdings vom Wasserstand in der Fahrrinne.

Am Donnerstag lag der Pegel bei noch rund 45 Zentimeter und dürfte laut der Bundesanstalt für Gewässerkunde in den kommenden Tagen unter die Marke von 40 Zentimeter fallen.

© dpa
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