Commerzbank peilt trotz Rezessionssorgen Milliardengewinn an

Nach einem guten ersten Halbjahr hat der Commerzbank-Vorstand sein Gewinnziel fest im Blick. Konzernchef Knof erwartet keine Pleitewelle, die zum Risiko werden könnte. Der Bundesfinanzminister äußert sich zufrieden.
Das Logo der Commerzbank auf dem Commerzbank-Tower in Frankfurt: Die Bank ist zurück in der Gewinnzone. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die Commerzbank glaubt trotz eines drohenden Wirtschaftsabschwungs an einen Milliardengewinn 2022 und kann weiterhin auf den Staat als starken Ankeraktionär bauen.

«Die Bundesregierung ist sehr zufrieden mit der Entwicklung der Commerzbank», sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Donnerstag bei einer Bankentagung. «Wir haben keinerlei gesetzliche oder sonstige Verpflichtung, schnelle Entscheidungen zur Commerzbank zu treffen, sondern wir wollen eine gute Entwicklung dieser Bank am Finanzplatz Deutschland, weil wir ihre wichtige Rolle kennen.»

Der Staat hatte die Frankfurter Großbank, die mitten in der Finanzkrise die kriselnde Dresdner Bank geschluckt hatte, 2008/2009 mit mehr als 18 Milliarden Euro Steuergeldern vor dem Kollaps bewahrt. Die staatlichen Hilfen hat die Commerzbank bereits vor Jahren zurückgezahlt, der Bund ist aber bis heute größter Einzelaktionär des Instituts mit einem Anteil von 15,6 Prozent.

Sparkurs verschärft

Über den Verkauf dieses Anteils wird immer wieder spekuliert. Nach Angaben der vorherigen Bundesregierung müsste der Bund je Aktie etwa 26 Euro erzielen, um das Commerzbank-Engagement ohne Verlust zu beenden. Zuletzt lag der Kurs der Aktie bei etwa 7 Euro.

Der Anfang 2021 als Sanierer angetretene Vorstandschef Manfred Knof hat den Sparkurs verschärft und die Commerzbank zurück in die Gewinnzone geführt. Im ersten Halbjahr 2022 verdiente der MDax-Konzern trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge des Ukraine-Krieges 768 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand einen Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro an. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Konjunktur nicht noch deutlicher verschlechtere, hieß es Anfang August.

«Wir haben ja schon einen Großteil der Wegstrecke erzielt, deswegen bin ich immer noch vorsichtig optimistisch», sagte Knof am Donnerstag bei der «Handelsblatt»-Bankentagung in Frankfurt. «Wir gehen nach wie vor davon aus, dass, wenn das hier nicht zu einer Vollkatastrophe und Vollbremsung führt, dass wir natürlich unsere Ziele erreichen können», sagte der Commerzbank-Chef.

Knof: Kein Grund für Panikmache

Eine Pleitewelle befürchtet Knof, dessen Institut stark in der Mittelstandsfinanzierung engagiert ist, derzeit nicht: «Ich habe hohes Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, auch der Unternehmen.» Aus Gesprächen mit Kunden nehme er wahr, «dass sie natürlich besorgt sind und dass schwierige Zeiten auf uns zukommen. Aber es ist überhaupt kein Grund für Panikmache». Zudem unterstütze die Ampel-Koalition mit Hilfspaketen.

Der per Video zugeschaltete Bundesfinanzminister warb dafür, die Krise zu gestalten: «Unser Land verfügt über Reserven, über Anpassungsfähigkeit, über Einfallsreichtum und auch die Bereitschaft, in Krisen gemeinsam sich Herausforderungen zu stellen», sagte Lindner. «Und deshalb empfehle ich uns allen große Konzentration, aber eben auch die Zuversicht, dass wir aus dieser Situation herausfinden. Ich jedenfalls bin kein Kassandrarufer.» Viele Volkswirte rechnen inzwischen damit, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession abrutschen wird.

© dpa
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