Deutsche Waffenschmieden machen mehr Gewinn

Als der Ukraine-Krieg begann, schnellten die Börsenkurse deutscher Waffenhersteller nach oben. Der Bedarf nach Rüstungsgütern steigt an. Rheinmetall und Heckler & Koch legten nun Quartalszahlen vor.
Die Auftragsbücher bei Rheinmetall beispielsweise in der Artillerie- und Munitionssparte füllen sich. © Federico Gambarini/dpa

Inmitten des Ukraine-Kriegs haben zwei deutsche Waffenhersteller profitablere Geschäfte vermeldet. Im ersten Quartal sei das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Millionen Euro auf 92 Millionen Euro gestiegen, teilte Rheinmetall am Freitag in Düsseldorf mit.

Der Nettogewinn stieg um drei auf 61 Millionen Euro. Der Umsatz wiederum blieb mit rund 1,3 Milliarden Euro in etwa gleich. Auch die Rüstungsfirma Heckler & Koch, die im Gegensatz zum Panzer- und  Artillerie-Fabrikanten Rheinmetall ausschließlich Handfeuerwaffen herstellt, machte zum Jahresauftakt mehr Profit.

Rheinmetall macht profitablere Geschäfte

Trotz der Stagnation beim Umsatz rechnet Rheinmetall-Chef Armin Papperger weiterhin mit einem kräftigen Wachstumsschub von 10 bis 15 Prozent im Gesamtjahr. «Nun rechnen wir uns gute Chancen aus, in der aktuellen sicherheitspolitischen Lage in zahlreichen Ländern wertvolle Beiträge zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit leisten zu können.» Voraussetzung für das erwartete Umsatzplus ist, dass Deutschland wie geplant ein Investitionspaket von gut 100 Milliarden Euro bereitstellt, um mit dem Kauf von Waffen und anderen Rüstungsgütern die Bundeswehr auf Vordermann zu bringen. Diese Anschaffungen würden sich über mehrere Jahre hinziehen.

Ein klarer Hinweis auf klingelnde Kassen ist, dass sich die Auftragsbücher von Rheinmetall füllen. In der Artillerie- und Munitionssparte zum Beispiel verfünffachte sich der Bestelleingang im ersten Quartal auf 1,1 Milliarden Euro. Hier spielte ein mehrere Hundert Millionen Euro schwerer Munitionsgroßauftrag aus Ungarn eine zentrale Rolle.

Rheinmetall hatte schon kurz nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine Liste relativ schnell verfügbarer Militärprodukte vorgelegt, darunter Panzer, Lastwagen und Munition. Die Düsseldorfer Waffenschmiede hofft darauf, dass der Bund zumindest bei einem Teil der Produktliste zugreift. Zudem dürfte Rheinmetall angesichts der Bedrohungslage durch Russland auch aus anderen Staaten mehr Aufträge bekommen. An die Ukraine will der Rüstungskonzern Marder-Schützenpanzer und Leopard-Kampfpanzer liefern - beide angebotenen Exemplare sind alt, sollen aber modernisiert werden. Firmenchef Papperger wertete die Quartalszahlen am Freitag als Beleg, dass Rheinmetall seinen erfolgreichen Kurs fortsetze.

Heckler & Koch: Keine roten Zahlen mehr

Während Rheinmetall der größte deutsche Rüstungskonzern ist, ist Heckler & Koch eine Nummer kleiner. Der Sturmgewehr-Hersteller steckte noch vor einigen Jahren in den roten Zahlen, inzwischen sieht es viel besser aus. Im ersten Quartal schnellte der Umsatz um 22,2 Prozent auf 77,5 Millionen Euro in die Höhe, der Nettogewinn konnte von 3,3 auf 8,1 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden.

Firmenchef Jens Bodo Koch sagte, dass die Nachfrage von Nachbarstaaten Russlands seit der Krim-Annexion 2014 gestiegen sei - diese ohnehin schon hohe Nachfrage werde sich nun vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges wohl noch verstärken. «Staaten an der Ostflanke der Nato stocken ihre Waffenbestände auf oder erneuern sie - es wird in Ausrüstung investiert, um die Verteidigungsfähigkeit sicherzustellen.»

Welche Aufträge im Jahresauftakt-Quartal hinzukamen, sagte der H&K-Manager nicht. Bekannt ist aber, dass H&K in der Vergangenheit zum Beispiel Sturmgewehre an Norwegen, Litauen und Lettland geliefert hat - das sind Rahmenverträge, bei denen nachbestellt werden kann.

Beide Firmen bauen Personal auf. Heckler & Koch hatte Ende März 1086 Beschäftigte und damit 58 mehr als ein Jahr zuvor. Im Rheinmetall-Konzern stieg die Zahl der Vollzeikräfte binnen eines Jahres um 1038 auf 20 700.

© dpa
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