Putin drängt Ausländer aus Förderkonsortium Sakhalin Energy

01.07.2022 Ende eines internationalen Joint Ventures: Das Konsortium Sakhalin Energy wird nach dem Willen des Kremlchefs zu einer russichen GmbH. Aktionäre wie Shell oder Mitsui dürften ihre Anteile verlieren.

Hat die Umregistrierung des milliardenschweren Öl- und Gasförderkonsortiums Sakhalin Energy angeordnet: Kremlchef Wladimir Putin. © Grigory Sysoyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

Kremlchef Wladimir Putin hat die Umregistrierung des milliardenschweren Öl- und Gasförderkonsortiums Sakhalin Energy angeordnet. Damit droht den ausländischen Aktionären Shell, Mitsui und Mitsubishi der Verlust ihrer Anteile.

«Die russische Regierung erschafft eine russische GmbH, auf die (...) alle Rechte und Pflichten der Sakhalin Energy Investment Gesellschaft übergehen», heißt es in dem Präsidentenerlass, der am Donnerstagabend veröffentlicht wurde.

Alle Eigentumsrechte des Joint Ventures werden damit an Russland übergeben. Die Altaktionäre - Gazprom (50 Prozent plus eine Aktie), Shell (27,5 Prozent minus eine Aktie), Mitsui (12,5 Prozent) und Mitsubishi (10 Prozent) - dürften sich an der noch zu bildenden Betreibergesellschaft beteiligen. Die Tageszeitung «Kommersant» nannte dies in ihrer Freitagsausgabe einen «Loyalitätstest». Die Änderungen in der Eigentümerstruktur begründete Putin mit den westlichen Sanktionen, die eine Gefahr für das Weiterbestehen der Produktion darstellten.

Sollten sich die ausländischen Unternehmen weigern, sich an dem neuen Schema zu beteiligen, will die russische Regierung deren Anteile innerhalb von vier Monaten verkaufen, den Erlös aber auf ein Sperrkonto überweisen, an das die Unternehmen nicht herankommen.

Auch Kompensationsforderungen wegen Umweltschäden möglich

Zudem soll die russische Regierung in dem Fall eine Prüfung der ausländischen Unternehmen durchführen, um wegen möglicher Umweltschäden in Russland Kompensationsforderungen zu erheben. Mit diesem Druckmittel hat Moskau schon 2006 die Aufnahme von Gazprom in das zuvor rein ausländische Konsortium durchgesetzt. Die Aktien der japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi gaben am Freitag im frühen Handel wegen der Nachricht stark nach.

Kremlsprecher Dmitri Peskow widersprach am Freitag der These, dass es sich um einen Präzedenzfall für die Enteignung anderer ausländischer Unternehmen zugunsten des Staates handle.

Japan, das derzeit rund 9 Prozent seiner Gasimporte aus Russland bezieht, reagierte zunächst verhalten. «Wir müssen mit dem Betreiber kommunizieren und überlegen, wie wir reagieren», sagte Regierungschef Fumio Kishida. Von Mitsui und Mitsubishi hieß es lediglich, man prüfe die Fakten. Shell teilte mit, man habe als Anteilseigner stets im besten Interesse von Sakhalin-2 gehandelt und in Übereinstimmung mit allen rechtlichen Vorschriften. Man sei sich der Verfügung bewusst und prüfe die Auswirkungen, so die Mitteilung weiter.

Sakhalin Energy fördert Öl und Gas vor der russischen Fernostinsel Sachalin. Zudem gehört dem Konsortium eine Gasverflüssigungsanlage (LNG). Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen 2020 37,9 Millionen Barrel Öl und 11,6 Millionen Tonnen Flüssiggas verschifft.

© dpa

Weitere News

Top News

Sport news

Basketball: Schröder freut sich auf kurze Familien-Auszeit

People news

US-Schauspielerin: Trauer um Anne Heche: Schauspielerin nach Unfall gestorben

People news

Hollywood: Golden Globes: Deutsche als Präsidentin wiedergewählt

People news

Mit 92 Jahren: Playboy forever: Rolf Eden ist gestorben

Job & geld

Geld vom Staat: Förder-Reform: Das müssen Sie für Ihre Sanierung wissen

Auto news

Porsche 911 „Sally Special“: Comic-Carrera wird Wirklichkeit

Internet news & surftipps

«Lohnfindungsprozess»: Verdi ruft Beschäftigte bei Amazon zum Streik auf

Internet news & surftipps

Unternehmen: Südkoreas Präsident begnadigt Samsung-Erbe

Empfehlungen der Redaktion

Wirtschaft

Konflikte: Gazprom bestätigt Gaslieferstopp an Shell und Ørsted

Wirtschaft

Krieg gegen die Ukraine: US-Ölriese Exxon zieht sich aus Russland zurück

Regional bayern

Energie: Siemens: Mit Air Liquide Wasserstoff-Elektrolyseure bauen

Wirtschaft

Krieg in der Ukraine: Gazprom stellt auch Gaslieferungen an Ørsted und Shell ein

Wirtschaft

Konflikt: Redmann will staatlichen Einfluss auf PCK-Raffinerie

Wirtschaft

Gas: Bund stützt Schlüsselunternehmen, Gazprom drosselt Lieferung

Wirtschaft

Energie: Gazprom zahlt keine Dividende - Aktien brechen ein

Regional berlin & brandenburg

Uckermark: Öl-Embargo-Folgen für PCK: Mitarbeiter sollen Hilfe bekommen