Währungshüter: Inflation sollte mittelfristig sinken

29.03.2022 Europas Währungshüter machen Verbrauchern Hoffnung: Die vergleichsweise hohe Inflation ist nach ihrer Einschätzung nicht von Dauer. Doch es gibt auch Uneinigkeit im Rat der Europäischen Zentralbank.

Muss sich Europa an höhere Preise gewöhnen? © picture alliance / Lino Mirgeler/dpa

Europas Währungshüter rechnen mittelfristig weiter mit einem Rückgang der rekordhohen Teuerungsraten.

Bei der aktuellen Lage handele es sich um einen Angebotsschock, sagte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane, der US-Tageszeitung «Politico» in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. «Und aus diesen Gründen würden wir immer noch behaupten (...), dass der größte Teil dieser Inflation abklingen wird.»

Das bedeute nicht zwingend, dass sich die hohen Preise zurückbilden würden, sagte Lane. «Europa muss sich vielleicht an höhere Preise gewöhnen.» Aber die Dynamik werde abnehmen. «Wir glauben, dass die Inflation im Laufe dieses Jahres zurückgehen und im nächsten und übernächsten Jahr viel niedriger sein wird als in diesem Jahr.»

Der Chef der österreichischen Nationalbank, Robert Holzmann, sagte der «Börsen-Zeitung» (Mittwoch): «Es gibt gute Argumente für die Annahme einer mittelfristig wieder sinkenden Inflation. Die Energiepreise dürften von dem jetzigen Höhepunkt wieder zurückgehen, zumal bei hohen Preisen Investitionen in die Energieerzeugung attraktiver werden - was das Angebot erhöht und die Preise senken sollte.» Allerdings gelte es, weiter wachsam zu sein.

Leitzins auf Rekordtief

Seit Monaten treiben steigende Energiepreise die Teuerung. Der Krieg in der Ukraine heizt diese Entwicklung an. Im Euroraum erreichte die Inflation im Februar mit 5,9 Prozent den höchsten Stand seit Einführung des Euro als Verrechnungswährung 1999.

Die EZB, deren oberstes Ziel stabile Preise bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent sind, treibt angesichts der hartnäckig hohen Inflation den Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik voran. Die Notenbank stellte in Aussicht, im dritten Quartal 2022 den Ankauf zusätzlicher Anleihen von Staaten und Unternehmen einzustellen.

Wenn genau danach die Zinsen angehoben werden, lässt die Notenbank offen. «Das Wichtigste aus unserer Sicht ist, dass wir einen flexiblen und optionalen geldpolitischen Rahmen geschaffen haben, der ausdrücklich so konzipiert ist, dass er auf alle mittelfristigen Entwicklungen reagieren kann», bekräftigte Chefvolkswirt Lane.

Holzmann, der im EZB-Rat über den geldpolitischen Kurs mitentscheidet, plädiert für zwei Zinserhöhungen und ein Ende des Negativzinses noch in diesem Jahr - und warnt, dass die EZB andernfalls im Kampf gegen die Inflation ins Hintertreffen geraten könnte. «Eine Anhebung des Einlagenzinses auf null Prozent bis Jahresende wäre für die Geldpolitik wichtig, weil das die Optionalität erhöht.» Derzeit beträgt dieser Einlagenzins minus 0,5 Prozent. Der Leitzins im Euroraum liegt auf dem Rekordtief von null Prozent.

© dpa

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