Nur kurze Entspannung: Inflation wieder bei fast 8 Prozent

Nach zwei Monaten mit leichter Entspannung nähert sich die Inflation in Deutschland erneut der 8-Prozent-Marke. Volkswirte sind überzeugt: Das ist erst der Anfang.
Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im August gestiegen. © Frank Rumpenhorst/dpa

Die kurzzeitige Entspannung für Deutschlands Verbraucher ist verpufft: Die Teuerungsrate kratzt wieder an der 8-Prozent-Marke. Nach zwei Monaten mit rückläufigen Werten sprang sie im August auf 7,9 Prozent. Volkswirte machen den Menschen wenig Hoffnung: Sie erwarten in Europas größter Volkswirtschaft in den kommenden Monaten zweistellige Inflationsraten. Das Bundeskartellamt versicherte, es wache «mit Argusaugen» über die Preisentwicklung etwa im Lebensmittelhandel und an Tankstellen.

Seit Monaten sind Energie und Lebensmittel die größten Inflationstreiber. Der russische Angriff auf die Ukraine sowie Lieferengpässe haben die Lage noch verschärft. Im August kosteten Heizöl, Kraftstoffe und Strom vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zufolge in der Summe 35,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auch Nahrungsmittel verteuerten sich mit 16,6 Prozent überdurchschnittlich, wie die Behörde am Dienstag mitteilte. Die Verbraucherpreise insgesamt legten von Juli auf August um 0,3 Prozent zu.

Kaufkraft schwindet

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. Lohnsteigerungen werden von der Inflation mehr als aufgezehrt- Unter dem Strich haben die Menschen weniger Geld in der Tasche. Im zweiten Quartal beschleunigte sich der Reallohnverlust auf 4,4 Prozent.

Viele Menschen schränken ihren Konsum bereits ein, um den täglichen Bedarf bewältigen zu können. In einer Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes BdB gaben sieben von zehn Befragten an, sie hielten sich bei Ausgaben wegen der Teuerung zurück.

Das bremst den privaten Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur aus. «Die Furcht vor deutlich höheren Energiekosten in den kommenden Monaten zwingt viele Haushalte zur Vorsorge», erläuterte GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl jüngst. Das Konsumklima setze seine steile Talfahrt fort.

Tankrabatt und 9-Euro-Ticket laufen aus

Die Entlastungspakete des Staates hatten zumindest kurz für Entspannung gesorgt. Nachdem die jährliche Teuerungsrate im Mai auf 7,9 Prozent nach oben geschnellt war, ging es für zwei Monate nach unten: 7,6 Prozent im Juni und 7,5 Prozent im Juli.

Der auf drei Monate befristete Tankrabatt sowie das 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Personennahverkehr dämpften den Preisauftrieb etwas. Beide Maßnahmen laufen jedoch Ende August aus. Allein deshalb dürfte nach Einschätzung von Ökonomen die Teuerung anziehen.

«Es gibt derzeit kaum Güter, die nicht teurer werden», sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Im Oktober werde sich dann die Gasumlage kräftig bemerkbar machen. «Die Inflationsrate dürfte im Oktober über die Marke von 10 Prozent springen.»

Auch die Bundesbank hält es für möglich, dass die Inflationsrate gemessen am sogenannten harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) im Herbst 10 Prozent erreichen wird. «Für zusätzlichen Auftrieb sorgen in den nächsten Monaten die Anhebung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns und die Abwertung des Euro», heißt es im jüngsten Monatsbericht der Bundesbank. Im August lag der HVPI, den die Europäische Zentralbank für ihre Geldpolitik heranzieht, in Deutschland bei 8,8 Prozent. Die EZB strebt für den gemeinsamen Währungsraum ein stabiles Preisniveau bei einer jährlichen Teuerungsrate von 2 Prozent an.

Inflationsraten auf dem derzeitigen Niveau gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. In den alten Bundesländern muss man in der Zeitreihe bis in den Winter 1973/1974 während der Ölkrise zurückgehen, um ähnlich hohe Werte zu finden.

EZB unter Druck

Die Inflation setzt die EZB unter Druck, mit höheren Zinsen gegenzusteuern. «Hoffentlich ringt sich die EZB auf ihrer Sitzung nächste Woche zu einem großen Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten durch», mahnte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die erste Zinserhöhung seit elf Jahren hatten die Euro-Währungshüter im Juli beschlossen. Die nächste EZB-Sitzung ist am 8. September.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Superstar zu saudischem Club?: Bericht: Ronaldo entscheidet sich für Al-Nassr
Tv & kino
Netflix: Guillermo del Toros «Pinocchio»: Ein Stop-Motion-Meisterwerk
People news
Netflix-Dokumentation: Prinz Harry erhebt Vorwürfe: «Es ist ein schmutziges Spiel»
Reise
Mehr Platz: ICE 3 Neo gestartet
Musik news
Sänger: Robbie Williams tritt im Sommer auf königlichem Anwesen auf
Handy ratgeber & tests
Featured: Nachtmodus und Co.: Handykamera-Vergleich der Flaggschiffe
Das beste netz deutschlands
Schnell surfen und sparen: Den passenden Internetanschluss finden
Auto news
Grüneres Angebot: Japaner unter Strom - mehr Kompakte mit Stecker bei Toyota
Empfehlungen der Redaktion
Job & geld
Entspannung verpufft: Inflation kratzt wieder an 8-Prozent-Marke
Wirtschaft
Preise: Inflation weiter hoch - Anstieg im Herbst erwartet
Wirtschaft
Preise: Energie treibt Inflation in Deutschland auf fast 8 Prozent
Job & geld
Weg vom ultralockeren Kurs: EZB beendet Anleihenkäufe und kündigt erste Zinserhöhung an
Wirtschaft
Verbraucherpreise: Teuerungsrate wieder bei fast 8 Prozent
Job & geld
Inflation: Sprunghafter Anstieg: Teuerungsrate bei fast 8 Prozent
Job & geld
Statistisches Bundesamt: Inflation erreicht im Mai 7,9 Prozent
Wirtschaft
Preise: Inflation bei 7,9 Prozent - keine Entspannung in Sicht