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Politisches Weltklima belastet die Klimakonferenz in Dubai

Unter einem guten Stern steht die Klimakonferenz in Dubai nicht gerade. Das Augenmerk der Welt liegt auf der humanitären Katastrophe im Gazastreifen und dem Krieg in der Ukraine. Kann das gut gehen?
COP28
Beim COP28-Treffen in Dubai wollen mehr als 190 Länder die erste große Bestandsaufnahme der Umsetzung der Pariser Klimakonferenz 2015 erstellen. © Peter Dejong/AP

Wieder eine Klimakonferenz und eine wichtige dazu: In Dubai am Persischen Golf müssten mehr als 190 Länder ab 30. November bei der Konferenz COP28 eine klare Klimakurskorrektur beschließen, denn sie erörtern die erste große Bestandsaufnahme der Umsetzung der Pariser Klimakonferenz 2015. Und da reicht es hinten und vorne nicht, um die Erderwärmung auf 2 Grad oder besser 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.

Die internationale Staatengemeinschaft hatte in Paris das 1,5-Grad-Ziel vereinbart, um die Überschreitung gefährlicher Kipppunkte mit unumkehrbaren Konsequenzen zu vermeiden und die katastrophalsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. «Die Menschheit hat das Tor zur Hölle aufgestoßen», sagte UN-Generalsekretär António Guterres vor kurzem. Nur steht die Konferenz unter keinem guten Stern, denn einiges belastet das zweiwöchige Treffen:

Kriege

Die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen haben die Klimakrise aus den Schlagzeilen verdrängt. Die Frage ist, ob das Thema auch bei Regierungen, die sich mit Waffenlieferungen oder Kriegsdiplomatie beschäftigen, hintangestellt wird.

«Wir hatten 2020 auch die Sorgen, dass die Corona-Pandemie das Thema Klimawandel verdrängt», sagte der Chef der Weltwetterorganisation (WMO), Petteri Taalas, der Deutschen Presse-Agentur. Trotzdem habe es aber recht erfolgreiche Klimakonferenzen gegeben. «Klar können der Krieg gegen die Ukraine und der Gaza-Krieg einen Schatten auf die Klimakonferenz werfen, aber der Klimawandel bleibt immer noch die größte Herausforderung des Jahrhunderts, wenn wir sie nicht in den Griff bekommen.»

Greta und radikale Klimaaktivisten

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg sorgt derzeit für Kontroversen. Auf Klimademonstrationen spricht sie im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg von unterdrückten Palästinensern, die für Gerechtigkeit kämpfen und überlässt die Bühne einer Palästina-Aktivistin, die Israel Völkermord vorwirft.

Der deutsche Ableger der Bewegung Fridays for Future, die Thunberg mit ihrem Schulstreik 2018 ins Rollen brachte, hat sich von ihr distanziert. Es gibt Befürchtungen, dass das die Klimabewegung spaltet und sie so an Schlagkraft verliert. Auch radikale Gruppen wie die Letzte Generation, die sich auf Straßen oder in Museen festkleben oder etwa das Brandenburger Tor mit Farbe beschmieren, rücken den Kampf um das Klima bei vielen Menschen in ein schlechtes Licht.

Der Konferenzort und der COP-Präsident

Die Konferenz findet in den ölreichen Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Sie gehören zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Ausstoß des Treibhausgases CO2. Mit mehr als 20 Tonnen pro Kopf liegen sie etwa dreimal so hoch wie in Deutschland. Konferenzpräsident Sultan Ahmed Al Jaber ist gleichzeitig Chef der Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc). Die plant den massiven Ausbau ihrer Öl- und Gasförderung.

Laut einem UN-Bericht liegen die Produktionspläne aller Regierungen mit Öl- und Gasindustrie bis 2030 mehr als doppelt so hoch wie erlaubt wäre, wenn das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden soll. «Wir sollten aber in den Spiegel schauen», sagte Taalas. «Wer nutzt die fossile Energie? Sehr stark Europa, die USA und große asiatische Länder. Die Frage ist, ob man den Drogenverkäufer oder den -konsumenten straft.»

Die Datenlage: Viel mehr Ehrgeiz nötig

Laut Weltklimarat (IPCC) muss der klimaschädliche Treibhausgasausstoß bis 2030 um 43 Prozent im Vergleich zu 2019 sinken, um das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten. Ohne neue Ambitionen kommt es aber nach UN-Berechnungen eher zu einem leichten Anstieg bis 2030. Von 2021 auf 2022 stiegen die Treibhausgasemissionen um 1,2 Prozent auf einen neuen Rekord. «Wir steuern zurzeit nicht auf 1,5 bis 2 Grad Erwärmung zu, sondern auf 2,5 bis 3 Grad», sagte Taalas.

Die Daten der Bestandsaufnahme (Global Stocktake) sind ernüchternd. Überall müsse das Tempo rasant gesteigert werden: Ein schnelleres Ende der fossilen Brennstoffe Öl, Gas und Kohle sowie der Abholzung von Regenwäldern, eine stärkere Drosselung anderer Treibhausgase wie Methan, ein schnellerer Umstieg auf nachhaltige Landwirtschaft - und Milliarden zur Unterstützung der ärmeren Länder, die den Folgen des Klimawandels schon ausgesetzt sind, mit Dürren, Überschwemmungen, Meeresspiegelanstieg und verheerenden Stürmen.

Die Lichtblicke

Einiges hat sich seit dem Klimaabkommen von Paris getan: Während die Welt 2015 noch auf dem Pfad zu 4 Grad Erwärmung war, sind es jetzt eher 2,5 bis 3 Grad.

Zudem wollen die USA und China zusammenarbeiten, damit Strom aus nachhaltigen Quellen wie Sonne und Wind weltweit bis 2030 verdoppelt wird und es bessere Batteriespeicher gibt. Sie sind die größten Treibhausgas-Verursacher. Ihre Maßnahmen fallen besonders ins Gewicht.

Erstmals berichtet die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem jährlichen Ausblick, dass der Bedarf an Kohle, Gas und Öl noch vor 2030 seinen Höhepunkt erreichen und danach zurückgehen dürfte. Grund seien der gute Ausbau erneuerbarer Energien und strukturelle Veränderungen. Der Anteil fossiler Treibstoffe zur Energieproduktion, der jahrelang bei 80 Prozent lag, werde bis 2030 auf 73 Prozent sinken, schrieb sie im Oktober.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sieht Chancen, dass der schrittweise weltweite Ausstieg aus sämtlicher fossiler Energie verbindlich vereinbart wird. 2021 hatten Indien und China bei der Klimakonferenz in Glasgow auf den letzten Drücker noch das Wort Abbau (phase-down) statt Ausstieg (phase-out) im Gipfelbeschluss durchgesetzt.

WMO-Chef Taalas hofft trotzdem, dass große Länder wie China, Indien und Brasilien in Dubai ehrgeizigere Klimaschutzpläne ankündigen. «Ich war früher ein Pessimist, bin aber von Regierungen und technologischen Entwicklungen positiv überrascht worden», sagte er.

© dpa ⁄ Christiane Oelrich, dpa
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