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Pharmabranche erwartet nach Corona-Boom Umsatzminus

In der Pandemie hat die Pharmaindustrie gut an Impfstoffen verdient, nun ist der Boom vorbei. Das hat Folgen auch für Vorzeigeunternehmen.
Neuer Corona-Impfstoff
Gläschen mit jeweils sechs Dosen des neuen angepassten Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer. © Christophe Gateau/dpa

Nach dem Abflauen der Corona-Pandemie macht sich Impfmüdigkeit bei den Menschen breit - das belastet die deutsche Pharmaindustrie. Die Branche stellt sich nach dem Impfstoff-Boom auf Umsatz- und Produktionsrückgänge ein, wie der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Zugleich mahnte er bessere Rahmenbedingungen an, etwa bei der Nutzung von Gesundheitsdaten in der Forschung.

Dieses Jahr dürfte der Umsatz der Pharmaindustrie preisbereinigt um 2,9 Prozent sinken und 2024 stagnieren, teilte der VFA mit. Die Produktion werde 2023 wohl im Schnitt um 1,4 Prozent schrumpfen und im kommenden Jahr um 2,0 Prozent wachsen. Damit fiel die Prognose etwas besser aus als im Frühjahr. «Aktuell spielen Ausfuhren von Impfstoff noch eine wichtige Rolle. Ohne eine Impfwelle in den kommenden Monaten dürften sie sich im Folgenden aber analog zu den Inlandsumsätzen normalisieren», hieß es.

Der Coup des Mainzer Herstellers Biontech, der den weltweit ersten zugelassenen Corona-Impfstoff auf den Markt brachte, hatte dem hiesigen Pharmastandort zu neuem Glanz verholfen und der Branche eine Sonderkonjunktur verschafft. Mit dem Abflauen der Pandemie setze sich die Normalisierung fort, sagte VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen.

Hohe Abschreibungen auf Covid-Impfstoffen

Erst am Montag hatte Biontech verkündet, dass im dritten Quartal Abschreibungen von bis zu 900 Millionen Euro in Zusammenhang mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty erwartet werden. Biontechs US-Partner Pfizer hatte zuvor seine Umsatz- und Gewinnziele drastisch gesenkt, da die Nachfrage nach Covid-Arzneien und -Impfstoffen schwindet.

Die Zahl der Mitarbeiter in der Pharmabranche ist trotz schwacher Konjunktur und der Debatte um Standortschwäche weiter gestiegen, wie VFA-Zahlen zeigen. Per Juli habe sie 127 800 Menschen hierzulande beschäftigt, rund sieben Prozent mehr als ein Jahr zuvor (118 700). «Dies hängt vor allem mit dem Erfolg einzelner Unternehmen zusammen, die entweder neue Standorte eröffnet haben oder die gewonnenen Spielräume aus den vergangenen beiden Jahren nutzen, um ihre Innovationskraft zu stärken», sagte Michelsen. Für viele andere Unternehmen hätten indes die Sparvorgaben der Bundesregierung rund um das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz zu Stelleneinsparungen geführt.

Deutschland habe gute Chancen für innovative Hightech-Produkte, sagte Michelsen. Beschleunigt werden könne das etwa durch Bürokratieabbau und den Zugang zu Daten. Letzteres sei in Deutschland kompliziert.

© dpa
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