Deutsche Industrie erhält weniger Aufträge

Besonders aus der Eurozone kommen weniger Bestellungen, die Regierung sieht deutliche «Bremsspuren». Doch die neuen amtlichen Zahlen sind nicht durchweg schwach.
Produktion in einem Betrieb für Maschinen- und Anlagentechnik von Siemens. © picture alliance / dpa

Die deutsche Industrie hat im August weniger Aufträge erhalten als im Vormonat, allerdings nach einem deutlich besseren Ergebnis im Juli. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Donnerstag lag der Auftragseingang im August 2,4 Prozent niedriger als im Juli. Analysten hatten mit einem moderateren Rückgang um 0,7 Prozent gerechnet. Die Entwicklung im Juli fiel allerdings wesentlich besser aus als bislang bekannt. Anstatt eines Rückgangs um 1,1 Prozent ergibt sich nach neuen Zahlen ein Zuwachs um 1,9 Prozent.

Angesichts der Entwicklung im Juli verliere der jüngste Auftragsrückgang an Brisanz, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Lichtensteiner VP Bank. «Und mehr noch, ohne die Berücksichtigung der volatilen Großaufträge ist sogar ein Auftragsplus im August von 0,8 Prozent zu vermelden.» Im Detail gingen die Bestellungen von Vorleistungs- und Investitionsgütern zurück, während mehr Konsumgüter geordert wurden.

Mit Blick auf die Herkunft der Aufträge fielen die August-Zahlen durchweg schwach aus. Sowohl im Inland als im Ausland ging die Nachfrage nach deutschen Waren zurück. Besonders deutlich fiel das Minus mit 3,8 Prozent für Länder aus der Eurozone aus. Aus Ländern außerhalb der Eurozone kamen 0,4 Prozent weniger Bestellungen als im Juli.

Laut Bundeswirtschaftsministerium entwickelten sich die Bereiche «sonstige Fahrzeuge» mit knapp minus 46 Prozent und «elektrische Ausrüstungen» mit minus 16 Prozent schwach. Auch chemische Erzeugnisse seien weniger gefragt gewesen. Die besonders großen Bereiche Kraftfahrzeuge und Maschinenbau hätten hingegen mehr Aufträge erhalten. Zuwächse gab es auch bei pharmazeutischen Erzeugnissen und im Bereich Elektronische Datenverarbeitung (EDV).

Die Industriekonjunktur zeige vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs und der hohen Gaspreise deutliche Bremsspuren, kommentierte das Wirtschaftsministerium die Zahlen. «Der gedämpfte Ausblick für den restlichen Jahresverlauf spiegelt sich auch in einem abgekühlten Geschäftsklima und zurückhaltenden Exporterwartungen wider.» Schon länger leidet die Industrie unter Engpässen im Welthandel. Hinzu kommen zum Teil drastische Preisanstiege vieler Vorprodukte und Rohstoffe.

© dpa
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