Bundesbank erwartet Rezession im Winterhalbjahr

Die Explosion der Energiepreise belastet Unternehmen und Verbraucher in Deutschland. Die Aussichten für die kommenden Monate sind nach Einschätzung der Bundesbank trübe.
Euro-Banknoten: Alles wird teurer, und die Bundesbank erwartet eine Rezession. © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Die Bundesbank rechnet in den kommenden Monaten mit einem Konjunktureinbruch in Deutschland und einer anhaltend hohen Inflation. Trotz des überraschenden Wirtschaftswachstums im Sommerquartal sei im Winterhalbjahr weiter eine Rezession zu erwarten, schrieb die Notenbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht.

Höhere Lohnkosten können Inflation befeuern

«Die Inflationsrate könnte auch über den Jahreswechsel hinaus zweistellig bleiben.» Die Übernahme der Gasabschlagszahlung durch den Staat im Dezember werde die Verbraucher zwar entlasten. «Noch ist aber unklar, inwieweit sie sich in der amtlichen Preismessung und damit in der Inflationsrate niederschlägt.»

Die Jahresinflationsrate war im Oktober in Deutschland auf 10,4 Prozent geklettert. Die Bundesbank sieht inzwischen ein gestiegenes Risiko von Zweitrundeneffekten. Wenn die Inflation zu höheren Tarifabschlüssen und damit Lohnkosten führt, kann dies die Teuerung anheizen. Löhne und Preise würden sich also hochschaukeln und die Inflation verfestigen.

Der Bundesbank zufolge fielen die jüngsten Tarifabschlüsse vermehrt kräftig aus. Zudem forderten Gewerkschaften angesichts der Inflation außergewöhnlich hohe Lohnzuwächse. So verlangt die Gewerkschaft Verdi für den öffentlichen Dienst in Bund und Kommunen 10,5 Prozent mehr Geld für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Es sei zwar nicht damit zu rechnen, dass diese Forderungen zu tatsächlichen Lohnabschlüssen in gleicher Größenordnung führten, schrieb die Notenbank. «Auch wenn das nicht auf eine von der Lohnseite beschleunigte Inflationsentwicklung hindeutet, hat das Risiko von Zweitrundeneffekten zugenommen.»

Unsicherheit bei Energieversorgung

Gebremst wird die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland nach Einschätzung der Volkswirte unter anderem von der Unsicherheit über die Energieversorgung und den gestiegenen Energiepreisen. Das belaste die Unternehmen stark. Die Abschwächung der globalen Konjunktur dürfte sich in den Exporten niederschlagen, und die Inflation dämpfe den privaten Konsum. Zudem dürfte sich die Baukonjunktur weiter abkühlen. Das Ausmaß der erwarteten Rezession sei allerdings äußerst unsicher.

Europas größte Volkswirtschaft war im dritten Quartal vorläufigen Zahlen zufolge gegenüber dem Vorquartal überraschend um 0,3 Prozent gewachsen. Details will das Statistische Bundesamt am Freitag bekanntgeben.

© dpa
Weitere News
Top News
Job & geld
Wichtige News für Verbraucher: Bürgergeld, Rente, 49-Euro-Ticket: Das ändert sich 2023
Fußball news
Fußball-WM in Katar: Frankreichs B-Team entzaubert - TF1 ging zu früh vom Sender
People news
US-Justiz: Prozess gegen Schauspieler Danny Masterson endet ergebnislos
Tv & kino
Schauspielerin: Christiane Hörbiger mit 84 Jahren gestorben
Internet news & surftipps
Mails, SMS & Co: Ermittler sollen in EU leichter an Daten kommen
Tv & kino
Schauspieler: Hugh Grant erinnert sich ungern an eine Tanzszene
Auto news
EU-Label und Tests: Bei Reifensuche auf Energieeffizienz achten
Das beste netz deutschlands
Rollenspiel-Abenteuer: «Potionomics»: Fröhliches Tränkebrauen in der Hexenküche
Empfehlungen der Redaktion
Wirtschaft
Monatsbericht der Bundesbank : Sinkende Wirtschaftsleistung und zweistellige Inflation
Wirtschaft
US-Notenbank: Kampf gegen Inflation: Fed vor erneuter Zinsanhebung
Wirtschaft
Konjunktur: Erneut deutliche Zinserhöhung der US-Notenbank Fed erwartet
Wirtschaft
Inflation: Währungshüter peilen weitere Zinserhöhungen an
Wirtschaft
Finanzpolitik: Licht und Schatten der EZB-Zinserhöhungen
Wirtschaft
Geldpolitik: Bundesbank-Chef Nagel über den Inflationshöhepunkt
Wirtschaft
Preise: Eurozone: Inflation klettert auf Rekordwert von 8,9 Prozent
Wirtschaft
Konjunktur: Bundesbank erwartet Rezession und zweistellige Inflation