Rohrkonzern Vallourec will deutsche Werke schließen

18.05.2022 Seit Ende 2021 hat der französische Konzern versucht, seine beiden Werke in Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr zu verkaufen. Offenbar vergebens. 2400 Menschen sind von der Schließung betroffen.

Ein Arbeiter kontrolliert in der Produktion von Vallourec Stahlrohre. © picture alliance / dpa

Der französische Stahlrohrkonzern Vallourec will seine beiden traditionsreichen Werke in Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr schließen.

Betroffen seien insgesamt rund 2400 Beschäftigte, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Düsseldorf mit. Die IG Metall sprach von einer «Katastrophe». Erst am Montag hatten rund 1000 Beschäftigte vor der Konzernzentrale in Paris für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert.

Die Produktion soll Ende 2023 eingestellt werden. Die beiden Standorte gehörten früher zur Mannesmannröhren-Werke AG. Das Düsseldorfer Werk im Stadtteil Rath bestand seit 1899, das Werk in Mülheim seit 1966. Ein Vallourec-Forschungszentrum im sächsischen Riesa mit rund 40 Beschäftigten ist nach Angaben einer Sprecherin von den Schließungen nicht betroffen.

Verkaufsversuche fehlgeschlagen

Vallourec hatte seit November versucht, die beiden Werke zu verkaufen. Keines der vorgelegten Angebote habe jedoch eine nachhaltige Zukunftssicherung der Produktionsstandorte erkennen lassen, so das Unternehmen. Vallourec Deutschland stellt vor allem nahtlose Stahlrohre für den Öl- und Gasmarkt sowie industrielle Anwendungen im Maschinen- und Stahlbau her.

Die Produktion nahtloser Stahlrohre in Deutschland sei für Vallourec aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr darstellbar, erklärte Vorstandschef Philippe Guillemot. Vallourec Deutschland habe seit sieben Jahren signifikante Verluste geschrieben. Ursache dafür seien Überkapazitäten in der Branche, sinkende Margen, aber auch externe Schocks wie diverse Ölkrisen, Strafzölle aus China, die Corona-Krise sowie der von Russland begonnene Krieg in der Ukraine mit dramatischen Auswirkungen auf Vormaterial- und Energiepreise.

Vallourec will jetzt Gespräche mit den Betriebsräten und der IG Metall über einen Interessenausgleich und Sozialplan beginnen. «Wir sind daran interessiert, dass für die Menschen, mit denen wir so lange zusammengearbeitet haben, eine faire und anständige Lösung gefunden wird», sagte Guillemot. «Wir bemühen uns, die Auswirkungen so stark abzumildern wie angesichts der Gesamtsituation möglich.»

IG Metall spricht von einer «Katastrophe»

«Es ist eine Katastrophe - für die Region, für die Arbeitsplätze», sagte der Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss, Karsten Kaus, der Deutschen Presse-Agentur. Der Schock sei groß, auch wenn sich die Entscheidung schon abgezeichnet habe. Man habe zuvor alles versucht, etwa den Verkaufsprozess zu begleiten. Auch sei ein Fortführungskonzept mit dem Betriebsrat und einer Beratungsgesellschaft entwickelt worden. «Das ist alles am Ende nicht zum Tragen gekommen.»

Der Ärger in der Belegschaft sei groß - auch wegen des Umgangs mit der Belegschaft, sagte Kaus. Die habe am Mittwochabend aus der Presse von den Plänen erfahren. Erst am Freitag wolle das Unternehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einer Versammlung in einer Düsseldorfer Veranstaltungshalle über die Schließungspläne informieren. Kaus kündigte an, dass die Gewerkschaft jetzt «einen guten Sozialtarif» aushandeln will.

Vallourec Deutschland hatte bereits 2020 ein Rohrwerk in Düsseldorf-Reisholz geschlossen. Insgesamt wurden seit 2015 wurden rund 1400 Stellen abgebaut. «Trotz aller Bemühungen konnte bis heute kein kostendeckender Betrieb der deutschen Standorte realisiert werden», stellte das Unternehmen fest.

© dpa

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