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Gewerkschaft EVG für Bodycams in Zügen

Nicht nur die Angriffe auf Rettungskräfte werden mehr, auch Zugbegleiter und Service-Mitarbeiter bei der Bahn werden häufiger bepöbelt oder angegriffen. Eine Kampagne soll nun wachrütteln - zudem wird eine umstrittene Maßnahme erprobt.
Bodycam
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG plädiert für den Einsatz von Bodycams. © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Verbale und körperliche Angriffe werden laut der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG zu einem immer größeren Problem in Bussen und Bahnen. Die Gewerkschaft setzt sich daher dafür ein, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bahnen mit Bodycams auszustatten. Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zeigte sich am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EVG-Chef Martin Burkert offen für solche Überlegungen.

Der Einsatz von Bodycams, die zu Beginn von Auseinandersetzungen eingeschaltet werden könnten, sei schon erfolgreich geprobt worden, sagte der Minister. «Jeder ist auf Mobilität angewiesen und jeder ist darauf angewiesen, dass diejenigen, die sie täglich organisieren, das auch in Zukunft gerne und motiviert tun», sagte Wissing.

Mit einer neuen Plakatkampagne wollen das Ministerium und die EVG in den kommenden Monaten zu mehr Respekt aufrufen. Auf den Plakaten wird unter anderem mit Sätzen wie «Ein guter Ort für Bahnhöflichkeit» dafür geworben, im Straßen- wie auch im Schienenverkehr mehr Respekt und mehr Achtung gegenüber anderen Menschen zu zeigen.

EVG-Chef: Tendenz bei verbalen Angriffen steigend

Burkert sagte, dass es täglich zu verbalen und körperlichen Übergriffen gegen Bahn-Mitarbeitende komme - Tendenz steigend. «In den Bahnhöfen, in den Bussen, in den Zügen - es sind alle Mitarbeitenden betroffen, die irgendwie Uniform tragen», so der EVG-Chef. Als Gründe für die steigende Tendenz nannte er das 9-Euro-Ticket mit vielen deutlich volleren Zügen sowie die Corona-Pandemie.

Die Form der Übergriffe sei vielfältig. Wissing berichtete etwa von Fällen, bei denen Fahrgäste die Bahn-Mitarbeiter mit einem Fuß in der Tür daran hinderten, das Servicebüro zu schließen, um auch nach der Öffnungszeit noch bedient zu werden. «Sowas ist völlig inakzeptabel», sagte Wissing.

Die Zahl der verbalen Angriffe inklusive Spucken hat sich Burkert zufolge in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht. «Die Dunkelziffer ist enorm, bis zu 70 Prozent melden verbale Übergriffe nicht», sagte Burkert. Nach Angaben der Deutschen Bahn wurden im Jahr 2022 etwas mehr als 3100 Übergriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns gezählt, die Hälfte davon betraf das Zugpersonal im Regionalverkehr.

Wissing: Entwicklung zu mehr Angriffen macht Gesellschaft schwächer

Die neue Kampagne fügt sich laut Burkert ein in weitere Offensiven, etwa die Kampagne «Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch» des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB. Bei dieser Initiative wird neben dem Verkehr auch explizit auf Angriffe gegen Rettungskräfte hingewiesen. Wissing betonte, dass solche Vorfälle allgemein sehr ernst genommen werden müssten, «weil eine solche Entwicklung unsere Gesellschaft schwächer macht.»

Die Deutsche Bahn teilte mit, dass sie jede Maßnahme für mehr Respekt gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstütze - somit auch die neue Kampagne. «Jede Form von Gewalt gegen unsere Mitarbeitenden ist inakzeptabel und verurteilen wir zutiefst», sagte Hans-Hilmar Rischke, Leiter der DB-Konzernsicherheit. Auch die DB strebt an, zunehmend Bodycams zum besseren Schutz des Personals einzusetzen.

© dpa
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