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GDL leitet Urabstimmung über unbefristete Streiks ein

Die GDL gibt Gas: Nach dem ersten Warnstreik sollen die Mitglieder nun über unbefristete Arbeitskämpfe abstimmen. Damit könnte die Gewerkschaft länger und häufiger streiken lassen.
GDL ruft Mitglieder zur Urabstimmung über Bahnstreiks auf
Teilnehmende einer Kundgebung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) vor dem Hauptbahnhof in Magdeburg. © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Kurz nach dem Ende des ersten Warnstreiks im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft GDL ihre Mitglieder zur Urabstimmung aufgerufen. Sie sollen über unbefristete Streiks bei der Bahn und anderen Verkehrsunternehmen entscheiden, teilte die Gewerkschaft am Abend mit. «Wir erwarten, dass unsere Mitglieder der Hinhaltetaktik der Arbeitgeber eine eindeutige Antwort erteilen», sagte GDL-Chef Claus Weselsky laut Mitteilung.

Für längere und häufigere Arbeitskampfmaßnahmen müssten sich 75 Prozent der Mitglieder dafür aussprechen. Über Zeitpunkt und das Ergebnis der Auszählung wolle die GDL gesondert informieren. «Weitere Warnstreiks sind bis dahin nicht ausgeschlossen.»

Auch Bahnrivalen betroffen

Die Bahn kommentierte die Ankündigung der Lokführergewerkschaft zunächst nicht. Die GDL verhandelt neben dem bundeseigenen Konzern noch mit einigen anderen Unternehmen, darunter mit dem Bahnwettbewerber Transdev. Auch diesem Unternehmen warf die Gewerkschaft eine Hinhaltetaktik vor.

Bei der Bahn hatte die GDL in dieser Woche zum ersten Warnstreik im laufenden Tarifstreit aufgerufen. Von Mittwoch- bis Donnerstagabend standen weite Teile des Fern-, Regional- und Güterverkehrs still. Weselsky hatte immer wieder betont, schon früh in der Auseinandersetzung auf eine Urabstimmung setzen zu wollen. Damit will er eigenen Aussagen zufolge vor allem vermeiden, dass die Bahn gegen Warnstreiks vor das Arbeitsgericht zieht.

Für Warnstreiks ist keine Urabstimmung nötig. Dafür bestehen engere Vorgaben, was Dauer und Häufigkeit angeht. Sollten zwei Drittel der Gewerkschaftsmitglieder bei der Urabstimmung zustimmen, hätte Weselsky für längere und häufigere Arbeitskämpfe freie Hand.

Nächste Verhandlung in kommender Woche

Wie es am Verhandlungstisch weitergeht, ist offen. Der Auftakt der Tarifverhandlungen beim Konzern endete in der vergangenen Woche ohne inhaltliche Ergebnisse. In dieser Woche sollte weiterverhandelt werden. Nach dem Warnstreikaufruf der GDL sagte die Bahn die Gespräche aber ab. Es könne nicht verhandelt und gleichzeitig gestreikt werden, argumentierte Personalvorstand Martin Seiler.

Die nächste Verhandlungsrunde ist für Donnerstag und Freitag in der kommenden Woche terminiert. Die Bahn hatte bereits angekündigt, den Termin einhalten zu wollen, solange die GDL an den jeweiligen Tagen nicht erneut zum Arbeitskampf aufruft.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem 555 Euro mehr im Monat sowie eine Inflationsausgleichsprämie. Knackpunkt der Verhandlungen ist indes die Forderung nach einer Absenkung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Wochenstunden für Schichtarbeiter bei vollem Lohn. Aus Weselskys Sicht kann nur so die Attraktivität dieser Berufe verbessert werden.

Die Bahn lehnt diese Forderung als unerfüllbar ab. Sie bietet eine elfprozentige Entgelterhöhung bei einer Laufzeit von 32 Monaten und die von der GDL geforderte Inflationsprämie. Von einer Einigung sind beide Seiten nach der ersten Verhandlungsrunde und dem ersten Arbeitskampf weit entfernt.

© dpa
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