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Frauen in Unternehmen: Es geht voran - aber Luft nach oben

Frauen sind in der Topetage börsennotierter Konzerne in der Minderheit, verdienen dort einer Studie zufolge aber mehr als männliche Vorstandsmitglieder.
Frauen in Führungspositionen
Frauen verdienen in der obersten deutschen Börsenliga mehr als ihre männlichen Kollegen. © Hannes P. Albert/dpa

Zwei neue Untersuchungen zeigen, dass Frauen in der Wirtschaft zunehmend bessergestellt sind, von Parität kann aber noch keine Rede sein. So geht etwa aus einer Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY hervor, dass Frauen in der Topetage der Dax-Konzerne trotz gesunkener Vergütungen auch im vergangenen Jahr mehr verdient haben als männliche Vorstandsmitglieder.

Bei den Unternehmen der Börsenindizes MDax und SDax liegen dagegen Männer im Schnitt vorn. Aus einer neuen Auswertung der Organisation «Frauen in die Aufsichtsräte» (Fidar) geht hervor, dass die Topetagen öffentlicher Unternehmen in Deutschland weiblicher werden.

EY-Studie zu Vorstandsfrauen in Dax-Konzernen

Frauen sind im Vorstand der 40 Dax-Konzerne mit einem Anteil von 21,8 Prozent nicht nur stärker vertreten als in Unternehmen der anderen Börsenindizes, sie verdienen seit 2015 der EY-Auswertung zufolge im Schnitt auch mehr als Männer. Im vergangenen Jahr kamen weibliche Führungskräfte durchschnittlich auf rund 3,2 Millionen Euro, ihre Kollegen auf etwa 3,08 Millionen Euro. Sowohl Vorstandsfrauen (minus 7,3 Prozent) als auch -männer (minus 8,7 Prozent) verbuchten Gehaltseinbußen.

«Der Krieg in der Ukraine, Lieferkettenprobleme und stark gestiegene Energiepreise haben viele optimistische Prognosen zu Makulatur werden lassen», erläuterte EY-Partner Jens Massmann. Bei Dax-Konzernen spielten variable Gehaltsbestandteile wie Boni, deren Auszahlung an das Erreichen bestimmter Ziele geknüpft ist, eine besonders große Rolle. Die Einbußen seien daher entsprechend deutlich ausgefallen.

Im MDax der 50 mittelgroßen Werte verdienten männliche Vorstände mit rund 1,59 Millionen Euro erneut mehr als ihre Kolleginnen, die im Schnitt auf etwa 1,54 Millionen Euro kamen. Der Anteil weiblicher Führungskräfte in der Topetage lag bei 14,3 Prozent.

Bei den 70 kleineren Firmen des SDax - mit einem Frauenanteil von 9,9 Prozent in der Topetage - lag die Gesamtvergütung weiblicher Führungskräfte erstmals seit 2018 im Schnitt wieder hinter dem Verdienst der Manager. Frauen kamen den Angaben zufolge auf rund 931.000 Euro (minus 20 Prozent), Männer auf knapp 1,1 Millionen Euro (plus 11 Prozent). Als einen wesentlichen Grund nannte Massmann den Wechsel in den Vorstandsgremien. «Regelmäßig fallen die Vergütungshöhen bei Neubestellungen niedriger aus, als bei Vorstandsmitgliedern, die das Amt bereits länger inne haben.»

Fidar-Auswertung zum Frauenanteil in Topetagen öffentlicher Unternehmen

Positive Signale für mehr Gleichberechtigung in der Wirtschaft - hier explizit in den Topetagen öffentlicher Unternehmen in Deutschland - sendet auch eine Auswertung der Organisation «Frauen in die Aufsichtsräte» (Fidar), die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Demnach stieg der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der 262 größten Beteiligungen von Bund und Ländern Stand 1. Januar 2023 zum Vorjahr um 1,3 Prozentpunkte auf 37,1 Prozent. In den Top-Managementorganen sei der Anteil um 2,5 Prozentpunkte auf 25,7 Prozent gewachsen. Trotz dieser Anstiege sei man damit aber noch weit entfernt von einer Parität.

Seit dem 1. August 2022 gilt ein Mindestbeteiligungsgebot. Die Regelung verpflichtet Mehrheitsbeteiligungen des Bundes mit mehr als zwei Mitgliedern im Geschäftsführungsorgan, mindestens eine Frau beziehungsweise einen Mann aufzuweisen.

Fidar zufolge zeigt dies im öffentlichen Sektor jedoch nur langsam Wirkung. «Die öffentlichen Unternehmen haben sich lange auf ihrem Vorsprung zur Privatwirtschaft ausgeruht», sagte Fidar-Gründungspräsidentin Monika Schulz-Strelow. «Aber die Entwicklung bei den börsennotierten Unternehmen zeigt, dass bei entsprechendem Druck und größerem öffentlichen Interesse mehr Fortschritt möglich ist.» Vor diesem Hintergrund sei die Entwicklung bei den Bundes- und Länderbeteiligungen nicht zufriedenstellend.

© dpa
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