Plötzlich dunkel - Frankreich will Blackout vermeiden

Plötzlich sind Teile von Paris ohne Strom - die Panne ist ein Vorgeschmack auf das, was Frankreich drohen könnte. Stunden später simulieren die Behörden eine geregelte Unterbrechung der Versorgung.
Strommasten stehen auf einem Feld in der Nähe des Kernkraftwerks Bugey in Zentralfrankreich. © Laurent Cipriani/AP/dpa

Schon seit Tagen wurde in Frankreich über ein mögliches Abschalten der Stromversorgung im Krisenwinter diskutiert, als in der Nacht zu Freitag in Paris plötzlich 125.000 Haushalte ohne Strom waren. Nur eine Panne, beruhigten die Behörden, die am Freitag dann wie angekündigt das kontrollierte Abschalten der Versorgung in einer Region simulierten.

Weil etliche Atomkraftwerke gewartet werden, wird im Januar mit Engpässen gerechnet. Die Regierung bereitet deshalb örtlich begrenzte Stromunterbrechungen bei Spitzenbelastungen vor. Damit soll ein unkontrollierter Blackout abgewendet werden.

Gab es während des Tests Probleme mit der Versorgung?

Nein, es wurden nur Abläufe für eine Abschaltung simuliert, ohne dass tatsächlich eine Abschaltung vorgenommen wurde. Der große Stromausfall in Paris hing mit einem defekten Transformator zusammen.

Weshalb sorgt Frankreich sich um seine Stromversorgung?

Grund für die Gefahr von Versorgungsengpässen ist die verzögerte Wartung etlicher Atomkraftwerke. Am Freitag waren 16 der 56 französischen Meiler nicht am Netz. Bei einem harten Winter wird im Januar befürchtet, dass die Stromerzeugung die Nachfrage zu bestimmten Momenten möglicherweise nicht wird decken können.

Geht im Ernstfall plötzlich das Licht aus?

Im Gegenteil, die betroffene Region wird am Vortag detailliert informiert. Dazu soll die zentrale Warn-App namens «ÉcoWatt» dienen, die Auskunft über die Belastung des Stromnetzes gibt. Drei Tage im Voraus ist zu sehen, ob das Netz stark belastet sein wird. Dann wird die Bevölkerung um besondere Anstrengungen gebeten - die Waschmaschine oder der Backofen sollen dann nicht zu Belastungsspitzen eingeschaltet werden.

Für wie lange und wo könnte der Strom abgeschaltet werden?

Die Notwendigkeit einer Unterbrechung könnte sich zwischen 8 und 13 Uhr sowie zwischen 18 und 20 Uhr ergeben, nicht aber am Wochenende. Die Unterbrechung soll maximal zwei Stunden dauern und lokal beschränkt sein.

Was ist mit Kliniken und wichtigen Einrichtungen?

Für Krankenhäuser und andere sensible Einrichtungen wie Industrieunternehmen etwa gibt es Ausnahmen, sie bleiben am Strom. Weil sich in Paris wichtige Institutionen häufen, wären in der Hauptstadt deshalb nur 20 Prozent der Abnehmer von einer Unterbrechung betroffen, hieß es.

Was ist mit Zügen, Ampeln, Schulen?

Zu vielen Aspekten arbeiten die Behörden die Abläufe noch im Detail aus. Klar ist, Züge sollen nicht auf offener Strecke stehen bleiben, bei einer Stromabschaltung wird der Verkehr zuvor unterbrochen. Schulen bleiben möglicherweise morgens geschlossen. Mit der Abschaltung des Stroms werden auch Telefon-Sendemasten ausfallen, im ländlichen Bereich wird befürchtet, dass der Notruf nicht erreichbar sein kann. Dort sollen andere Vorkehrungen getroffen werden.

Wie reagiert die Bevölkerung?

Im November bereits hat die Bevölkerung ihren Stromverbrauch um zehn Prozent gesenkt. Einige Versorger belohnen ihre Kunden auch finanziell, wenn sie ihren Verbrauch reduzieren.

Was ist Frankreichs künftiger Kurs in der Energieversorgung?

Das Land setzt auf einen massiven Ausbau der Atomkraft. «Frankreich muss Weltmeister bei der Atomkraft bleiben, wir sollten stolz sein auf unserer Atomkraft», sagte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Freitag beim Besuch eines AKW. «Wir müssen zu einer massiven nuklearen Stromerzeugung zurückkehren.» Die Entscheidung für die Atomkraft sei auch eine Entscheidung für den Klimaschutz.

© dpa
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