Verbraucherzentrale: Keine Vorkasse bei Flugreisen

Flug gebucht, bezahlt - und dann wird er storniert. Für Verbraucher ärgerlich, wenn sie dann auf ihr Geld warten müssen. Verbraucherschützer setzen sich dagegen ein.
Verbraucherschützer fordern besseren Schutz für Flugreisende. © Michael Kappeler/dpa

Die Chefin des Verbraucherzentralen-Bundesverbandes, Ramona Pop, hat mit Blick auf das Flugchaos in Deutschland die Abschaffung des Vorkasse-Prinzips gefordert. «Die Probleme sind hausgemacht, vor allem von den Airlines. Es kann nicht sein, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher das nun ausbaden und für Flüge im Voraus bezahlen, die am Ende gar nicht stattfinden», sagte Pop dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Deswegen muss das Prinzip Vorkasse abgeschafft werden.»

Derzeit gäben die Verbraucher den Fluggesellschaften faktisch zinslose Kredite, «damit diese wieder finanziell liquide sind», kritisierte Pop. «Und das gerade jetzt in einer Zeit, in der Verbraucher ihr Geld selbst dringend benötigen.» Dieser Sommer habe «wieder einmal gezeigt, dass die Luftfahrtbranche keinen Vertrauensvorschuss verdient hat».

Fluggesellschaften verteidigen Vorteile des Systems

Der Bundesverband fordert unabhängig von der gegenwärtigen Lage bereits seit längerem, dass der Preis für Flüge und Pauschalreisen frühestens zum Zeitpunkt des Reiseantritts fällig werden sollte.

Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) hatte vor drei Wochen in einem Interview das in der Branche übliche Prinzip der Vorkasse infrage gestellt, sofern die Fluggesellschaften das für stornierte Flüge vorab gezahlte Geld nicht zügig erstatten. Noch setze sie darauf, dass die Unternehmen ihren Verpflichtungen nachkämen.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft wies am Samstag auf Vorteile des Vorkasse-Systems hin. Durch die Vorkasse könnten die Fluggesellschaften langfristig planen, eine hohe Auslastung der Flugzeuge erreichen und den Verbrauchern im Gegenzung preiswertete Tickets über Frühbucherrabatte anbieten. Die Ticketzahlungen seien über die EU-Fluggastrechte-Verordnung abgesichert.

© dpa
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