Bericht: Brexit-Folgen so schlimm wie befürchtet

01.04.2022 Seit Januar 2021 ist Großbritannien nicht mehr Mitglied von EU-Zollunion und Binnenmarkt. Ihre Brexit-Ziele hat die Regierung nicht erreicht. Ein Bericht legt zudem erschreckende Tendenzen nahe.

Der Brexit hat zu höheren Kosten geführt. © Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Angesichts des russischen Kriegs gegen die Ukraine fordern deutsche Wirtschaftsvertreter eine Nachverhandlung des Brexit-Vertrags.

«Angestrebt werden sollte ein noch stärker integriertes Europa inklusive Großbritannien, und das sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus sicherheitspolitischen Erwägungen», sagte der Bereichsvorstand der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, Andreas Glunz. «Daher muss jetzt auch eine Neuverhandlung des Handelsabkommens zwischen EU und Vereinigtem Königreich auf den Tisch und nicht nur eines transatlantischen Handelsabkommens «TTIP 2.0»», sagte Glunz mit Blick auf Bemühungen eines Vertrags mit den USA.

Folgen des Brexits

Ein Grund für die Forderungen sind die enormen Folgen des Brexits. Der britische EU-Austritt hat den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen erheblich geschadet, wie ein aktueller Bericht von KPMG und der Britischen Handelskammer in Deutschland (BCCG) zeigt. «Der Brexit hat im Jahr 2021 - wie befürchtet - zu signifikant höheren Kosten für Verwaltung, Logistik, Zölle, Finanzierung und IT-Anpassungen bei gleichzeitig gesunkenen Umsatzerlösen geführt», schreiben Glunz und BCCG-Präsident Michael Schmidt in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur in einer Vorabfassung vorlag.

Seit dem 1. Januar 2021 ist Großbritannien nicht mehr Mitglied der EU-Zollunion und des Binnenmarkts. Zwar sorgt ein in letzter Minute vereinbarter Vertrag weiterhin für weitgehend zollfreien Handel. Dennoch sind Handelshemmnisse entstanden, der Bürokratieaufwand ist groß.

Die Zahlen sind ernüchternd

Das Volumen des deutsch-britischen Außenhandels sank 2021 erstmals auf unter 100 Milliarden Euro, deutsche Exporte nach Großbritannien fielen seit 2015 um 27 Prozent. Im Gegensatz dazu legten weltweite Ausfuhren um 15 Prozent zu. An der Umfrage von BCCG und KPMG zum German-British Business Outlook, die vor dem russischen Angriff durchgeführt wurde, beteiligten sich zwar nur 69 Unternehmen. Tendenzen lassen sich dennoch erkennen.

So nimmt die Bedeutung des britischen Markts ab. Immer weniger Unternehmen erwirtschaften zwischen 20 und 50 Prozent ihres globalen Handelsvolumens in Großbritannien. Zudem erwartet mehr als die Hälfte der befragten Firmen, dass die britische Wirtschaft in fünf Jahren geschrumpft sein wird - für die EU und Deutschland erwartet dies hingegen nur ein Zehntel.

«Das zeigt, wie sehr der Brexit der britischen Reputation in der Wirtschaft geschadet hat», kommentierte der Außenhandelsexperte Marc Lehnfeld von der bundeseigenen Gesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI). Handelsbarrieren verlangsamten und verteuerten in der Tat den Warenaustausch. Die britische Wirtschaft wachse wegen des Brexits zwar langsamer, eine Schrumpfung erwartet Lehnfeld aber nicht. Es gebe weiterhin Absatzchancen, etwa bei Wasserstoff- und Offshorevorhaben oder bei Gigafactory-Projekten in der Autoindustrie.

Klar ist aber auch, dass die Brexit-Ziele, mit denen die konservative Regierung den EU-Austritt beworben hat, beileibe noch nicht erreicht sind, wie KPMG-Bereichsvorstand Glunz feststellt. Dazu zählen stärkere Autonomie, weniger Verwaltung, geringere Steuern und bessere bilaterale Handelsabkommen. «Auch das Vereinigte Königreich müsste ein großes Interesse an der Neuverhandlung eines echten Handelsabkommens mit ihrem immer noch größten Handelspartner EU haben», sagte er. Eine Änderung der aktuellen britischen Regierungsposition ist nach Ansicht von Experten aber nicht in Sicht. Im Gegenteil: Im Streit um Brexit-Regeln für Nordirland verhärten sich derzeit die Fronten zwischen London und Brüssel.

© dpa

Weitere News

Top News

Sport news

109. Tour de France: Lampaert überrascht zum Tour-Auftakt - Pogacar setzt Zeichen

Internet news & surftipps

Pressefreiheit: Türkei sperrt Webseite der Deutschen Welle

Reise

Etwa zehn Euro pro Person: Venedig verlangt ab 2023 von Tagestouristen Eintritt

Handy ratgeber & tests

Featured: Sony WH-1000XM5 vs. Sony WH-1000XM4: So hat Sony seine Kopfhörer verbessert

Das beste netz deutschlands

Gefahr für Kinder: Urlaubsfotos im Netz: Was Eltern beachten sollten

Tv & kino

Featured: Alien, Igel und Musiklegenden: Das sind Deine GigaTV-Highlights im Juli

Auto news

Ford SuperVan beim Festival of Speed: Express-Lieferung

Musik news

Musiker: Rocko Schamoni warnt vor «Artensterben in der Kultur»

Empfehlungen der Redaktion

Wirtschaft

Brexit: Deutscher Handel mit Großbritannien geht weiter zurück

Wirtschaft

Nach dem Brexit: London setzt Kontrollen für Waren aus Irland weiter aus

Ausland

Europa: Deutsch-britische Wirtschaft gegen Londoner Nordirland-Pläne

Ausland

Umfrage: Mehr als sechs von zehn Briten bewerten Brexit negativ

Ausland

Nordirland-Streit eskaliert: Großbritannien: Johnson will Brexit-Vertrag brechen

Wirtschaft

Umfrage: Brexit belastet zwei Drittel der britischen Industrie

Ausland

Gegenschlag: Nordirland-Streit: EU startet Verfahren gegen London

Handy ratgeber & tests

Trotz Brexits: Weiter keine Roaming-Kosten für Großbritannien-Reisende