Bauern wollen raus aus der Opferrolle

Der Krieg in der Ukraine macht den Landwirten schwer zu schaffen. Auf dem Bauerntag in Lübeck verabschieden sie eine Erklärung. Man wolle zurück in die Mitte der Gesellschaft, heißt es darin.
Lebensmittel, darunter Sonnenblumenöl und Getreideprodukte, liegen auf dem Kassenband. Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Agrarmärkte und die Lebensmittelpreise waren zentrale Themen auf dem Deutschen Bauerntag. © Hendrik Schmidt/dpa

Die Landwirte in Deutschland wollen sich trotz schwieriger Bedingungen nicht in eine Opferrolle drängen lassen. Die Bauern hätten es selbst in der Hand, die Dinge für die Landwirtschaft zum Besseren zu wenden, heißt es in einer Erklärung, die der 20. Deutsche Bauerntag zum Abschluss am Mittwoch in Lübeck verabschiedete.

Man wolle zurück in die Mitte der Gesellschaft, heißt es darin. «Gesellschaftlicher Wandel darf nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance für neue Geschäftsmodelle gesehen werden.» Landwirtschaftliches Unternehmertum werde immer vielfältiger und beschränke sich nicht auf bestimmte Betriebsgrößen oder allein auf das Wachstum des Betriebs. Die Erklärung wurde mit einer großen Mehrheit der 450 Delegierten angenommen.

Im Zeichen des Kriegs in der Ukraine

Der Bauerntag 2022 stand ganz im Zeichen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. «Wir tragen die Sanktionen gegen Russland mit, auch wenn unsere Bauernfamilien darunter leiden», sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Mittwoch. Der Krieg habe das Thema Ernährungssicherheit in neues Licht gerückt.

Bereits am Dienstag hatte Rukwied eine vorübergehende Nutzung zusätzlicher Flächen für den Weizenanbau gefordert. Dadurch könnten 1,4 Millionen Tonnen Weizen mehr erzeugt werden, sagte er. Zugleich bekräftigte er das Nein des Verbandes zu einer generellen Kehrtwende der Agrarpolitik. «Wir stehen weiter zum Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz», sagte der Bauernpräsident. Es gelte aber, Regelungen nachzujustieren.

Minister besteht weiter auf Artenvielfaltflächen

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) lehnte eine weitere Ausweitung der Getreideanbauflächen entschieden ab. Die ökologischen Vorrangflächen müssten als wertvollen Artenvielfaltsflächen erhalten bleiben, sagte Özdemir am Dienstag.

«Nur wenn wir schützen, was wir nutzen müssen, können wir unsere Ernährung dauerhaft und unabhängig sichern», sagte der Minister. Er hatte zuvor bereits ermöglicht, dass ausnahmsweise Gras und Pflanzen von «ökologischen Vorrangflächen» als Futter genutzt werden dürfen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betonte in einem schriftlichen Grußwort, dass nicht nur die Verbraucher sondern auch die Landwirte unter den gestiegenen Preisen für Lebensmittel, Kraftstoff und Düngemittel litten. Dazu komme, dass Inflationssorgen die Nachfrage änderten. «Uns erreichen Meldungen von Betrieben, die ihre Erdbeer- oder Spargelernten vernichten müssen, weil viele Menschen beim Einkauf mehr sparen», sagte Günther. Deshalb müssten Höfe jeder Größe in diesen unsicheren Zeiten gestärkt werden, heißt es in seinem Grußwort.

Der nächste Deutsche Bauerntag wird den Angaben zufolge in Münster stattfinden.

© dpa
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