Neuer Boom der deutschen Solarindustrie lockt Investoren an

19.05.2022 Bis zum Jahr 2030 soll Deutschland raus aus der Kohle. Bis dahin sollen 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen. Das beschert auch der totgesagten Solarindustrie einen Boom.

Ein Arbeiter montiert Photovoltaikmodule auf dem Dach eines Wohnhauses. Das Comeback der Solarbranche in Deutschland lockt Investoren an. © Marijan Murat/dpa

Vor zehn Jahren lag die Solarbranche in Deutschland noch am Boden. Billige Solar-Module aus Asien verdrängten die Produkte aus dem «Solar Valley» im einstigen Chemie-Dreieck der DDR.

Viele Firmen, die auch mit Hilfe von staatlichen Beihilfen entstanden waren, mussten Insolvenz anmelden oder wurden ins Ausland verkauft. Inzwischen sieht die Situation aber völlig anders aus. Das Geschäftsklima in der deutschen Solarwirtschaft ist so gut wie nie, weil unzählige Hauseigentümer vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und der Klimakrise auf eine Solaranlage zur Stromerzeugung oder als Heizsystem umsteigen wollen.

Start-up Zolar sammelt Millionen ein

Das Comeback der Solarbranche lockt auch die Investoren an. Jüngstes Beispiel ist das Berliner Start-up Zolar, das in einer Finanzierungsrunde gerade über 100 Millionen Euro einsammeln konnte. Das 2016 gegründete Unternehmen bietet einen digitalen Konfigurator an, mit dem Kunden sich die passende Photovoltaikanlage für ihr Eigenheim entweder kaufen oder mieten können. Die Module stammen aus Deutschland aber auch aus Südkorea oder China. Die Installation übernehmen dann lokale Handwerksbetriebe, die von Zolar vermittelt werden.

Mit dem frischen Kapital will Zolar-Gründer Alex Melzer unter anderem die App des Unternehmens um ein Energiemanagement-System erweitern, bei dem auch dynamische Stromtarife berücksichtigt werden. Dadurch soll das System beispielsweise erkennen, wann der günstigste Zeitpunkt für das Laden eines E-Autos gekommen ist und dann den Ladevorgang automatisch starten. Außerdem will Zolar die Zusammenarbeit mit den Installationsbetrieben ausweiten und zusätzliche Handwerker ausbilden.

50 Terawattstunden Solarstrom

Bundesweit gab es nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft Ende 2021 rund 2,2 Millionen Solaranlagen mit einer Leistung von zusammen 59 Gigawatt Peak - das ist die übliche Einheit für die maximale Leistung der Anlagen unter Standardbedingungen. Allein im vergangenen Jahr kamen 235.600 Anlagen hinzu. Insgesamt wurden 2021 laut Verband 50 Terawattstunden - also 50 Milliarden Kilowattstunden - Solarstrom in Deutschland erzeugt und damit netto zehn Prozent der öffentlichen Stromversorgung gedeckt.

Zolar-Gründer Melzer sieht für den Ausbau der Solarenergie eine Zukunft, die weit über diese Zahlen hinausgeht: «Unser Ziel ist es, bis 2030 zehn Millionen Haushalte in Europa entweder mit einer Solaranlage oder mit erneuerbarer Energie zu versorgen», sagte er.

Es gibt auch Hindernisse

Bei der Umsetzung dieser ambitionierten Ziele stoßen Zolar und die anderen Unternehmen der Branche allerdings auf Hindernisse. Zum einen gibt es derzeit gar nicht genügend Handwerker, die in der Lage sind, Solaranlagen zu installieren. Außerdem kämpft die Branche mit Schwierigkeiten in der Lieferkette.

Zwar wurden viele der zwischenzeitlich leerstehende Fabrikhallen im Solar Valley und an anderen Produktionsstandorten wieder in Betrieb genommen. Doch immer wieder sind wichtige Bauteile wie Wechselrichter oder Batteriespeicher nur schwer zu besorgen, berichtete der Fachverband Elektro- und Informationstechnik auf dem Fachportal haustec.de. Manchmal fehlen auch die Unterkonstruktionen aus Aluminium oder sogenannte Endklemmen. Und die für dynamische Stromtarife erforderlichen Smart Meter sind auch kaum verfügbar.

«Vor Engpässen in den weltweiten Lieferketten und bei Handwerkerkapazitäten infolge der Corona-Pandemie ist auch die Solarbranche nicht gefeit», sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, Carsten Körnig. Dennoch sei es der Branche nach Daten der Bundesnetzagentur im ersten Quartal 2022 gelungen, rund 30 Prozent mehr Solarstromanlagen zu installieren als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Da die Nachfrage nach Solaranlagen infolge des Angriffskrieges gegen die Ukraine in den letzten Wochen nochmals sprunghaft gestiegen sei, müssten sich Solartechnik-Interessenten derzeit teilweise auf längere Wartezeiten einstellen, sagte Körnig. «Wir sind zuversichtlich, dass sich die Liefersituation in den kommenden Monaten, spätestens aber im Verlauf des Jahres 2023 entspannen wird.»

Großer Player investiert im Solar Valley

Der große Nachfrage-Schub, der sich in Ansätzen schon 2019 abgezeichnet hat, bewegte auch den Branchenriesen Meyer-Burger dazu, im großen Stil im Solar Valley in Sachsen-Anhalt und Sachsen zu investieren. Vor einem Jahr errichtete der Schweizer Anlagenbauer für 145 Millionen Euro zwei neue Fabriken für Solarzellen und Module in Bitterfeld-Wolfen und in Freiberg.

Bei der Investition spielte auch eine Rolle, dass die höheren Löhne in Deutschland bei den Kosten nicht mehr entscheidend zu Buche schlagen, weil Maschinen einen erheblichen Teil der Arbeit erledigen. Trotzdem entstehen im Solar Valley dadurch viele neue Arbeitsplätze, allein bei Meyer-Burger bis zu 3500 Jobs.

Neue Technik

Photovoltaik «Made in Germany» wurde aber auch mit Hilfe von technologischen Innovationen wieder wettbewerbsfähig, etwa der Kombination der neuesten Solarzellen-Generation mit einer neuartigen Verbindungstechnik («Heterojunction/SmartWire»). Dadurch erhöhe sich die Leistung der eingesetzten Module deutlich, gleichzeitig würden Stromgestehungskosten, also die Kosten der Umwandlung, gesenkt, erklärte der Solarkonzern. Davon profitieren die Hauseigentümer unmittelbar.

Der technische Fortschritt und die gestiegene Nachfrage ermutigen auch andere deutsche Solarunternehmen, ihre Kapazitäten auszubauen. Zudem hat der Photovoltaik-Hersteller Solarwatt aus Dresden im vergangenen September die bislang größte europäische Produktionsanlage für sogenannte Glas-Glas-Solarmodule in Betrieb genommen.

© dpa

Weitere News

Top News

Fußball news

Paris Saint-Germain: Medien: Galtier wird als PSG-Trainer vorgestellt

Games news

Featured: Xbox Game Pass – Titelübersicht: Alle verfügbaren Spiele im Juli 2022 in der Liste

Auto news

Baujahr 2014 bis 2022: So schneidet der Toyota Aygo II beim Tüv Report ab

Gesundheit

Asexualität: Wenn Sex im Leben keine Rolle spielt

Games news

Featured: Atari wird 50: Spielesammlung mit 90 Titeln zum Jubiläum angekündigt

Tv & kino

Featured: tvOS 16: Diese Funktionen erscheinen im Herbst 2022 für Apple TV

Das beste netz deutschlands

Online-Vertrag: Worauf Sie beim Kündigungsbutton achten sollten

Das beste netz deutschlands

Featured: iPhone 12: So schaltest Du die Taschenlampe ein und aus

Empfehlungen der Redaktion

Wirtschaft

Jobmotor Solarindustrie? Unternehmen bauen Produktion aus

Wirtschaft

Wegen Ukraine-Krieg: Solarwirtschaft rechnet mit mehr Nachfrage

Wirtschaft

Solaranlagen: Viele Hauseigentümer liebäugeln mit Strom vom eigenen Dach

Wirtschaft

Energie: Solardach: Sehr wenige Gebäude des Bundes mit Photovoltaik

Wirtschaft

Parlament: Debatte um Ausbau der Solar-Stromproduktion in MV

Wirtschaft

Energiewende: Solarpflicht in Baden-Württemberg bietet große Potenziale

Regional thüringen

Energiewende: Run auf Finanzspritzen für Solaranlagen in Thüringen

Inland

Energie: Bundesministerien wollen Solar-Offensive auf dem Acker