Gas und Atom in der EU bald als klimafreundlich eingestuft

Am Ende fehlten die Stimmen im Europaparlament für ein Veto - die von der Kommission vorgeschlagene Taxonomie kann nun ihre letzte Hürde nehmen. Umweltschützer kritisieren das Vorhaben stark.
Wasserdampf steigt aus dem Kühlturm des Atomkraftwerks Isar 2 im bayerischen Essenbach. © Armin Weigel/dpa

Investitionen in bestimmte Gas- und Atomkraftwerke können in der EU wie erwartet ab Januar 2023 als klimafreundlich eingestuft werden.

Am Montag lief um Mitternacht eine Frist für die EU-Länder aus, um das umstrittene Finanzvorhaben noch zu stoppen. In der vergangenen Woche hatte das EU-Parlament gebilligt, Atomkraft und Gas unter Auflagen in die sogenannte Taxonomie aufzunehmen.

Das Klassifizierungssystem soll Unternehmen und Bürgern dabei helfen, klimafreundliche Projekte zu identifizieren und Geld dort zu investieren. Ziel ist es, den Kampf gegen Klimawandel voranzubringen. Umweltschützer hatten kritisiert, dass Gas- und Atomkraftwerke nicht umweltfreundlich seien.

Frankreich hatte Schlüsselrolle

Im vergangenen Jahr wurde bereits entschieden, unter anderem die Stromproduktion mit Solarpaneelen, Wasserkraft oder Windkraft als klimafreundlich einzustufen. Zudem wurden Kriterien für zahlreiche andere Wirtschaftsbereiche festgelegt.

Unter dem Druck einiger Mitgliedstaaten schlug die für Gesetzesvorschläge zuständige EU-Kommission dann Ende vergangenen Jahres vor, dass auch Geldanlagen in Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Bedingungen als klimafreundlich gelten sollen.

Eine entscheidende Rolle spielte dabei Frankreich, das in der Atomkraft eine Schlüsseltechnologie für eine CO2-freie Wirtschaft sieht und die Technik gerne auch weiter in andere Länder exportieren will. Deutschland setzte sich im Gegenzug für ein grünes Label für Gas als Übergangstechnologie ein.

Umweltschützer hatten das Vorhaben stark kritisiert, da Treibhausgase ausgestoßen werden, wenn Energie mit Erdgas erzeugt wird und bei Atomkraft der radioaktive Abfall und mögliche Unfälle als problematisch gelten.

Stichtag 1. Januar 2023

Um den Vorschlag zu verhindern, hätten sich mindestens 20 EU-Staaten zusammenschließen müssen, die mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der EU vertreten. Das kam bis zum Fristende am Montag nicht zustande, auch weil viele Staaten an der Nutzung von Kernkraft interessiert sind.

Sie erhoffen sich von der klimafreundlichen Einstufung, dass mehr Geld in den Ausbau von Atomkraftwerken fließt. Der sogenannte Rechtsakt zur Taxonomie tritt nun am 1. Januar kommenden Jahres in Kraft. Länder wie Österreich sowie Umweltorganisationen planen, dagegen zu klagen.

© dpa
Weitere News
Top News
Sport news
Weltmeisterschaft in China: Deutsches Tischtennis-Team hat Medaille sicher
Familie
Flucht aus dem Alltag: Messe Spiel'22: Brettspiele als Ventil für die Gesellschaft
People news
Schauspieler: Norman Reedus über seine Verlobung mit Diane Kruger
People news
Kriminalität: «Scrubs»-Produzent wegen Vergewaltigung angeklagt
Internet news & surftipps
Suchmaschine: Neeva macht Google mit werbefreier Suche Konkurrenz
People news
Schauspielerin: Iris Berben träumt von einer gerechteren Gesellschaft
Internet news & surftipps
Social Media: Überraschende Wende: Elon Musk will Twitter nun doch kaufen
Internet news & surftipps
E-Commerce: Auch Onlinehandel leidet unter schlechter Konsumstimmung
Empfehlungen der Redaktion
Inland
EU-Pläne: Deutschland stellt sich gegen grünes EU-Label für Atomkraft
Ausland
Europaparlament: Gegner von grünem EU-Label für Atom und Gas scheitern
Wirtschaft
Atom und Gas : Naturschützer wollen gegen «grüne» Einstufung klagen
Wirtschaft
Branchenexperte: Versicherer investieren wohl eher nicht in Atomkraft
Ausland
Energie: EU-Ausschüsse gegen grünes Finanzlabel für Gas und Atom
Wirtschaft
Umfrage: Trotz Inflation und Zinsflaute: Sparer bleiben Sparbuch treu
Job & geld
Nachhaltig investieren: Schub für «grüne» Anlagen in Finanzberatung?
Wirtschaft
Klima: Nachhaltige Finanzberatung: Schub für «grüne» Anlagen?