Theo Albrecht - Mit Billigpreisen zum Milliardär

21.03.2022 Mit der Erfindung des Discounters hat Aldi-Gründer Theo Albrecht den Lebensmittelhandel revolutioniert. Zum 100. Geburtstag des 2010 verstorbenen Unternehmers gewinnt die Geschäftsidee wieder an Relevanz.

Theo Albrecht hat den Lebensmitteleinkauf billiger gemacht und damit Milliarden verdient. Zusammen mit seinem Bruder Karl erfand der am 28. März 1922 in Essen geborene Aldi-Gründer den Lebensmittel-Discounter und lehrte Supermärkte das Fürchten.

Ausgerechnet zum 100. Geburtstag des 2010 verstorbenen Unternehmers könnte der von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg ausgelöste Inflationsschub der Jahrhundertidee der Brüder neuen Schub verleihen.

«In den nächsten Jahren wird der Preis beim Einkauf wieder eine viel größere Bedeutung haben», sagte Handelsexperte Frank Küver vom Marktforschungsunternehmen NielsenIQ der Deutschen Presse-Agentur. Das dürfte nach seiner Einschätzung dazu führen, dass die Discounter nach Jahren mit eher durchwachsenen Ergebnissen wieder Marktanteile gewinnen.

Mit Konventionen gebrochen

Als Karl und Theo Albrecht nach dem Zweiten Weltkrieg in Essen das elterliche Lebensmittelgeschäft übernahmen und Aldi (Albrecht Diskont) erfanden, brachen sie mit vielen damals im Lebensmittelhandel üblichen Konventionen. In den Aldi-Läden ging es spartanisch zu: Die Auswahl war klein und präsentiert wurde die Ware schmucklos in Kartons auf Paletten gestapelt unter kaltem Neonlicht. Markenartikel suchte man vergebens.

«Auf den ersten Blick wirkt die Idee - die Konzentration auf den Preis und auf möglichst effektive Abläufe - vielleicht nicht sonderlich spektakulär, aber in Verbindung mit dem Willen, das eigene Modell immer weiter zu verbessern, ist daraus etwas ganz Großes entstanden: ein ganz neues Ladenkonzept, das weltweit funktioniert», sagt Küver.

Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel sicherten sich Aldi, Lidl, Penny und Co. mit dem von den Albrechts erfundenen und dann immer weiter verfeinerten Discount-Modell einen Großteil des Marktes. Nach aktuellen Zahlen des Marktforschungsunternehmens GfK kamen die Discounter im vergangenen Jahr auf einen Marktanteil von fast 35 Prozent. Zum Vergleich: Auf Supermärkte entfielen knapp 30 Prozent des Geschäfts, auf SB-Warenhäuser 12 Prozent und auf den Fachhandel 15 Prozent der Umsätze. Den Rest teilten sich Drogeriemärkte und Online-Anbieter.

Weltweit überzeugend

Und auch weltweit konnten die Billiganbieter mit ihrem Konzept punkten. «Das Discount-Modell ist der größte Exporterfolg des deutschen Handels», sagte Küver. Egal ob in Frankreich, Italien den USA oder gar Australien - fast überall können Reisende aus Deutschland heute Filialen der einen oder anderen Discountketten finden. Der Lidl-Mutterkonzern, die Schwarz-Gruppe, ist dank der weltweiten Expansion seiner Discount-Tochter nach eine aktuellen Marktuntersuchung des Beratungsunternehmens Deloitte zum viertgrößten Einzelhändler der Welt aufgestiegen. Aldi folgt auf Rang 8.

Die Aldi-Brüder wurden mit ihrer Billig-Strategie zu Milliardären. Im Jahr 1961 teilten sie ihr Billig-Imperium auf. Theo Albrecht bekam Aldi Nord, Karl Albrecht Aldi Süd. Das «Manager Magazin» schätzte im vergangenen Jahr allein das Vermögen der Erben von Theo Albrecht auf rund 17,4 Milliarden Euro.

Allerdings lockte die Erfolgsgeschichte noch zu Lebzeiten von Theo Albrecht auch Verbrecher auf den Plan. Im Herbst 1971 wurde der Unternehmer entführt und kam erst nach 17 Tagen gegen ein Lösegeld in Millionenhöhe frei. Danach schirmte der ohnehin öffentlichkeitsscheue Milliardär sein Privatleben noch strikter von der Öffentlichkeit ab. Dem Erfolg des Konzerns tat das lange Zeit keinen Abbruch.

Herausforderung Corona

Die Corona-Pandemie erwies sich allerdings als Herausforderung für die Discounter. «Die Kunden wollten aus Angst vor einer Ansteckung möglichst alles in einem Laden einkaufen - und der Preis war dabei nicht mehr so wichtig», beschrieb Küver die Entwicklung. Dadurch verloren die Billiganbieter in den beiden Corona-Jahren spürbar Marktanteile an die Supermärkte mit ihrem viel größeren Angebot.

Doch die nächsten Jahre könnten nach Einschätzung von Küver ein «Wachstums-Comeback der Discounter» bringen. Auslöser dafür seien die durch die Pandemie und den Ukraine-Krieg verursachten spürbaren Preissteigerungen bei vielen Produkten des täglichen Bedarfs.

«Die hohen Inflationsraten im Moment haben das Potenzial, das Einkaufsverhalten genauso stark zu verändern, wie es zuvor Corona getan hat», meinte Küver. «Die Discounter könnten dadurch wieder Marktanteile gewinnen. Denn günstige Preise sind nun einmal ihre Kernkompetenz.»

© dpa

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