Joachim Nagel: Inflation über 4 Prozent wahrscheinlich

09.02.2022 Die Deutsche Bundesbank rechnet in diesem Jahr mit einem Anstieg der Inflation auf mehr als vier Prozent in Deutschland. Ihr neuer Präsident spricht sich für ein frühzeitiges Handeln der EZB aus.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel macht Verbrauchern in Deutschland einstweilen keine Hoffnung auf eine Entspannung an der Preisfront. © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild Pool/dpa

Der neue Bundesbank-Präsident Joachim Nagel macht Verbrauchern in Deutschland keine Hoffnung auf eine Entspannung an der Preisfront in diesem Jahr, im Gegenteil.

«Die Fachleute der Bundesbank halten es aus heutiger Sicht für wahrscheinlich, dass die Inflation im Jahresdurchschnitt 2022 in Deutschland deutlich über vier Prozent liegen wird», sagte Nagel laut Vorabbericht in einem Interview mit der Wochenzeitung «Die Zeit». Im vergangenen Jahr hatte die Teuerungsrate angeheizt von hohen Energiepreisen im Jahresschnitt bei 3,1 Prozent gelegen.

Der seit Anfang des Jahres amtierende Bundesbank-Präsident plädierte dafür, dass die Europäische Zentralbank (EZB) schnell auf die aktuell hohe Inflation reagiert. «Wenn sich das Bild bis März nicht ändern sollte, werde ich mich dafür aussprechen, die Geldpolitik zu normalisieren», sagte er. «Nach meiner Einschätzung sind die ökonomischen Kosten deutlich höher, wenn wir zu spät handeln, als wenn wir frühzeitig handeln.» Das zeigten auch Erfahrungen aus der Vergangenheit. «Später müssten wir nämlich kräftiger und in höherem Tempo die Zinsen anheben.»

Nagel stellte Zinserhöhungen möglicherweise noch in diesem Jahr in Aussicht. Zunächst müssten aber die Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen aufhören. «Der erste Schritt ist, die Nettoankäufe von Anleihen im Lauf des Jahres 2022 zu beenden. Dann könnten die Zinsen noch in diesem Jahr steigen», sagte er.

Geschwächte Kaufkraft

Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger kaufen können als zuvor. Zu Beginn des laufenden Jahres war die Inflation mit 4,9 Prozent unerwartet hoch ausgefallen nach 5,3 Prozent im Dezember.

Die Inflation ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der europäischen Währungshüter. Die Notenbank strebt eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent im Euroraum an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten zu akzeptieren. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer ultralockeren Geldpolitik die Teuerung anzuheizen, die sie eigentlich im Zaum halten will.

Nach der jüngsten geldpolitischen Sitzung hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde eingeräumt, dass auch bei Europas Währungshütern die Sorge angesichts der weiter unerwartet hohen Teuerungsraten wächst. Anhand neuer Daten will die EZB die Lage im März neu beurteilen.

© dpa

Weitere News

Top News

Sport news

Wimbledon: Sechs Deutsche raus und Drama-Niederlage für Williams

People news

Schauspieler: Tom Wlaschiha: lieber Italien als USA

People news

Medien: Darmkrebs: Erkrankte BBC-Moderatorin Deborah James gestorben

Internet news & surftipps

Games: Sony will mit neuer Marke PC-Gamer ansprechen

Internet news & surftipps

Umfrage: Zuverlässiges Internet wichtiger als schnelles Internet

Gesundheit

Imvanex: EU liefert Affenpocken-Impfstoff aus

Das beste netz deutschlands

Eigene Perspektive suchen: Tipps für unvergessliche Urlaubsfotos

Tv & kino

Featured: Last Night in Soho: Die Erklärung zum Mystery-Thriller

Empfehlungen der Redaktion

Wirtschaft

Bundesbank: Inflation könnte im Jahresschnitt 5 Prozent erreichen

Wirtschaft

Bundesbank-Präsident: Nagel: Bei Gefahren für Preisstabilität handeln

Wirtschaft

Konjunktur: EZB lässt Zeitpunkt für Zinserhöhung offen

Wirtschaft

Verbraucherpreise: Inflation bei 4,9 Prozent

Wirtschaft

Konjunktur: Hohe Inflation bereitet EZB zunehmend Sorge

Wirtschaft

Geldpolitik: EZB lässt Zinsen vorerst unverändert

Wirtschaft

Konjunktur: Inflation im Euroraum springt auf 7,5 Prozent

Wirtschaft

Rekordinflation: EZB-Vertreter senden Signale für Zinserhöhung im Juli