Bundesrichter: Beweislast für Überstunden bei Arbeitnehmern

04.05.2022 Zigtausend Überstunden werden täglich hinter Lenkrädern, an Werkbänken oder Schreibtischen geleistet. Über ihre Bezahlung wird oft gestritten. Die Regeln bei Klagen bleiben streng.

Ein Mitarbeiter hält für die Arbeitszeiterfassung seinen Chip an einen Zeiterfassungsterminal. © Sina Schuldt/dpa

Im Streit um die Bezahlung von Überstunden können Arbeitnehmer in Deutschland nicht auf ein vereinfachtes Verfahren hoffen.

Sie müssten bei Vergütungsansprüchen auch künftig darlegen, dass die Zahl an Überstunden notwendig, angeordnet, geduldet oder zumindest nachträglich vom Arbeitgeber gebilligt wurde, entschied das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch in einem Grundsatzurteil in Erfurt (5 AZR 359/21). An der Darlegungs- und Beweislast der Arbeitnehmer im Überstundenprozessen ändere das in Deutschland viel diskutierte Stechuhr-Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur täglichen Arbeitszeiterfassung nichts.

Das EuGH-Urteil ziele auf Arbeitsschutz durch Eindämmung ausufernder Arbeitszeiten und nicht auf Vergütungsansprüche der Arbeitnehmer, begründeten die höchsten deutschen Arbeitsrichter ihre Entscheidung. Sie bestätigten damit ihre bisherige Rechtsprechung bei Überstunden-Vergütungsklagen.

Der Europäische Gerichtshof hatte mit einem Urteil von Mai 2019 Arbeitgeber verpflichtet, die volle Arbeitszeit ihrer Beschäftigten täglich systematisch zu erfassen - quasi wie mit einer digitalen Stechuhr. Darauf berief sich ein Auslieferungsfahrer einer Einzelhandelsfirma aus Niedersachsen, der mit seiner Klage nicht genommene Pausen als Überstunden bezahlt haben wollte. Er argumentierte, die technische Erfassung seiner Arbeitszeit reiche aus, um Überstunden zu dokumentieren.

«Eine reine Kommen-und-Gehen-Erfassung ist ein bisschen wenig als Argument», sagte der Vorsitzende Richter Rüdiger Linck in der Verhandlung. Der Kläger sei eine Begründung schuldig geblieben, warum die Überstunden von ihm geleistet werden mussten und keine Pausen möglich gewesen seien. «Die Behauptung, es ging nicht anders, reicht nicht aus.» Linck verwies darauf, dass Arbeit eine weisungsgebundene Tätigkeit ist.

Der Mann hatte mit seiner Klage, bei der es um rund 5223 Euro ging, weder beim Landesarbeitsgericht Niedersachsen noch in der höchsten Instanz Erfolg. Der Fall hatte für Furore gesorgt, weil das Arbeitsgericht Emden als erste Instanz eine Anpassung der Darlegungs- und Beweislast nach dem Stechuhr-Urteil des EuGH bejaht hatte.

Jährlich viele Millionen Überstunden

In der Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts heißt es, Arbeitnehmer müssten zur Begründung einer Klage auf Überstundenvergütung darlegen, dass sie «Arbeit in einem die Normalarbeitszeit übersteigenden Umfang geleistet oder sich auf Weisung des Arbeitgebers hierzu bereitgehalten» haben. Da Arbeitgeber Vergütung nur für von ihnen veranlasste Überstunden zahlen müssten, sei deutlich zu machen, dass diese «ausdrücklich oder konkludent angeordnet, geduldet oder nachträglich gebilligt» wurden. Der Anwalt des beklagten Handelsunternehmens machte zudem geltend, dass das Stechuhr-Urteil des EuGH bisher nicht in deutsches Recht umgesetzt worden sei.

In Deutschland fallen nach Gewerkschaftsangaben jährlich viele Millionen Überstunden an. Ihre Bezahlung beschäftigt immer wieder die Arbeitsgerichte.

© dpa

Weitere News

Top News

Tv & kino

Featured: Obi-Wan Kenobi Staffel 2: Das ist die Bedingung für die Fortsetzung

1. bundesliga

Borussia Dortmund: Hummels voller Tatendrang: «Ich habe mir viel vorgenommen»

Tv & kino

Netflix: Cameron Diaz plant Comeback mit Jamie Foxx

Gesundheit

Ab1. Juli: Kasse zahlt nun Trisomie-Test bei Schwangeren

People news

Entertainer: Gottschalk: Junge Generation so ängstlich auf Erfolg bedacht

Internet news & surftipps

Smartphone-Nutzung: Scrollen auf dem Klo: Trend zum Toilettengang mit Handy

Auto news

Citroën e-C4 X : Aber bitte mit Stufe

Das beste netz deutschlands

Featured: Instagram: Untertitel einschalten und deaktivieren – So geht’s

Empfehlungen der Redaktion

Job & geld

Bundesarbeitsgericht: Beweislast für Überstunden liegt bei Arbeitnehmern

Regional niedersachsen & bremen

Bundesarbeitsgericht: Urteil: Beweislast bei Überstunden trägt Arbeitnehmer

Regional thüringen

Bundesarbeitsgericht: Urteil zum Dauerstreit um Überstundenbezahlung erwartet

Job & geld

Bares für Mehrarbeit: Überstunden detailliert auflisten

Job & geld

Schutz und Kontrollinstanz: Zweischneidiges Schwert? Die Zeiterfassung am Arbeitsplatz

Regional thüringen

Grundsatzurteil: BAG: Arbeitgeber können Corona-Tests anordnen

Wirtschaft

Urteil: Arbeit und Gehalt nur nach Corona-Test

Job & geld

Bundesarbeitsgericht: Urteil: Arbeitgeber können Corona-Tests anordnen