New Yorker Aktienmarkt: Die Furcht vor den Zinsen

Erst ist die Stimmung noch gut, die Quartalszahlen vieler großer US-Konzerne bieten positive Aussichten. Doch dann geht es an der Wall Street bergab.
Ist die Angst vor einem Zinsanstieg zu groß? An der Wall Street ging es gestern bergab. © Mark Lennihan/AP/dpa

Die Furcht der Anleger vor deutlich steigenden Zinsen hat am Donnerstag die anfangs noch gute Stimmung am New Yorker Aktienmarkt gekippt. Positiv aufgenommene Quartalszahlen großer US-Unternehmen gerieten so rasch in den Hintergrund.

Der Leitindex Dow Jones Industrial verlor 1,05 Prozent auf 34.792,76 Punkte. Der marktbreite S&P 500 sank um 1,48 Prozent auf 4393,66 Punkte. Der technologielastige Nasdaq 100 rutschte um 1,99 Prozent auf 13.720,45 Zähler ab. Wachstumsstarke Technologiekonzerne leiden unter steigenden Zinsen besonders.

Marktteilnehmer verwiesen auf Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell, der über einen großen Zinsschritt auf der nächsten Sitzung der Fed Anfang Mai sprach. Eine Anhebung des Leitzinses um 0,50 Prozentpunkte liege auf dem Tisch, so Powell. Über einen großen Zinsschritt wurde am Markt jüngst immer wieder spekuliert. Die Notenbank würde damit ihre Geldpolitik noch zügiger straffen. Hintergrund ist die hohe Inflation. Anleger sorgen sich allerdings, dass eine zu schnelle Straffung das Wirtschaftswachstum gefährden könnte.

Nach dem Netflix-Schock zur Wochenmitte interessierten sich am Donnerstag die Anleger besonders für die Quartalszahlen des Elektroautobauers Tesla, der mit weiteren Umsatz- und Gewinnrekorden begeisterte. Die Aktien gewannen anfangs prozentual zweistellig, am Ende des Tages blieb ein Plus von 3,2 Prozent.

Netflix hingegen büßten nach ihrem 35-prozentigen Kurseinbruch vom Vortag nochmals 3,5 Prozent ein. Andere Techwerte ließen ebenfalls Federn. Die Titel des Facebook-Konzerns Meta beispielsweise und jene des Grafikchip-Herstellers Nvidia rutschten um jeweils mehr als sechs Prozent ab.

Fluggesellschaften erging es besser, vor allem United Airlines mit plus 9,3 Prozent. Ungeachtet tiefroter Zahlen zum Jahresstart rechnet das Unternehmen zum Sommer hin mit einer starken Erholung des Geschäfts. Die Nachfrage boome so stark, dass im laufenden Quartal nicht nur eine Rückkehr in die Gewinnzone, sondern sogar Rekordumsätze zu erwarten seien. Um 3,8 Prozent bergauf ging es für die Papiere von American Airlines, die mit ihrem Ausblick ebenfalls Anlegervertrauen gewannen.

Bei AT&T freuten sich die Anleger über einen Kursanstieg von vier Prozent, nachdem der Telekomkonzern im ersten Quartal deutlich mehr Neukunden gewonnen hatte als von Analysten erwartet.

Der Chemiekonzern Dow Inc meldete für das abgelaufene Quartal trotz gestiegener Energiepreise einen Umsatz- und Gewinnsprung. Die Aktien erreichten im Verlauf ein Rekordhoch, zum Schluss gewannen sie an der Spitze im Leitindex Dow Jones noch 2,9 Prozent.

Der Euro wurde nach dem US-Börsenschluss zu 1,0837 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,0887 (Mittwoch: 1,0830) Dollar festgesetzt, der Dollar damit 0,9185 (0,9234) Euro gekostet.

Am US-Rentenmarkt fiel der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) um 0,54 Prozent auf 118,86 Punkte. Die Rendite für zehnjährige Staatspapiere stieg auf 2,89 Prozent, blieb damit aber unter ihrem am Mittwoch bei 2,98 Prozent erreichten Höchststand seit Ende 2018.

© dpa
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