«Wir merken, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt»

Bäcker und Metzger sind vergleichsweise gut durch die Corona-Krise gekommen. Jetzt bereiten die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs Sorgen, nicht nur wegen der hohen Energiepreise.
Ein Bäcker formt am Morgen in einer Brandenburger Backstube den Teig für Kürbiskernbrötchen. © Soeren Stache/dpa

Die Kosten steigen und viele Verbraucher drehen angesichts rekordverdächtiger Teuerungsraten den Euro zweimal um: Das bekommen auch der Bäcker und Metzger zu spüren.

«Wir merken, dass das Geld nicht mehr so locker sitzt», sagt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider. «Vor allem beim kleinen Luxus wie Torten halten sich Verbraucher derzeit zurück.» Auch Metzger berichten, dass Kunden etwas weniger und etwas günstiger einkaufen.

Nach einer Umfrage im Auftrag des Handelsverbandes Deutschland (HDE) hat inzwischen mehr als ein Viertel der Bevölkerung (27 Prozent) große Angst, mit dem Geld nicht mehr auszukommen. Die Folge: Das Einkaufsverhalten vieler Verbraucherinnen und Verbraucher hat sich in den vergangenen Monaten spürbar verändert. «Die steigende Inflation schmälert die Kaufkraft der Kundinnen und Kunden massiv», sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth jüngst.

Mehl bis zu 70 Prozent teurer

Zugleich belasten Energiepreissprünge und anderweitig gestiegene Kosten die beiden großen Zweige des deutschen Lebensmittelhandwerks. Mehl sei teilweise bis zu 70 Prozent teurer geworden, berichtet Schneider. Insgesamt seien die Produktionskosten im Schnitt um bis zu 30 Prozent gestiegen im Vergleich zu der Zeit vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. «Es wird derzeit mit sehr spitzer Feder kalkuliert. Die Bäckereien können die Preissteigerungen wegen der sinkenden Kaufkraft der Verbraucher nicht komplett an die Kundinnen und Kunden weitergeben.»

Auf viele Betriebe kommen wegen der Gaskrise infolge des Ukraine-Krieges weitere Belastungen zu. Geschätzt werden mehr als die Hälfte der Öfen in Bäckereien mit Gas betrieben. «Eine Umstellung auf Strom bedeutet erhebliche Zusatzkosten, könnte aber im Fall des Gasmangels den Betrieb aufrechterhalten», sagt Schneider.

Blaues Auge in Corona-Pandemie

Droht jetzt ein Bäckerei-Sterben? Schneider geht nicht davon aus. Zwar hätten viele Betriebe, die Cafés betreiben und wegen der vergangenen Corona-Beschränkungen Einbußen hatten, wenig finanziellen Puffer. «Viele Betriebe sind aber gut aufgestellt und werden auch die aktuelle Energie-Krise meistern», ist er überzeugt.

Aus der Corona-Krise ist das Bäckerhandwerk nach seinen Angaben «mit einem blauen Auge gekommen, auch dank staatlicher Hilfen». Der Gesamtumsatz stieg im vergangenen Jahr leicht auf 14,89 Milliarden Euro nach 14,45 Milliarden 2020. Im Vorkrisenjahr 2019 waren es allerdings noch 15,22 Milliarden Euro.

Auch Metzger berichten, dass Kunden etwas weniger und etwas günstiger einkaufen. «Unser Geschäft ist allerdings stark von Stammkunden geprägt, wir spüren noch keine Abwanderung zum Discounter», sagt Reinhard von Stoutz aus der Geschäftsleitung des Deutschen Fleischer-Verbandes. Der Betrieb einer Fleischerei ist wegen der großen Kühl- und Erhitzungsanlagen nach seinen Angaben besonders energieintensiv.

Geschätzt wird im Schnitt zu etwa zwei Drittel Strom eingesetzt, ein Drittel sind Gas und Öl. «Die ganze Kette der gestiegenen Kosten ist inzwischen bei uns angekommen von höheren Preisen beispielsweise für Gewürze bis zur Energie», sagt Stoutz. Das werde in die Kalkulation der Betriebe einfließen müssen.

Catering litt besonders

Im vergangenen Jahr sank der Gesamtumsatz im Fleischerhandwerk den Angaben zufolge auf 17,06 Milliarden Euro nach 17,57 Milliarden ein Jahr zuvor. Pro Metzgerei blieb er angesichts weiter sinkender Betriebszahlen aber in etwa gleich.

Vor allem das Catering litt unter der Absage von Festen und Veranstaltungen wegen der Pandemie. Dieses Geschäft ist nach dem Ende der Corona-Beschränkungen wieder kräftig in Schwung gekommen. Das Problem: Es fehlt an Arbeitskräften «Catering ist sehr personalintensiv, da hakt es im Moment teilweise.» Stoutz erwartet, dass sich der Fachkräftemangel noch verschärfen wird, «er führt bereits zu ersten Filialschließungen».

© dpa
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