«Greenwashing»-Vorwürfe: Durchsuchungen bei DWS

31.05.2022 Seit Monaten gibt es Vorwürfe, nun sind Staatsanwaltschaft, Polizei und Finanzaufsicht aktiv geworden: Sie nahmen Büros der Fondsgesellschaft DWS und des Mutterkonzerns Deutsche Bank unter die Lupe.

Nach Ermittler-Angaben geht es bei den Maßnahmen um den Verdacht des Kapitalanlagebetrugs: «Das Verfahren richtet sich gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS.» © Arne Dedert/dpa

Der Deutsche-Bank-Konzern hat erneut Ärger mit der Justiz: Am Dienstag durchsuchten Ermittler Räume in der Zentrale des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt sowie im benachbarten Gebäude der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS.

Beteiligt waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft etwa 50 Einsatzkräfte von Staatsanwaltschaft, Finanzaufsicht Bafin und Bundeskriminalamt (BKA). Nach Angaben einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft geht es um Verdacht des Kapitalanlagebetrugs. «Das Verfahren richtet sich gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS.» Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Behörde seit Mitte Januar 2022. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Durchsuchungen berichtet.

Hintergrund der Maßnahme sind seit Monaten kursierende «Greenwashing»-Vorwürfe gegen die DWS. Demnach soll der Vermögensverwalter Angaben zu Nachhaltigkeitskriterien zu hoch angesetzt haben und bei Themen wie Umwelt- und Klimaschutz in Wahrheit nicht so weit fortgeschritten sein wie angegeben. Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen im vergangenen Jahr die frühere Nachhaltigkeitsbeauftragte der DWS, Desiree Fixler.

Vorwurf des Prospektbetrugs

«Verfahrensauslösend waren Berichte in den internationalen und nationalen Medien, wonach der Vermögensverwalter DWS bei der Vermarktung von sogenannten grünen Finanzprodukten (ESG-Produkte) diese Finanzprodukte «grüner» bzw. «nachhaltiger» verkauft habe, als sie tatsächlich sind, erklärte die Staatsanwaltschaft. «Nach Prüfung haben sich zureichende tatsächliche Anhaltspunkte ergeben, dass entgegen der Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds ESG-Faktoren nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind, in einer Vielzahl von Beteiligungen jedoch keinerlei Beachtung gefunden haben.» Damit steht der Vorwurf des Prospektbetrugs im Raum. Die Abkürzung ESG steht für «Environment, Social, Governance», auf Deutsch: Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung.

Ein Sprecher der DWS bestätigte die Durchsuchungen und bekräftigte auf Anfrage: «Wir haben in dieser Angelegenheit kontinuierlich und umfassend mit allen relevanten Regulierungsbehörden zusammengearbeitet und werden dies auch weiterhin tun.» Die DWS hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Die Deutsche Bank verwies auf die Stellungnahme der DWS und teilte zudem schriftlich mit: «Die Maßnahmen der Staatsanwaltschaft richten sich gegen Unbekannt im Zusammenhang mit Greenwashing-Vorwürfen, die gegen die DWS erhoben wurden.»

Erst Ende April hatten Ermittler in der Zentrale der Deutschen Bank nach Beweisen im Zusammenhang mit möglicherweise zu spät abgegebenen Geldwäscheverdachtsanzeigen des Instituts gesucht.

© dpa

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