Frankreich will Stromkonzern ganz übernehmen

Frankreich will unabhängiger im Energiebereich werden - und setzt dabei anders als Deutschland auf die Atomkraft. Pläne zur geplanten Verstaatlichung des Stromkonzerns EDF hängen aber auch vom Parlament ab.
Ein Schild des französischen Stromkonzerns EdF (Electricite de France) vor dem Umspannwerk eines Wasserkraftwerkes der EdF bei Neuf-Brisach im Elsaß, aufgenommen am 07.02.2007. © picture alliance / dpa

Um den Ausbau der Atomkraft voranzutreiben, will Frankreich für die vollständige Übernahme des nationalen Stromkonzerns EDF 9,7 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Das Wirtschaftsministerium teilte am Dienstag in Paris mit, der Staat wolle Aktien für 12 Euro das Stück aufkaufen.

Frankreichs beigeordneter Minister für öffentliche Finanzen, Gabriel Attal, sagte dem Sender France Info, die Verstaatlichung werde massive Investitionen im Atombereich ermöglichen. Der französische Präsident Emmanuel Macron will den Nuklearsektor im Land entschieden ausbauen, um Energiesicherheit zu gewährleisten und der CO2-Neutralität näher zu kommen. Dafür sollen auch Meiler einer neuen Generation entstehen.

Frankreich setzt mit dem Ausbau der Atomkraft auf einen anderen Weg als Deutschland. In Deutschland sollen die letzten drei noch verbliebenen Atomkraftwerke Ende des Jahres vom Netz gehen. Allerdings läuft derzeit eine Debatte, die Laufzeiten der Atomkraftwerke angesichts der Gaskrise zu verlängern. Generell setzt Deutschland vor allem darauf, die erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne massiv auszubauen. Damit sollen zum einen Klimaziele erreicht werden. Deutschland will aber auch weniger abhängig von fossilen Energien wie russischem Gas werden.

15,9 Prozent fehlen noch

In Frankreich hatte Premierministerin Élisabeth Borne vor rund zwei Wochen bestätigt, dass der Staat den verschuldeten Konzern EDF wieder komplett nationalisieren wolle. Schon jetzt befindet sich EDF überwiegend in Staatshand. Bei dem Kaufangebot geht es laut Wirtschaftsministerium um die verbleibenden 15,9 Prozent der Aktien und 60 Prozent der Schuldverschreibungen.

Bereits Anfang September möchte Frankreich das Angebot bei der nationalen Finanzmarktaufsicht einreichen. Dafür müssen aber zunächst die zusätzlich benötigten Haushaltsmittel vom Parlament gebilligt werden. Das Gesetz zum Nachtragshaushalt wird diese Woche in der Nationalversammlung diskutiert.

Das Mitte-Lager der Regierung und von Präsident Macron hatte in der Kammer bei der Parlamentswahl vor einem Monat die absolute Mehrheit verloren. Sie brauchen nun für ihre Vorhaben Stimmen der Opposition. Dies erwies sich bisher als schwieriger als von der Regierung erhofft. Bei der ersten Abstimmung über ein Gesetzesvorhaben in dieser Legislaturperiode erlitt die Regierung eine Niederlage. Das Vorhaben zum Schutz vor dem Coronavirus ging in erster Lesung zwar durch, doch die Abgeordneten ließen zentrale Teile streichen.

Dem Wirtschaftsministerium zufolge soll es, wenn nötig, für die Verstaatlichung auch ein sogenanntes Squeeze-Out geben. Bei einem Squeeze-Out werden Kleinaktionäre aus einer Aktiengesellschaft herausgedrängt. Wie der Name schon andeutet, kann dies auch gegen ihren Willen geschehen. Allerdings erhalten sie eine angemessene Barabfindung.

Laut der Zeitung «Le Monde» will Colette Neuville von der Vereinigung zur Verteidigung von Minderheitenaktionären sich dafür einsetzen, dass der Staat die 32 Euro pro Aktie zahlt, die einige beim Börsengang investiert hätten. Der Kurssturz sei zu einem sehr großen Teil auf Entscheidungen zurückzuführen, die der Staat im Interesse der Allgemeinheit getroffen habe, zitierte sie das Blatt.

© dpa
Weitere News
Top News
Sport news
Titelrennen in Tschechien: Zeidler gewinnt Einer-Gold bei Ruder-WM
Tv & kino
Verstorbene Schauspielerin: Tod von Louise Fletcher: «Eine der absolut Größten»
People news
Erich-Kästner-Preis: Teresa Enke für Entstigmatisierung von Depression geehrt
Tv & kino
Herbig-Film über Fall Relotius: Bully: «Ich konnte mir die Flunkerei einfach nicht merken»
Internet news & surftipps
Energie: IT-Systeme des Bundes weiterhin nicht umweltfreundlich
Handy ratgeber & tests
Featured: watchOS 9: Diese Neuerungen bringt das Apple-Watch-Update mit
Mode & beauty
Klare Kante: Mailänder Fashion Week: Etros Neuer überzeugt beim Debüt
Auto news
Knappe Lkw : Transportbranche beklagt lange Lieferzeiten
Empfehlungen der Redaktion
Ausland
Energiekrise: Atomkraft-Flaute in Frankreich bereitet Berlin Sorge
Inland
Energie: Dürr: Atom-Laufzeitverlängerung auch Frage der Solidarität
Wirtschaft
Mehr Aufträge: Roboterbauer Kuka nach Corona-Delle: Hoher Auftragseingang
Wirtschaft
Steigende Energiekosten: Britischer Versorger warnt vor «katastrophalem Winter»
Wirtschaft
Energiekrise: Bund übernimmt Uniper - Gasumlage soll vorerst bleiben
Inland
Atomkraft: Widerstand gegen Weiterbetrieb der Kernkraftwerke bröckelt
Inland
Energiekrise: Linke fordert Stopp von Stromexporten
Ausland
Wahlen: Gemischte Gefühle in Berlin und Brüssel vor Frankreichwahl