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Experten: Wasserkreislauf der Erde aus dem Gleichgewicht

Laut einem Bericht haben mindestens 40 Prozent der Weltbevölkerung mindestens einen Monat pro Jahr nicht ausreichend Trinkwasser zur Verfügung. Das schreibt die WMO in einem Bericht.
Wasserkreislauf
Der Wasserkreislauf der Erde gerät aus dem Gleichgewicht. Welche Faktoren verursachen das? © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Wasserkreislauf der Erde gerät nach einem Bericht der Weltwetterorganisation (WMO) infolge des Klimawandels und menschlicher Aktivitäten aus dem Gleichgewicht. «Wir haben global weniger Wasser in Reservoiren und wir haben Grundwasser verloren», sagte WMO-Chef Petteri Taalas am Donnerstag in Genf. Quantifizieren lasse sich das noch nicht. Verwertbare Daten über die Wasserreserven liegen nach Angaben der WMO erst seit 2002 vor. Seitdem geht der Trend abwärts, geht aus dem Bericht «Zustand der globalen Wasserressourcen 2022» hervor.

Wichtig sei es, das Wassermanagement zu verbessern, sagte Stefan Uhlenbrook, Direktor der WMO-Abteilung für Wasser und Kryosphäre, womit die mit Eis bedeckten Flächen gemeint sind. 70 Prozent des Wassers entfalle auf die Landwirtschaft. Dort müsse sparsamer bewässert werden. «Es gibt kein Patentrezept, um das Problem zu lösen», sagte Uhlenbrook. Auch Entsalzung von Meerwasser gehöre dazu, aber das brauche viel Energie, und die Abwässer aus solchen Entsalzungsanlagen dürften die Umwelt nicht zusätzlich belasten.

Nur rund zwölf Prozent der Wasserressourcen werden als Trinkwasser verbraucht, sagte Uhlenbrook. In dem Bericht verweist die WMO darauf, dass weltweit 3,6 Milliarden Menschen - mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung - mindestens einen Monat im Jahr nicht genügend Trinkwasser zur Verfügung haben. Die Zahl werde bis 2050 auf mehr als fünf Milliarden Menschen steigen.

Steigende Temperaturen stören den Wasserkreislauf

In den meisten Fällen sei es 2022 bei Flüssen und Stauseen trockener gewesen als im langjährigen Mittel. Ähnlich sei die Lage bei der Verdunstung von Wasser aus Tier- und Pflanzenwelt sowie von Boden- und Wasseroberflächen gewesen. Europa habe im Sommer eine erhöhte Verdunstung und geringere Bodenfeuchtigkeit erlebt, bedingt durch die Trockenheit. Vielerorts kam es zu Dürren und tiefen Wasserständen: In den USA und am Horn von Afrika, ebenso an der Donau, am Rhein und am Yangtze in China, während das Flussgebiet des Indus in Pakistan extreme Überschwemmungen erlebte.

Der Schnee in den Alpen, in den Anden in Südamerika und anderen hochgelegenen Gebieten blieb unter dem langjährigen Mittel, was den Abfluss in Flüsse beeinträchtigte, heißt es in dem Bericht weiter. «Die Gletscher und die Eisdecke ziehen sich vor unseren Augen zurück», sagte WMO-Chef Petteri Taalas. «Steigende Temperaturen haben den Wasserkreislauf beschleunigt - und auch gestört. Eine wärmere Atmosphäre speichert mehr Feuchtigkeit. Es kommt zu viel stärkeren Niederschlägen und Überschwemmungen. Und im entgegengesetzten Extrem gibt es mehr Verdunstung, trockene Böden und intensivere Dürren.»

Die WMO stellt aber fest, dass es nach wie vor viel zu wenig Messungen und präzise Daten zum Beispiel über Grundwasser-Reservoirs oder Feuchtigkeit in Böden gebe. Sie rief die Länder auf, dies dringend zu verbessern, um Frühwarnungen zu geben und besseres Wassermanagement einzuführen.

© dpa
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