Viel Kritik vor dem Schulstart: Testpflicht für Schüler gilt

07.11.2021 Am Montag kehren Thüringens Schüler nach zwei Wochen Herbstferien zurück in die Klassenzimmer. Dort erwarten sie neue Regeln - und alte Probleme.

Schwamm und Kreide liegen in einem Klassenraum unter einer Tafel. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Thüringer Schulen sind nach Ansicht mehrerer Akteure schlecht für den Corona-Winter gerüstet. Außer Testungen und einer Lüftungsempfehlung sei nichts an den Schulen geschehen, bemängelte etwa der Thüringer Philologenverband vor dem Schulstart nach den Herbstferien am Montag. In den meisten Schulen gebe es keine Luftfilter, Plexiglasscheiben fehlten und Handwaschbecken seien nicht in jedem Raum vorhanden. Eltern- und Schülervertreter kritisierten zudem, dass nach wie vor digitale Ausstattung und Konzepte für hybride Formate fehlten.

Schülerinnen und Schüler müssen sich nach den Herbstferien landesweit auf eine Testpflicht einstellen. Grund ist, dass seit Samstag alle Thüringer Kommunen in der Warnstufe drei des Thüringer Frühwarnsystems sind. Schüler müssen sich dann wieder zweimal pro Woche an der Schule testen oder einen Nachweis über Impfung, Genesung oder Test von zu Hause mitbringen. Wer dies verweigere, dem drohe ein Bußgeld und er müsse in separaten Lerngruppen unterrichtet werden, hieß es vom Ministerium. Genügend Tests für die Schulen seien vorhanden. So seien Ende der Woche 770.000 verspätete Tests aus China angekommen und würden verteilt.

«Der Schulstart nach den Ferien wird unseren Kindern und Familien schon wieder verhagelt», sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag, Mario Voigt. Die Landesregierung habe aus dem Jahr 2020 nichts gelernt und auch in diesem Sommer nicht für den Winter vorgesorgt. Außerdem hätte man früher auf verpflichtende Tests an Schulen setzen müssen. In der Warnstufe zwei des Thüringer Warnsystems hatte lediglich ein verbindliches Testangebot gegolten. Wer sich dem verweigerte, sollte in abgetrennten Lerngruppen unterrichtet werden. Nach Angaben der Landeselternvertretung habe das aber wegen fehlender Lehrkräfte oft nicht funktioniert.

Außerdem gilt ab Montag in allen Landkreisen und Städten eine Maskenpflicht für Grundschüler - auch am Sitzplatz. Vorher hatte das in Kommunen der Stufe zwei nur für Schüler der Sekundar- und Berufsschulen gegolten, sowie für Schüler der Primarstufe ohne Nachweis oder Test in der Schule. Über diese Regelung müsse zumindest in einem bestimmten Fall noch einmal diskutiert werden, hieß es von der Landeselternvertretung: «Es wäre schon sinnvoll, wenn in Klassen mit einem Lüftungsgerät die Maskenpflicht entfallen würde», sagte eine Sprecherin.

Eltern- und Schülervertreter kritisierten zudem, dass nach wie vor nicht digitale Ausstattung für möglichen Distanzunterricht vorhanden ist und Konzepte für hybride Formate fehlten. Viele Schulen hätten sich wieder auf Präsenzunterricht eingestellt und keine Online-Kurse angelegt, hieß es von der Landeselternvertretung. Nach den Herbstferien seien aber wieder mehr Quarantäne-Fälle erwartbar. Man werde wieder sehen, dass Klassen teils im Distanzunterricht unterrichtet werden müssten.

«Wir bemängeln, dass es immer noch keine belastbaren Konzepte gibt, wie man flächendeckend flexibel mit Hybridunterricht umgehen kann», sagte sie. Die Klassenräume seien etwa nicht so ausgestattet, dass Lehrer sofort ein funktionierendes System vorfinden. Außerdem seien auch etliche Schulen noch nicht ans schnelle Internet angeschlossen.

Da hilft aus Sicht des Philologenverbands - der als Gewerkschaft für die Gymnasiallehrer spricht - auch nicht der Anschluss an die Thüringer Schulcloud. Schüler könnten wegen schlechten Internets oder nicht vorhandenem W-Lan in den Klassenräumen den Unterricht oft nicht von zu Hause verfolgen. Weil Dienstgeräte weiter auf sich warten ließen, seien Lehrer in Vorleistung gegangen und hätten sich selbst Geräte beschafft.

Auch aus Sicht der Schüler fehlt es weiterhin an digitalen Endgeräten. Hier seien die Schulen oder das Land in der Pflicht, jeden Schüler mit einem geeigneten Gerät auszustatten, sagte Landesschülersprecherin Lotta Moraweck dem MDR. «Ich würde es nicht richtig finden, das an die Eltern abzugeben, dass es jeder sich selber beschaffen soll.» Auch mangelnde Medienkompetenz einiger Lehrer sei ein Hemmnis - viele bevorzugten nach wie vor mit Kreide geschriebene Tafelbilder.

© dpa-infocom GmbH

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