Thüringer Arbeitsmarkt lässt Corona-Krise hinter sich

28.10.2021 Die Situation auf dem Thüringer Arbeitsmarkt verbessert sich weiter - aber nicht für alle. Menschen, die mehr als ein Jahr aus dem Job sind, haben es schwerer als andere.

Eine Frau arbeitet im Homeoffice. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Herbstbelebung auf dem Arbeitsmarkt hat im Oktober einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit in Thüringen bewirkt. Erstmals seit November 2019 sei die Arbeitslosenquote wieder unter die Fünf-Prozent-Marke gesunken, teilte die Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur am Donnerstag mit. Sie lag im Oktober bei 4,9 Prozent, dem niedrigsten Wert in Ostdeutschland, und habe damit wieder das Niveau vor der Corona-Krise erreicht. Bundesweit sank die Arbeitslosenquote auf 5,2 Prozent.

Im Oktober waren im Freistaat 54.500 Menschen arbeitslos - 2800 weniger als im September und 11.300 weniger als vor einem Jahr. Vor der Corona-Pandemie hatte die Zahl der Arbeitslosen im Oktober 2019 noch bei 55.800 gelegen. Neue Stellen würden vor allem von Zeitarbeitsfirmen, von Handel, Industrie sowie aus dem Sozialbereich gemeldet.

Angesichts der guten Entwicklung seit dem Sommer rechnen die Arbeitsmarktexperten mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit in Thüringen - wenn auch etwas verhaltener als bisher. Diese Prognose gelte auch für 2022. Die stabile Situation auf dem Arbeitsmarkt hat aber auch eine Schattenseite. «Sorge bereitet uns jedoch die Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit», erklärte der Geschäftsführer der Regionaldirektion, Markus Behrens. 23.100 Thüringer waren im Oktober länger als ein Jahr ohne Job - zwar 600 weniger als im September, aber 1200 mehr als vor Jahresfrist.

Damit gelten derzeit 42 Prozent der Arbeitslosen in Thüringen als langzeitarbeitslos - der Anteil steigt seit einem Jahr kontinuierlich an. Behrens sprach vom Risiko, dass sich die Langzeitarbeitslosigkeit verfestige.

Kurzarbeit war weiterhin ein Mittel, um Beschäftigungsprobleme zu überbrücken. Im Oktober registrierten die Arbeitsagenturen in Thüringen knapp 120 Kurzarbeitsanzeigen für rund 2700 Beschäftigte. Im September 2021 galten die Anzeigen der Unternehmen noch für etwa doppelt so viele Beschäftigte. Betroffen von Kurzarbeit sind nach Angaben der Regionaldirektion vor allem die Metall-, Auto und Kunststoffindustrie.

Die Geschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Cornelia Haase-Lerch, verwies auf eine Konjunkturumfrage, nach der die Bereitschaft der Unternehmer, Personal einzustellen, weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt liege. 12 Prozent der befragten Firmen wollten zusätzliche Stellen schaffen.

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