Modell zu Energiewende: Deutlicher Kostenanstieg vermeidbar

21.01.2022 Nach einer Modellierung der Fachhochschule Nordhausen ist die Energiewende in Thüringen ohne einen deutlichen Kostenanstieg umsetzbar. «Wir schaffen das mit unseren Energiepotenzialen, die wir in Thüringen haben», sagte der Wissenschaftler Viktor Wesselak, unter dessen Leitung die Modellierung erstellt worden ist, am Freitag in Erfurt. Allerdings müssten sowohl die Windkraft als auch die Photovoltaik schnell und umfassend ausgebaut werden, wenn der Freistaat in den nächsten Jahrzehnten tatsächlich klimaneutral werden wolle. Wesselak hat die Professur für Regenerative Energiesysteme an der Fachhochschule Nordhausen inne.

Morgenstimmung über einem Windenergiepark. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wesselak sagte, die Modellierung zeige auch, dass die zukünftigen Energiekosten in Thüringen mit Hilfe der Energiewende einigermaßen konstant gehalten werden könnten. Sie pendelten auf den gesamten Freistaat bezogen um die Marke von etwa zwei Milliarden Euro jährlich. Es sei nicht damit zu rechnen, dass diese Kosten in Zukunft deutlich sinken; ein weiterer dramatischer Anstieg sei so aber durchaus zu vermeiden. Einzelne Energieeinheiten - also etwa eine Kilowattstunde Strom - würden wahrscheinlich in Zukunft teurer als derzeit. Weil aber verschiedenste Anlagen gleichzeitig effizienter werden würden, werde weniger von dieser Energie gebraucht, sodass die Gesamtkosten einigermaßen konstant blieben, hieß es.

Thüringen decke heute einen großen Teil seines Energiebedarfs durch Importe, sagte Wesselak. In Zukunft könne die entsprechende Wertschöpfung deutlich stärker als bislang im Freistaat geschehen.

Zur Modellierung gehört ein Energiewende-Rechner, der aufzeigen soll, welche Folgen sich für die angestrebte Klimaneutralität ergeben - je nachdem in welchem Zeitraum die Zahl der Windräder in welchem Umfang steigt oder wie viele neue Photovoltaik-Anlagen wann gebaut werden. Dieser Rechner richtet sich nach Angaben von Wesselak in erster Linie unter anderem an Kommunen oder Stadtwerke, die damit etwa überprüfen könnten, wie sich eine konkrete Investitionsentscheidung auswirke. Die Fachhochschule könne das Tool allen interessierten Anwendern nach einer kurzen Einweisung zur Verfügung stellen, sagte er.

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) sagte mit Verweis auf den Rechner und die Modellierung Wesselaks, Thüringen sei nun das erste Bundesland, das sein Energiesystem virtuell abbilden und konfigurieren könne. Das sei ein wichtiger Beitrag, um die Energiewende voran zu bringen. Sie warb erneut für einen schnellen und umfassenden Ausbau grüner Technologien im Land.

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