Mehr Bedrohungen und Gewalt an Thüringens Schulen

28.12.2021 Beleidigungen, Reichsbürger-Schreiben, teils tätliche Angriffe: Frust und Wut gegen die Corona-Politik entluden sich im Jahr 2021 nicht nur auf der Straße, sondern auch an den Schulen. Nun sollen Lehrer besser auf den Umgang damit vorbereitet werden.

Zwei Schüler prügeln sich auf dem Schulhof. Foto: Oliver Berg/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Im Corona-Jahr 2021 sind an Thüringens Schulen mehr Fälle von Bedrohungen, Beleidigungen und Gewalt gemeldet worden. Die Fälle von Bedrohungen stiegen von 91 im Jahr 2020 auf 130 im ablaufenden Jahr 2021, wie das Thüringer Bildungsministerium auf dpa-Anfrage mitteilte. In 58 diesjährigen Fällen wurden Schüler als Täter gemeldet, bei 34 Fällen gab es einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. «Es wurde jedoch festgestellt, dass diese Bedrohungen oftmals von außen und anonym auf die Schulen einwirken», erklärt das Ministerium.

Anders sieht es bei Vorfällen mit Körperverletzung aus: Auch hier wurde ein Anstieg verzeichnet - von 128 im Jahr 2020 auf 189 in diesem Jahr. Diese seien aber hauptsächlich - in 168 Fällen - von Schülern begangen worden.

Laut Ministerium lagen die Körperverletzungen ungefähr auf dem Niveau der Jahre 2017 bis 2019. «Ein Zusammenhang mit der Corona-Pandemie konnte aus den Meldungen kaum hergeleitet werden», hieß es. Die Zahl der Beleidigungen stieg von 37 auf 47 Meldungen, 32 davon gingen von Schülern aus.

Die Daten gehen auf Meldungen sogenannter besonderer Vorkommnisse aus den Schulen zurück. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vorfälle letztendlich auch zu einer Anzeige führten.

«Meine Einschätzung ist, dass die große Mehrheit der Menschen in Thüringen die Corona-Maßnahmen akzeptiert, vielleicht auch murrend akzeptiert», sagte Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Es gebe aber auch eine Gruppe von Eltern, die die Maßnahmen ablehne und die «ihren Frust und ihre Wut gegenüber den Lehrerinnen und Lehrern und auch den Schulleitungen zum Ausdruck bringen», wie Holter sagte. «Dazu gab es Demonstrationen vor den Schulen, Plakatierungen, Beschimpfungen, Beleidigungen der Lehrerinnen und Lehrer, aber eben auch zum Teil tätliche Angriffe», sagte Holter. Dem müsse man Einhalt gebieten.

Holter unterstrich, dass die politische Auseinandersetzung mit ihm geführt werden müsse und nicht mit den Beschäftigten an den Schulen. «Hier muss es ein ganz klares Stoppzeichen geben gegen die verbalen und tätlichen Angriffe auf Lehrerinnen und Lehrer.»

Einen starken Zuwachs gab es im laufenden Jahr bei gemeldeten Propagandadelikten. Während im Jahr 2020 nur zwei solcher Vorkommnisse gemeldet wurden, waren es im laufenden Jahr 132. Nach Einschätzung von Holters Ministerium ist hier ein «deutlicher Corona-Bezug» zu erkennen. Dazu gehörten auch «teils drastische Äußerungen aus Corona-Leugner- und Reichsbürgerkreisen».

Das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien plane Anfang 2022 eine Fortbildung für Lehrer zum Umgang mit solchen Schreiben.

© dpa-infocom GmbH

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