In Thüringen nur Einzelvorkommen des «Vogel des Jahres»

18.11.2021 Der Wiedehopf ist der «Vogel des Jahres» 2022. Mit fast 32 Prozent der Stimmen setzte er sich gegen Mehlschwalbe, Bluthänfling, Feldsperling und Steinschmätzer durch, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Donnerstag verkündeten.

Ein Wiedehopf sitzt auf einem Baumstumpf.. Foto: Torsten Beuster/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es ist das zweite Mal, dass die beiden Naturschutzverbände öffentlich zur Wahl des Jahresvogels aufgerufen hatten. Den Titel vergeben sie bereits seit 50 Jahren - bislang suchten jedoch Fachleute den Jahresvogel aus. Im Jubiläumsjahr durfte erstmals die Bevölkerung abstimmen und votierte für das Rotkehlchen. Mehr als 142 000 Menschen beteiligten sich nach Nabu-Angaben diesmal bei der virtuellen Wahl.

«Der Wiedehopf ist einer unserer auffälligsten heimischen Vögel. Sein spektakuläres Federkleid in Orangerot mit der markanten Federhaube hat ihm bestimmt die eine oder andere Stimme eingebracht», teilte der LBV-Vorsitzende Norbert Schäffer mit. Der Wiedehopf stehe aber auch für ein wichtiges Naturschutzthema.

Obwohl er unverwechselbar ist, bekommen Vogelfans den Wiedehopf eher selten zu Gesicht: In Deutschland leben nur noch wenige Hundert Brutpaare des als gefährdet geltenden Vogels. Der Wiedehopf braucht nach Nabu-Angaben offene, artenreiche Landschaften wie Weinberge, Obstgärten und Böschungen. Der Insektenschwund und der Verlust von natürlichen Nistplätzen machen ihm zu schaffen.

«In Thüringen gibt es nur verstreute Einzelvorkommen des Wiedehopfs», sagte der Thüringer NABU-Vogelexperte Klaus Lieder. So seien etwa Bruten aus dem Saaletal, aus dem Altenburger Land und im Plothener Teichgebiet bekannt. «Früher, so etwa vor 200 Jahren sah das noch ganz anders aus. Da kam der bunte Vogel im Freistaat flächendeckend vor. Er fehlte lediglich in den höheren Lagen wie im Thüringer Wald.» Einen der Gründe für den Rückgang des Wiedehopfs sieht Lieder in der Umstellung der Tierhaltung. «Der Wiedehopf benötigt halboffene bis offene insektenreiche Landschaften. Als angefangen wurde Tiere wie Rinder in den Stall und nicht mehr auf die Weide zu stellen, ist ein großer Teil dieser Landschaften verschwunden.»

© dpa-infocom GmbH

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