Immer weniger Russisch-Unterricht an Thüringer Schulen

07.12.2021 Viele Menschen in den ostdeutschen Bundesländern haben selbst noch Russisch-Unterricht in der Schule gehabt. Bei ihren Kindern und Enkeln ist das allerdings nicht mehr so. Dafür gibt es wohl vor allem einen Grund.

Eine Schülerin beim Unterricht. Foto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

An den freien und staatlichen Schulen in Thüringen wird immer weniger Russisch unterrichtet. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Russisch lernenden Schüler um etwa zwanzig Prozent gesunken, heißt es in der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linke-Landtagsabgeordneten Torsten Wolf und Andreas Schubert. Hätten im Schuljahr 2016/2017 noch etwa 19 000 Kinder und Jugendliche diese Fremdsprache gelernt, seien es im Schuljahr 2020/2021 nur noch rund 15 300 gewesen. Auch die Zahl der Lehrer, die das Fach unterrichten können, ist demnach zuletzt deutlich zurückgegangen.

Nach Einschätzung des Bildungsministeriums hat die sinkende Zahl der Russisch-Schüler in Thüringen vor allem damit zu tun, dass sich junge Menschen immer weniger für diese Sprache interessieren. Dieses Interesse sei aber wichtig, um das Angebot für Russisch-Unterricht aufrecht zu erhalten, heißt es in der Antwort auf die Anfrage. Unter den Sprachen, die in Thüringen als zweite Fremdsprache unterrichtet werden, sei Russisch aber immer noch die drittstärkste.

Der Abstand zur beliebtesten zweiten Fremdsprachen ist jedoch groß: Rund 41 700 Kinder und Jugendliche lernten im Schuljahr 2020/2021 Französisch als zweite Fremdsprache. Etwa 16 000 Schülern nahmen Latein-Unterricht. Die erste an den Thüringer Schulen unterrichtete Fremdsprache ist in der Regel Englisch.

In ihren Vorbemerkungen zu ihrer Anfrage bedauern Wolf und Schubert die sinkende Zahl der Russisch-Lernenden. «In diesem Zusammenhang ist nicht nur mit Blick auf die historisch gewachsene Völkerfreundschaft mit Russland ein substanzieller Verlust für die zukünftigen Generationen zu befürchten», schreiben sie dort. Auch die deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu Russland stützten sich noch immer maßgeblich auf diese Sprachkompetenz, die in den ostdeutschen Bundesländern jedenfalls derzeit noch «traditionell vorhandenen» sei.

Die Zahl der Lehrer, die Russisch als Fremdsprache unterrichten können, ist nach den Daten des Ministeriums von etwa 2 300 im Schuljahr 2016/2017 auf etwa 1 700 im Schuljahr 2020/2021 gesunken – ein Rückgang, der mit ungefähr 26 Prozent sogar noch größer ist, als bei der Zahl der russisch-lernenden Schüler.

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