Eltern sollen über Schulbesuch kurz vor Ferien entscheiden

15.12.2021 Eltern sollen in Thüringen selbst entscheiden, ob sie ihre Kinder die letzten drei Tage vor den Weihnachtsferien noch in die Schule schicken. Volljährige Schüler könnten die Entscheidung für sich selbst treffen, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Erfurt sagte. Das Bildungsministerium ändert damit seinen bisherigen Kurs.

Eine OP-Maske liegt in einem Klassenzimmer auf einem Federmäppchen. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Lehrerverband reagierte mit Unverständnis. «Ein bloßes Abwälzen der Entscheidung über den Schulbesuch auf die Erziehungsberechtigten ist die denkbar ungünstigste Lösung», sagte der Landesvorsitzende Rolf Busch. Für Schulen bedeute es, dass sie parallel zum Präsenzunterricht den Fernunterricht stemmen müssten.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte bisher vehement abgelehnt, die Weihnachtsferien im Freistaat vorzuziehen - nun gibt es quasi einen Kompromiss. Grund für die Entscheidung ist laut Ministerium die angespannte Infektionslage im Land. Die Weihnachtsferien beginnen in Thüringen am 23. Dezember. «Ich nehme angesichts der weiterhin angespannten Infektionslage in Thüringen große Sorgen und den Wunsch von Eltern wahr, vor den Weihnachtsferien selbst über den Schulbesuch entscheiden zu können», erklärte Holter.

Am Rand einer Landtagssitzung sagte er, eine Allgemeinverfügung zu der neuen Regelung werde noch in dieser Woche kommen. Er habe sich zu der Wahlfreiheit auch nach Gesprächen mit den Landräten entschieden, die die Situation an den Schulen und die Erwartungshaltung auch von Eltern geschildert hätten. Die Wahlfreiheit sei eine Abwägung zwischen den Interessen der Eltern, die Unterricht für ihre Kinder haben wollten und denen, die ihre Kinder lieber zu Hause sähen. «Ab 3.1. ist Schule aber wieder im Vollbetrieb», betonte der Minister.

Holters Ministerium teilte mit, dass die Schulen zeitnah über die neue Regelung informiert werden sollen. Demnach ist geplant, dass Schülerinnen und Schüler, die die Schule nicht besuchen, Aufgaben mit nach Hause bekommen oder über die Schulcloud zur Verfügung gestellt bekommen.

Klausuren und Arbeiten in Abschlussklassen seien von der Regelung aber nicht betroffen. «Schülerinnen und Schüler müssen an diesen Klausuren und Arbeiten teilnehmen, wenn sie in der kommenden Woche terminiert sind», hieß es vom Ministerium.

Thüringen ist seit Tagen bundesweit das Land mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Am Mittwoch lag sie nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bei 952,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Bundesweit lag die Inzidenz am Mittwoch bei 353.

Sieben der bundesweit zehn am stärksten betroffenen Regionen liegen in Thüringen. Die höchste Inzidenz wies am Mittwoch der Landkreis Hildburghausen mit 1690,2 (Vortag: 1442,2) aus. Sieben weitere thüringische Landkreise wiesen vierstellige Inzidenz-Werte auf.

Seit Monaten gibt es Kritik am Kurs des Bildungsministeriums durch die Corona-Pandemie. Nach umstrittenen Tweets vom Wochenende, in denen das Offenhalten der Schulen begründet wurde, veranlasste Holter die Entlassung seiner Staatssekretärin Julia Heesen, die für die Tweets verantwortlich gewesen sein soll.

© dpa-infocom GmbH

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