Corona-Lage auf Intensivstationen entspannter

19.01.2022 Auf den Thüringer Intensivstationen entspannt sich die Corona-Lage zusehends. Auch bei den Fallzahlen bleibt Thüringen bundesweit das am wenigsten betroffene Land. Entwarnung gibt es allerdings nicht.

Eine Mitarbeiterin der Pflege steht in einem Zimmer einer Corona-Intensivstation. Foto: Fabian Strauch/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Lage auf den Thüringer Intensivstationen hat sich etwas entspannt. Erste Covid-19-Patienten, die zur Behandlung in andere Bundesländer verlegt worden waren, könnten in den Freistaat zurückkehren, sagte der Thüringer Intensivkoordinator Michael Bauer der Deutschen Presse-Agentur. In Thüringen waren um Weihnachten bis zu 230 Menschen auf den Intensivstationen behandelt worden. Inzwischen seien es um die 40 Prozent weniger als in der Spitze, sagte Bauer. Für das Personal bedeute dies vor allem psychisch eine geringere Belastung.

Laut dem Divi-Intensivregister wurden am Mittwochmittag 122 Corona-Patienten auf den Intensivstationen des Freistaats versorgt. So wenige waren es zuletzt Anfang November gewesen. Landesweit waren dennoch 83,7 Prozent aller Intensivbetten belegt - rund jedes Fünfte davon mit Covid-19-Patienten. Bauer erklärte, weniger Arbeit hätten die Intensivstationen derzeit nicht. «Die Betten sind voll.» Derzeit würden vor allem wegen Corona aufgeschobene Operationen, bei denen die Patienten anschließend überwacht werden müssten, nachgeholt.

Zudem sei es trotz einer derzeit niedrigen Corona-Inzidenz zu früh, von Entwarnung zu sprechen. Auch in Thüringen sei die Omikron-Variante des Virus auf dem Vormarsch. Und auch bei dieser Variante könne es zu schweren Verläufen mit Lungenversagen und Bedarf an künstlicher Beatmung der Erkrankten kommen. Auch seien die Kliniken der norddeutschen Bundesländer, die Thüringer Patienten aufgenommen hätten, jetzt deutlich stärker durch Corona-Infektionen mit der Omikron-Variante des Virus belastet. Es komme dort zu Personalausfällen.

Entscheidend werde sein, ob die Impfquote in Thüringen im Kampf gegen Omikron ausreiche und sich genügend Menschen boostern ließen, sagte Bauer, der am Universitätsklinikum Jena die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin leitet. In Bremen mit einer derzeit besonders hohen Corona-Inzidenz halte sich angesichts einer Impfquote von rund 85 Prozent bei der Grundimmunisierung die Belastung der Intensivstationen noch in Grenzen.

In Thüringen haben derzeit 67,3 Prozent der Menschen einen vollständigen Grundschutz erhalten. Dafür sind in der Regel zwei Impfdosen nötig. Eine Auffrischungsimpfung haben derzeit 42,4 Prozent der Menschen erhalten. Landesweit waren am Mittwoch noch über 100.000 Impftermine frei.

Die Infektionszahlen in Thüringen bleiben weiter auf niedrigem Niveau - stiegen aber wieder etwas an. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Mittwoch mit 216,4 an. Am Dienstag hatte die Zahl bei 204,2 gelegen. Thüringen bleibt damit das Bundesland mit dem geringsten gemeldeten Infektionsgeschehen.

Laut Thüringer Warnstufen-System rutschten mit den Landkreisen Sonneberg, Altenburger Land, dem Saale-Orla-Kreis sowie der Stadt Gera erstmals seit Monaten wieder Regionen in Warnstufe zwei ab. Das Warnsystem war vergangenen Sommer eingeführt worden, um ab gewissen Fall- und Krankenhausbelastungszahlen mehr Einschränkungen zu ermöglichen.

Mit dem Erreichen von Warnstufe zwei sind nun in den betroffenen Kommunen Lockerungen möglich. Das Thüringer Gesundheitsministerium riet aber davon ab. In einem Schreiben, dass am Mittwoch an die Landräte und Oberbürgermeister verschickt wurde, wies es darauf hin, dass solche Lockerungen der Zustimmung des Ministeriums bedürften. «Diese Lockerungen kämen voraussichtlich nur für wenige Tage zum Tragen. Eine solche Vorgehensweise wäre gegenüber der Bevölkerung bei einem kurzfristig zu erwartenden Anstieg des Infektionsgeschehens nur schwerlich zu vermitteln», heißt es in dem Schreiben.

Demnach werde in Thüringens Nachbarbundesländern bereits von einer zunehmenden Belastung der Krankenhäuser berichtet. «Auch in Thüringen muss nach den aktuellen Prognosen mit einem erneuten starken Anstieg der Infektionszahlen gerechnet werden», scheibt das Ministerium. Auch Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) ging zuletzt angesichts der Omikron-Variante wieder von einem Anstieg der Zahlen aus. Derzeit werden nach Angaben des Ministeriums knapp 1000 Corona-Fälle in Thüringen Omikron zugerechnet.

Das Gesundheitsministerium will die Entwicklung der Infektionszahlen nun in den kommenden zwei Wochen «intensiv beobachten und auswerten», hieß es. Sollte es in dieser Zeit «wider Erwarten» nicht zu einem Anstieg der Infektionszahlen kommen und sich mehrere Landkreise und kreisfreien Städte weiter stabil in der Warnstufe zwei befinden, wolle man «vertretbare Lockerungen» prüfen.

© dpa-infocom GmbH

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