Verschwundene Miriam aus Sachsen-Anhalt in Berlin entdeckt

07.01.2022 Bei vermissten Kindern und Jugendlichen denken viele schnell an Verbrechen. Oft sind sie aber nur ausgerissen, um Konflikten zu entkommen oder ein vermeintlich aufregenderes Leben an anderer Stelle zu suchen.

An der Tür von einem Streifenwagen steht der Schriftzug «Polizei». Foto: David Inderlied/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die vermisste 15-jährige Miriam aus Sachsen-Anhalt ist in Berlin wieder aufgetaucht. Nach einem telefonischen Hinweis aus ihrem Umfeld konnte die Polizei sie in der Nacht zu Freitag in einer Wohnung im Bezirk Reinickendorf finden. «Ihr geht es gut», sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei am Freitagmorgen. Sie sei freiwillig in der Wohnung gewesen und nicht Opfer eines Verbrechens.

Zunächst bleibe das Mädchen in der Obhut der Polizei. Ob es auch Ermittlungen wegen einer Straftat gibt, werde wegen der Persönlichkeitsrechte der Minderjährigen nicht mitgeteilt.

Miriam war seit Mitte 2021 verschwunden. Die Mutter und die Polizei hatten sie in Berlin vermutet, offenbar auch, weil Miriam das selbst mitgeteilt hatte. Nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung war sie von ihrer Mutter in Sachsen-Anhalt weggelaufen und hatte sich nach Berlin abgesetzt.

Die Polizei hatte mit zwei Fotos nach Miriam gesucht. Aufsehen erregte das deshalb, weil zwei sehr unterschiedliche Bilder veröffentlicht wurden. Das eine Foto zeigte eine Frau, die deutlich älter als 15 Jahre aussah. Es ist auch auf dem Facebook-Profil des Mädchens zu finden und wurde offenbar stark am Computer bearbeitet. Zu sehen ist ein sehr künstlich wirkendes Gesicht mit übertrieben großen Augen und Lippen. Die Polizei hatte außerdem mitgeteilt, das Mädchen trage gerne farbige Kontaktlinsen und habe lange dunkelblond gefärbte Haare. Andere Fotos in dem Internetprofil zeigen sie eher freizügig gekleidet in einem teuren Auto und in einer Bar.

Die Öffentlichkeitsfahndung begann erst viele Monate, nachdem Miriam verschwunden war. Die Mutter habe sich zwar bereits vor einiger Zeit gemeldet, so die Polizei. Sie habe einer öffentlichen Fahndung aber erst vor Kurzem zugestimmt.

Laut «Bild» erzählte die Mutter, die Berliner Polizei habe die Öffentlichkeitsfahndung zunächst abgelehnt. Sie habe dann einen Brief an die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik geschrieben, worauf die Polizei aktiv wurde. Miriam rief dann laut dem Bericht am Donnerstag bei der Zeitung an und sagte, sie habe den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen und verstehe die Fahndung nicht.

Wegen des veröffentlichten Fotos erinnert der Fall auch an die 15-jährige Rebecca aus Berlin, die vor fast genau drei Jahren am 18. Februar 2019 verschwand. Auch damals verwendete die Polizei ein Foto für die Suche, das das Mädchen am Computer retuschiert hatte und wenig Ähnlichkeit mit anderen Bildern von ihr hatte. Anders als im aktuellen Fall geht die Polizei bei Rebecca aber von einem Mord aus, das Mädchen oder ihre Leiche wurde trotz intensiver Suche nicht gefunden.

Jedes Jahr werden in Deutschland viele tausend Menschen als vermisst gemeldet. Laut dem Bundeskriminalamt (BKA) werden täglich 200 bis 300 Fahndungen neu erfasst, etwa die gleiche Anzahl wird wegen Erledigung gelöscht. Die Hälfte der Vermissten sind Kinder und Jugendliche. Sie verschwinden aus unterschiedlichen Gründen, oft wegen Problemen in der Schule, mit den Eltern oder wegen Liebeskummer. Die allermeisten tauchen aber sehr schnell wieder auf.

2020 wurden 73.701 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren als vermisst gemeldet. Im Lauf des Jahres wurden davon 72.159 wieder gefunden (97,9 Prozent). Bei Kindern bis 13 Jahren waren es im selben Jahr 14.614 Fälle, von denen rund 97 Prozent aufgeklärt wurden.

Allerdings bleiben von 1951 bis heute mehr als 1600 ungeklärte Fälle vermisster Kinder. Mehr als die Hälfte dieser Kinder sind laut BKA unbegleitete Flüchtlinge, Dauerausreißer oder wurden nach Familienkonflikten von einem Elternteil mitgenommen. Bei dem Rest - einigen Hundert bis knapp tausend Kindern - sei «zu befürchten, dass diese Opfer einer Straftat oder eines Unglücksfalls wurden (..) oder nicht mehr am Leben sind».

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

1. bundesliga

Bundesliga: Bericht: Favre kehrt nach Gladbach zurück

Musik news

Neues Album: Harry Styles: Ein musikalischer Befreiungsschlag

People news

Popsänger: Ed Sheeran freut sich über ein Mädchen

Musik news

Deutsch-Pop: Kölner Band Erdmöbel zwischen Alltag und Euphorie

Auto news

Preis runter, Fahrer munter?: Der Tankrabatt kommt: Was Autofahrer jetzt wissen müssen

Handy ratgeber & tests

Featured: iOS 15.6: Alle Infos zum iPhone-Update

Reise

Bundesrat macht Weg frei: 9-Euro-Tickets für Busse und Bahnen kommen zum 1. Juni

Das beste netz deutschlands

Gefährliche Mails: Phishing-Betrüger auf Paypal-Raubzug

Empfehlungen der Redaktion

Panorama

Vermisste Jugendliche: Verschwundene Miriam aus Sachsen-Anhalt in Berlin gefunden

Panorama

Kinder: In Deutschland werden mehr Minderjährige vermisst

Regional bayern

Landeskriminalamt: Jährlich mehr als 9000 Vermisste in Bayern

Regional berlin & brandenburg

Polizei rollt Fall eines getöteten Babys neu auf

Panorama

Kriminalität: Vermisstes Kind in USA in Treppenversteck entdeckt

Regional baden württemberg

Notfälle: Deutlich mehr Vermisstenfälle im Südwesten

Regional bayern

Nach Tötung von Ehefrau: Flüchtiger auf Fahndungsliste

Panorama

Kriminalität: Vermisster belgischer Junge tot in den Niederlanden gefunden